Es ist nach dem Dom DAS Wahrzeichen von Mainz, das mainzerischste aller Mainzer Denkmäler, ein Sinnbild der Lebensfreude: der Mainzer Fastnachtsbrunnen. Am Samstag wird das einmalige Denkmal auf dem Schillerplatz 50 Jahre alt. Fast neun Meter hoch ist der Brunnen, aus mehr als 200 Figuren besteht das Gebilde: Moguntia und Vater Rhein, Bajazz und Till Eulenspiegel, Narr, Possenreiter, aber auch Mönch, St. Martin und Pegasus – der Fastnachtsbrunnen steht wie kein anderes Denkmal für Mainz und seine Lebensart. Höchste Zeit für Mainz&, uns vor dem wahrlich närrischsten aller Brunnen zu verneigen.

Mönch und Bajazz, Römer, Till und Vater Rhein - Mainzer Fastnachtsbrunnen wird am Samstag 50 Jahre alt
Der Mainzer Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz vor dem Osteiner Hof – Foto: gik

Es war am 14. Januar 1967, als sich 5.000 Menschen auf dem Schillerplatz versammelten. Garden marschierten im Fackelzug zum Platz, Reden wurden gehalten, das Polizeimusikkorps spielte, und abends traf man sich in edler Garderobe zum Tanz – großer Bahnhof für das neue Denkmal. Die Idee für einen Brunnen auf dem Schillerplatz gab es schon länger, auch einen Fastnachtsbrunnen brachte der eine oder andere schon mal ins Gespräch. Doch es war der Unternehmer Ludwig Eckes, der 1962 rund 769.000 D-Mark für einen Brunnen stiftete, die Familie Eckes wollte damit ihre Verbundenheit gegenüber Mainz zum Ausdruck bringen. Aus 234 Entwürfen, die für den ausgeschriebenen Wettbewerb eingingen, kürte die Jury schließlich einen Sieger: den Narrenturm des Münchner Künstlers Blasius Spreng.

Und der schuf innerhalb von drei Jahren ein wahrhaft außergewöhnliches Denkmal: Auf einem Gerüst sind 200 bronzene Figuren übereinander, nebeneinander, scheinbar durcheinander angeordnet. Stundenlang kann man davor stehen und immer neue Facetten erkennen und sich doch nie satt sehen. Natürlich gibt es da die zahlreichen Figuren der Mainzer Fastnacht: Den Narr in allen Variationen, den Bajazz mit der Laterne, den Till mit dem Spiegel, den er den Narren vorhält. Da ist aber auch der Gardeoffizier und die Tänzerin, der vom Feiern müde Narr, der Musiker, die Schwellköpp und die Possenreiter. Sogar ein ganzes Komitee hat Spreng verewigt.

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Mönch und Bajazz, Römer, Till und Vater Rhein - Mainzer Fastnachtsbrunnen wird am Samstag 50 Jahre alt
Gardeoffizier und Eulenspiegel, Uffstumber und Paragraphenreiter auf dem Esel – Figuren im Mainzer Fastnachtsbrunnen – Foto: gik

Doch dazwischen und darüber tummeln sich auch Katzen und Füchse, Götter und Allegorien: Da räkelt sich Vater Rhein mit güldener Krone auf den Fluten, tanzen Nixen und schaut Stadtgöttin Moguntia auf ihr Volk hernieder. Ein Mädchen reitet auf einem Einhorn, ein Steinbock mit Narrenkappe schaut auf’s Volk, und der Pegasus am Narrenhimmel, Symbol der Dichtkunst, „schwingt seine Flügel zum Gebimmel, das mitten aus dem Turm erschallt“ – so reimte es einst Rudi Henkel, früherer Präsident des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV): „Wenn Dichter mit dem Worte ringen, wenn unerbittlich Fastnacht naht, steht Pegasus mit seinen Schwingen, mit Geistesblitzen stets parat.“

Ja, der Fastnachtsbrunnen spiegelt auch ein gutes Stück Stadtgeschichte: Römer und Bacchanten und der Capricorn, also der Steinbock, das Wahrzeichen der einstigen römischen Hauslegion, der 22., sind im Brunnen vertreten. Ganz besonders gilt das für die Kirche: Da teilt ein St. Martin von seinem Pferde aus den Mantel, und mitten im Zentrum sitzt ein lachender Mönch auf einem Schemel, seine rechte Hand auf eine Tafel mit „WWW“ gestützt. Natürlich stand das im Jahr 1967 noch nicht für das World Wide Web des Internet, sondern schlicht für das Mainzer Nationalgericht: Weck, Worscht und Woi.

Mönch und Bajazz, Römer, Till und Vater Rhein - Mainzer Fastnachtsbrunnen wird am Samstag 50 Jahre alt
Brett vor dem Kopf und Ritt auf dem Einhorn – der obere Teil des Mainzer Fastnachtsbrunnens – Foto: gik

„Der Mönch ist ein Narr Gottes“, schrieb dazu einst der Mainzer Weihbischof Werner Guballa in dem Buch „Sprudelnde Mainzer Lebensfreude – der Mainzer Fastnachtsbrunnen“: Der Mönch lebe „in der Tat in einer verrückten Welt“, vollziehe sich doch sein Alltag im Wechsel von Gebet und Arbeit, angesiedelt in der entrückten Welt des Klosters.

Mönch und Narr gehörten daher zusammen, „sie verbindet die Aufmerksamkeit und die Freude am gegenwärtigen Augenblick“, schreibt Guballa – weise Worte. Aber noch in einer anderen Weise hängen Fastnachtsbrunnen und Mainzer Dom ganz eng zusammen: Der Brunnen ist gestaltet wie ein Becher – und wie die auf den Kopf gestellte Turmspitze.

In drei Zonen gliederte Spreng selbst den Brunnen: Ganz unten ist die Zone der gewöhnlichen Narren, die handgreifliche Zone, in der Mitte sah er das Sinnbild einer geistigen Atmosphäre – hier finden sich Mönch und Eulenspiegel. Ganz oben aber siedelte der Künstler die transzendente Zone an, und hier finden sich die meisten Fabelgestalten: Da reitet ein Mädchen auf dem Einhorn, finden sich Mond und Sterne, schlägt sich ein Mann ein Brett vor den Kopf und fällt eine Närrin aus dem Rahmen. So stellt der Brunnen ganz bewusst die Ordnung auf den Kopf und hebt die Realität in die Sterne.

Mönch und Bajazz, Römer, Till und Vater Rhein - Mainzer Fastnachtsbrunnen wird am Samstag 50 Jahre alt
Der Geldbeutelwäscher am Fuße des Fastnachtsbrunnens – Foto: gik

Ganz unten aber sitzt eine der Lieblingsfiguren der Mainzer: Am Fuße des Brunnens, mitten im Wasser, wäscht ein kleines Männchen seinen Geldbeutel. Es ist der Geldbeutelwäscher, der an Aschermittwoch nach alter Tradition den leeren Beutel im Rhein auswäscht – das Ende der Fastnacht. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Mainzer ihren Fastnachtsbrunnen bis heute ins Herz geschlossen haben – Oberbürgermeister Jockel Fuchs (SPD) nannte ihn nicht umsonst schon bei der Einweihung „das Mainzer Denkmal schlechthin.“

2010 wurde der Brunnen runderneuert, Grünspan und Rost hatten das Denkmal unansehnlich gemacht. . „Wir jedenfalls erstrahlen ganz/ nach unsrer Kur in neuem Glanz“, reimte dazu Friedrich Hofmann, der auf der Narrenbühne den Till gibt, als Till des Fastnachtsbrunnens: „und sind wie ehedem auch heute, ein Bild sprudelnder Lebensfreude.“

Info& auf Mainz&: Ob jemand dem Mainzer Fastnachtsbrunnen am Samstag, dem 14. Januar, zum 50. Geburtstag gratuliert? Wir wissen es nicht. Fest steht: Bei der Stadt Mainz und beim MCV plante man offenbar – nichts. Schade irgendwie. Immerhin: Die Stadt machte mit Informationen zur Historie des Fastnachtsbrunnens auf das Jubiläum aufmerksam – hier auf der Homepage der Stadt. Vielleicht geht Ihr selbst mal vorbei und sagt den 200 Figuren leise: Happy Birthday. Das Buch „Sprudelnde Mainzer Lebensfreude – Der Fastnachtsbrunnen“, aus dem wir hier zitiert haben, könnt Ihr im Mainzer Buchhandel erwerben.

Und hier noch ein paar Detailbilder von den Figuren des Mainzer Fastnachtsbrunnens für Euch. Viel Spaß beim Entdecken!

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