Heute sind es bereits drei Wochen, dass der unsägliche Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo 17 Menschen tötete – und versuchte, das Wort mit dem Schwert alias Kalaschnikow mundtot zu machen. Drei Wochen, in denen das Geschehen bereits auf alarmierende Weise wieder in den Hintergrund gerutscht ist, heimlich, verstohlen. Wo doch immer noch das Entsetzen uns stumm zu machen droht. Das Mainzer Staatstheater hält nun dagegen, mit der Reihe „Das Wort ist stärker als das Schwert“. Wir setzen ein ! dahinter.

Nous sommes Charlie mit Kerzen Mainz - Foto Benjamin WeißDie Reihe sucht jeden Montag mit Worten, Ausdruck, Spiel einen Umgang mit dem Entsetzen, das Charlie Hebdo ausgelöst hat – weil es ein Anschlag auf unsere wichtigsten Werte war: die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit – die Freiheit überhaupt. Unsere Freiheit, die der westlichen, der demokratischen Welt.

Auseinandersetzen, unfertig, offen – laut Denken

Im Theater sei der Wunsch aufgekommen, „sich – in unfertiger, offener Form, so wie es unserer Gefühlslage entspricht – aktuell auseinander zu setzen“, schreibt Sylvia Fritzinger, Leiterin der Kommunikation im Staatstheater, in ihrem Pressebrief. Auseinandersetzen „mit dem, was wir meinen, wenn wir ‚Freiheit‘ sagen, mit dem Anspruch an ein weltoffenes, tolerantes Europa, mit den Ängsten, die es offensichtlich gibt, mit der Frage nach unseren Werten.“

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Daraus entstanden ist eine neue Reihe, und die trägt den programmatischen Titel: „Das Wort ist stärker als das Schwert.“ Jeden Montag wird nun dazu im Staatstheater gelesen, diskutiert, gespielt und laut gedacht, und natürlich ist es kein Zufall, dass es immer montags ist: „Wir wollen den Montag nicht denen überlassen“, heißt es vom Theater, „die sich anmaßen, Sprachrohr des Volkes zu sein. Denn sie sind es nicht!“

Schild mit ganzem Herzen Charlie Hebdo am Institut Francais
Mit ganzem Herzen bei Charlie Hebdo – mit ganzem Herzen weiterzeichen, schreiben, kämpfen. – Foto: gik

Szenische Lesung aus „Rechtsmaterial“ zu den NSU-Morden

Und wir müssen uns entschuldigen, dass uns die Ankündigung vergangene Woche durchgegangen ist – denn vorgestern, am Montag, fand bereits eine spannende Veranstaltung zum Koran statt, mit dem Ägyptologen Youssef Mohamed von der Universität Mainz. Da hätten wir Euch wirklich gerne hingeschickt…

Aber es sind noch einige Montage übrig, der 2. Februar zum Beispiel, an dem Hausregisseur Jan-Christoph Gockel mit Schauspielern aus seiner Produktion „Rechtsmaterial“ szenisch lesen wird. Rechtsmaterial wiederum ist ein Abend über die Morde der Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU – auch hier mordeten Fanatiker im Namen einer Ideologie. Mitten in Deutschland. Und darüber wird in Deutschland noch viel zu wenig geredet – geschweige denn aufgeklärt…

Choreographen aus Ungarn im März

Titelbild Charlie Hebdo
Weiter machen wie Charlie Hebdo. Weiter machen für Charlie Hebdo. Für uns alle.

Im März wiederum werden im Rahmen des tanzmainz Festivals ungarische Tänzer und Performer zu Gast sein, die in ihrer Heimat Ungarn gerade einen Vormarsch von Intoleranz und Unfreiheit erleben, der eigentlich ebenso sprachlos macht. Am 16. März werden drei Choreographen aus Ungarn zeigen, wie unter den sich ständig verschärfenden (kultur-)politischen Bedingungen Tanz und Performancekunst entstehen.

Denn sprachlos, genau das dürfen wir nicht sein – weder mit Worten, noch Körpern, noch Taten. „Zwischen dem Entsetzen über die brutalen Morde von Paris und der Ablehnung der platten Phrasen von Pegida-Sprechchören war und ist es eine Herausforderung, sich dazu als Theater zu äußern“, schreibt Fritzinger weiter. Je suis Charlie war (und ist) eine Überschrift, „unter der man sich in erster Solidarität versammeln, und für eine freie Gesellschaft positionieren konnte.“

Was aber kommt danach?

Je suis CharlieDie Reihe im Staatstheater soll „ein Angebot zum gemeinsamen Austausch sein, zu dem das Theater Anregungen geben kann.“ Und es ist großartig, dass es in Mainz – endlich – ein Theater gibt, das diese Rolle, diesen Auftrag ernst nimmt, ihn annimmt. Denn wie heißt es so treffend: „Einfache Antworten oder Lösungen gibt es nicht.“

Info& auf Mainz&: Mehr zu der Montagsreihe „Das Wort ist stärker als das Schwert“ findet Ihr auf dieser Internetseite des Mainzer Staatstheaters. Dort findet Ihr auch die jeweiligen Themen. Beginn ist jeweils 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei, Treffpunkt ist im Eingangsbereich des Großen Hauses.

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