5,81 Millionen Menschen haben am Fastnachtsfreitag die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ gesehen. Damit sei die Fernsehfastnacht die meistgesehene Sendung an diesem Tag in Deutschland gewesen und auf einen Marktanteil von 22,7 Prozent gekommen, teilte der SWR mit. Allerdings waren die 5,8 Millionen zugleich die schwächste Einschaltquote bei „Mainz bleibt Mainz“ seit Jahren: zuletzt fielen die Zuschauerzahlen bei der Mutter aller Fernsehsitzungen im Jahr 2014 unter die 6-Millionen-Marke. 2018 hatten noch 6,42 Millionen bei „Mainz bleibt Mainz“ im ZDF eingeschaltet, jetzt landete die Sendung im Quotentief. Viel Kritik gab es in den sozialen Netzwerken vor allem an der Technik: Kameraführung und große Tonprobleme im ersten Drittel sorgten für harsche Kritik, ebenso das unsensible Abwürgen des Sassa-Hits am Ende der Sendung. Nicht gut kamen auch Redner wie Detlev Schönauer und Andy Ost an, bei ihnen fiel nach Mainz&-Informationen die Quote um mehrere Hunderttausend Zuschauer.

5,81 Millionen Zuschauer bei "Mainz bleibt Mainz" - Fernsehsitzung mit Tagessieg, aber Quotentief - Unmut bei Narren
Johannes Bersch war mit seiner „Moguntia“ der Star von „Mainz bleibt Mainz“ 2019. – Foto: gik

Fakt ist: „Mainz bleibt Mainz“ bleibt der absolute Quotenhit im bundesdeutschen Fernsehen und auch weiter die meistgesehene Fastnachtssendung im Fernsehen. 5,81 Millionen Zuschauer meldete der Südwestrundfunk in diesem Jahr – das muss man erst einmal schaffen. 22,7 Prozent Marktanteil, das bedeutete den Tagessieg. Es sei „gelungen, eine Tradition erfolgreich fortzuführen und dabei neue Akzente zu setzen“, sagte Christoph Hauser, zuständiger Programmdirektor des Südwestrundfunks: „Mainz bleibt Mainz“ sei „eine moderne Kultsendung.“

„Wir haben bestens aufgelegte Akteure gesehen“, freute sich auch der verantwortliche SWR-Redakteur Günther Dudek, und sprach von einem „gelungenen Abend“. Man habe der Republik gezeigt, was die typische Mainzer Saalfastnacht ausmache, vor allem die politisch-literarischen Redner hätten geglänzt. Mit Johannes Bersch habe sich gezeigt, „dass immer wieder neue Gesichter den Weg auf die Bühne der Fernsehfastnacht finden“, betonte Dudek: „Er wird auch in den kommenden Jahren sicher eine Bereicherung für die Mainzer Fastnacht sein.“ Das „vielfältige, aktualisierte Programm, die Stimmung zwischen Bühne und Publikum, die Ausgelassenheit im Kurfürstlichen Schloss – all das hat die Zuschauer erneut begeistert“, meinte auch Hauser.

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5,81 Millionen Zuschauer bei "Mainz bleibt Mainz" - Fernsehsitzung mit Tagessieg, aber Quotentief - Unmut bei Narren
Stimmungsmäßig erneut kein Hit: „Lehrer“ Detlev Schönauer bei „Mainz bleibt Mainz“ 2019. – Foto: gik

Das aber stimmte nur teilweise: Gleich zu Beginn der Fernsehsitzung hagelte es in den sozialen Netzwerken harsche Kritik am Ton: Der Sound aus dem Kurfürstlichen Schloss zu Mainz wurde weithin an den Fernsehgeräten als „sehr dumpf und sehr schlecht abgemischt“ empfunden – so ein Mainz&-Leser auf Twitter -, das sei „eher so Radio Eriwan Schwarzempfang mit nem Kochtopf und ner Angelschnur“, schrieb gar ein Kommentator. Für zahlreiche Scherze sorgte auch, dass gleich zu Beginn ein Kameramann dick im Bilde war, ein bislang von den Fernsehmachern eher unbekannter Patzer. Hektische Kameraschnitte zu Beginn sorgten ebenso für Kopfschütteln wie die Tatsache, dass der Zuschauer gar live mitverfolgen konnte,  wie sich Christian Schier und Michael Emrich als „grantelnde Alte“ am Komitee vorbei auf ihre Plätze zu schleichen versuchten.

Auf nicht so unbedingt viel Gegenliebe der Zuschauer stieß auch das spontan zusammengestellte Duo Florian Sitte als „Angela Merkel“ und Helmut Schlösser als „AKK“. Obwohl Sitte in der Kampagne in den Mainzer Sälen abräumte wie kaum ein anderer Redner, blieb er bei seinem abgeänderten Vortrag am Freitag blass – was von vielen kundigen Zuschauern als echter Verlust gesehen wurde. Auch das Duett mit Schlösser funkte trotz deutlicher Straffung im Vergleich zur Generalprobe am Mittwoch nicht wirklich – zum Highlight der Sendung wurden andere. Gefeiert wurde am Abend und danach vor allem Johannes Bersch, dessen „Moguntia“ als neuer Stern am politischen Narrenhimmel gefeiert wurde. Bisher habe es ja eine große Lücke nach dem Tode des „Bundestagsboten“ Jürgen Dietz gegeben, „heute ist sie ein großes Stück kleiner geworden“, schrieb Mainz&-Leser Matthias Slovig auf Twitter.

5,81 Millionen Zuschauer bei "Mainz bleibt Mainz" - Fernsehsitzung mit Tagessieg, aber Quotentief - Unmut bei Narren
Reaktionen von Zuschauern auf das abrupte Ende von „Mainz bleibt Mainz“ 2019 – mitten im Kult-Lied „Sassa“. – Foto: gik

Viel Lob gab es auch für Protokoller Erhard Grom, auch Lars Reichow kam mit seinem Vortrag in diesem Jahr wieder sehr gut an. Einen Abbruch gab es hingegen bei Andy Ost: Hier schaltete nach Mainz&-Informationen eine erhebliche Menge von Zuschauern ab, obwohl Ost im Saal sehr gut ankam. Scharfe Kritik gab es danach an Kabarettist Detlev Schönauer: Dass der in reinstem Saarländisch in seinen Vortrag startete, wurde von vielen als ausgesprochen unpassend empfunden – es wurde im Verlauf nicht besser: „Schön-aua“, kommentierten die einen, „bitte nie wieder“, schrieben andere. „Ohne sein Schmalzlied am Ende wäre dieser Schönauer meines Erachtens nur abgesoffen“, kommentierte ein Mainzer auf Facebook: „Der bis dahin einzige Beitrag, bei dem die Leute eher zögerlich aufstanden, das sollte den TV-Leuten mal zu denken geben.“ Tatsächlich räumten praktisch alle anderen Redner Standing Ovations ab.

Eines aber erwies sich deutlich: Alle Vorträge, an denen auf Wunsch des Südwestrundfunks erhebliche Änderungen über die üblichen Kürzungen hinaus vorgenommen wurden, litten darunter. Das betraf Ost ebenso wie Sitte, aber auch die Prinzengarde mit ihrem Männerballett (die nicht zu ihrem gewohnten Marsch tanzen durfte) und die Schnorreswackler: Deren zwei Gesangseinlagen aus dem Saal heraus kamen zwar gut an, blieben aber weit hinter dem zurück, was der Gesangstruppe sonst an Ovationen entgegen schlägt. Dazu waren die Texte kaum zu verstehen, der SWR hatte es trotz vergleichbarer Probleme bei der Närrischen Generalprobe am Mittwoch nicht geschafft, die Probleme auszuräumen. Das Fazit vieler Fastnachter, mit denen Mainz& nach der Fernsehsitzung gesprochen hat, lautete: Gewisse Anpassungen ans die Notwendigkeiten des Fernsehens sind ja ok – aber solch große Eingriffe in Vorträge darf es nicht geben, schließlich sind die Redner keine Profis, sondern noch immer Laien.

5,81 Millionen Zuschauer bei "Mainz bleibt Mainz" - Fernsehsitzung mit Tagessieg, aber Quotentief - Unmut bei Narren
Wurden bei ihrem ersten Auftritt bei „Mainz bleibt Mainz“ höchstens zur Hälfte gezeigt: das Prinzengardeballett. – Foto: gik

Keinerlei Tonprobleme gab es dann am Ende – bei „Obermessdiener“ Andreas Schmitt. Der wortgewaltige Schlussredner donnerte eine gewaltige predigt in den Saal, und riss die Zuschauer im Saal und an den Fernsehbildschirmen von den Stühlen. Minutenlang feierte gar das Publikum im Saal Schmitt mit „Oh wie ist das schön“-Ovationen, dass solche Sternstunden der Fernsehfastnacht gnadenlos abgewürgt werden, kam bei den Zuschauern gar nicht gut an. Besonders stark regten sich viele dann über den Abschluss auf: Dass der SWR mitten im Schlusslied „Sassa“ der Mainzer Hofsänger einfach abschaltete, sorgte fast schon für eine Revolte. „Seid Ihr denn verrückt, einfach auszublenden?“, fragte eine Zuschauerin entsetzt auf Twitter. „Bitte den unsensiblen Abwürger rauswerfen. Sassa muss sein“, forderte gar ein anderer. „Erst ausblenden, und dann irgendwelche blöden Trailer senden“, regte sich ein Dritter auf.

Fazit: In dieser Form wird „Mainz bleibt Mainz“ seine einstigen Spitzenzahlen bei den Zuschauern nicht halten können – von der Gewinnung neuer Zuschauer ganz zu schweigen. Auswertungen zufolge schalteten vor allem jüngere Zuschauern in Scharen ab oder gar nicht erst ein – kein Wunder, waren doch junge, fetzige Musikbeiträge, wie es sie in der Mainzer Fastnacht inzwischen zuhauf gibt, praktisch völlig außen vor geblieben.

Da half auch das Prinzengardeballett nicht wirklich: „Wäre schön gewesen, die bei ihrer Premiere auch mal zu sehen“, kommentierte eine Zuschauerin ironisch die Kameraführung, denn die konzentrierte sich über weite Strecken auf Sänger Thomas Neger. Zudem stellte sich die Frage, warum die Männertruppe auf „Meenz bleibt Meenz“ tanzen musste anstatt auf ihrem Gardemarsch – wenn die Fernsehmacher den Titelsong der Mainzer Fernsehfastnacht unbedingt drin haben wollen, könnten sie einfach darauf verzichten, das große Finale am Ende zu kastrieren. Insgesamt braucht „Mainz bleibt Mainz“ dringend ein Durchschütteln der Rednerriege, das Konzept des „Wir nehmen mal die Gleichen wie immer“ ist genauso wenig aufgegangen wie der Versuch, das Ganze mit zusätzlichen Inhalten aufzupeppen. Und ja, das war jetzt ein analytischer Kommentar 😉

Info& auf Mainz&: Mainz& war live bei der „Närrischen Generalprobe“ von „Mainz bleibt Mainz“ am Mittwoch zuvor dabei, unseren Bericht von dieser Sitzung, die ebenfalls als vollständige Sendung aufgezeichnet wird, findet Ihr hier – die Probleme vom Freitag gab es da bereits.

 

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