Die Vorweihnachtszeit ist ja traditionell Spendenzeit, die Herzen sind weit, das Geld sitzt locker. Das machen sich immer mehr Betrüger zunutze, deshalb warnten jetzt Landeskriminalamt, Polizei und sogar Innenminister Roger Lewentz (SPD) gemeinsam vor der Abzocke per Telefon oder Email. „Ich habe im November selbst einen solchen Brief aus Spanien bekommen, ich sollte 13,5 Millionen Dollar erben“, berichtet Lewentz, und musste betrübt zugeben: Leider war dieser Brief ein Fake – so wie in 679 Fällen in diesem Jahr.

Bei Anruf Abzocke - Polizei und Verbraucherschützer warnen vor Betrugsmaschen - Foto gik
Bei Anruf Abzocke – Polizei und Verbraucherschützer warnen vor Betrugsmaschen – Foto gik

Beim sogenannten „Enkeltrick“ wird nämlich vorgegaukelt, man sei ein Enkel oder ein Neffe, der dringend Geld brauche: Er oder sie will ein Auto kaufen oder braucht dringend Geld, um eine Katastrophe abzuwenden – manchmal wird sogar ein Verkehrsunfall vorgegaukelt. Oft wird sogar mehrmals angerufen, um den Druck zu verstärken. Dann wird ein Geldabholer vorbei geschickt – sollte der Senior oder die Seniorin tatsächlich Geld herausrücken, ist der Schaden passiert, das Geld weg.

Original Rufnummer von Polizei oder Verbraucherschutzzentrale

374.430 Euro wurden mit einer der vielen Betrugsmaschen in diesem Jahr schon abgezockt. „Das kann dafür sorgen, dass ältere Menschen alles verlieren, was sie angespart haben“, warnte Innenminister Lewentz. „Die Methoden werden immer aggressiver und undurchschaubarer“, betont die Chefin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Ulrike von der Lühe: „Die Gefahr, zum Opfer zu werden, ist immer größer.“

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Gefälschte Schreiben zwecks Abzocke - Foto: gik
Gefälschte Schreiben zwecks Abzocke – Foto: gik

Da gibt es nämlich auch noch vorgetäuschte Gewinnausschüttungen, angeblich nicht bezahlte Rechnungen oder Verträge, die man gar nicht abgeschlossen hat. „Die Geschichten , die erzählt werden, klingen erst einmal sehr glaubwürdig“, sagt von der Lühe. Und die Betrüger können sogar die Telefone so manipulieren, dass echte Telefonnummern von Polizei, Staatsanwaltschaft oder der Verbraucherzentrale angezeigt werden.

Vorgetäuschter Gewinn, ein Sportwagen, eine Mahnung aus England

Meist geht es los mit einem Anruf aus einem Call Center. Die Angerufenen sollen einen hohen Geldbetrag bekommen oder einen teuren Sportwagen, berichtet die Verbraucherzentrale. Der Angerufene soll dann aber erst einmal Provision oder Gebühren zahlen, tut man das, sieht man das Geld nie wieder, den teuren Sportwagen natürlich auch nicht.

Solltet Ihr also einen Anruf bekommen für eine Lotterie, an der Ihr gar nicht teilgenommen habt – dann werdet bitte misstrauisch! Überhaupt solltet Ihr äußerst misstrauisch werden, wenn Euch jemand Geld schenken will – tut uns Leid, aber das sind alles Fakes. So schön es wäre… „Das geschieht, man hat auf einmal selbst so einen Brief in der Hand“, sagt Lewentz, und räumt ein: „Ein bisschen Hoffnung war damit ja schon verbunden…“ Auch sei die Neugier groß gewesen zu sagen, ‚Ich rufe da mal an‘.

Nummer notieren, auflegen, Polizei anrufen

Das solltet Ihr aber auf keinen Fall tun – denn dann geht Ihr den Betrügern ins Netz. Vielmehr rät die Verbraucherzentrale, sofort aufzulegen, vorher aber schnell noch die Rufnummer aufschreiben, die angezeigt wird! Dann solltet Ihr sofort die Polizei informieren und ihnen von dem Anruf berichten, am besten mit Datum und Uhrzeit.

Falsche Rechnung des Telefonanbieters Vodafon - Foto: gik
Falsche Rechnung des Telefonanbieters Vodafon – Foto: gik

Fake-Emails von Telekom oder Vodafone

Die Masche mit der Erbschaft aus dem Ausland übrigens kennen die Kriminalbeamten seit den 1980er Jahren. Damals kamen vorgeblich aus dem Bürgerkrieg geschüttelten Nigeria solche Briefe, in denen „seriöse“ Partner gesucht würden, die ihr Konto für eine Geldtransaktion zur Verfügung stellen sollten. Natürlich gab es auch damals diese Geldsummen nicht, seither heißt die Masche unter Kriminalexperten aber „Nigeria-Phänomen“.

Und die Abzocker-Maschen werden immer perfider. Mainz& kriegt derzeit dauernd Fake-Emails, die Rechnungen der Telekom täuschend echt aussehen, oder denen von Vodafone. Einmal haben wir tatsächlich auf den Link geklickt, passiert ist Gott sei Dank nichts. Hellhörig werden solltet Ihr aber, wenn es um horrend hohe Beträge geht – dann ist die Rechnung mit großer Sicherheit ein Fake. Wenn Ihr Euch unsicher seid, lieber beim Telefonanbieter anrufen und nachfragen.

Die Verbraucherzentrale ist mit Vorträgen im ganzen Land unterwegs und klärt auch an Schulen über Betrugsmaschen im Internet auf, an 800 Schulen war sie schon. „Wir ermutigen die Menschen zu einem selbstbewussten Nein“, sagt von der Lühe.

Info& auf Mainz&: Mehr Infos zu den Betrügern und ihren verschiedenen Abzocke-Maschen findet Ihr auf der Seite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Hier gibt es auch Musterbriefe zur Abwehr unberechtigter Forderungen. Aktuell wird hier vor gefälschten Abmahnungen aus England gewarnt. Auch telefonisch könnt Ihr Euch unter der Rufnummer 09001 7780804 (Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10.00 bis 16.00 Uhr) beraten lassen, der Anruf kostet aber 1,50 Euro pro Minute aus dem Festnetz, Handy ist wahrscheinlich teurer. Infos zu Enkeltrick und sogenannten Schockanrufen gibt es bei der Polizei Rheinland-Pfalz. Grundsätzliche gilt: NIE perswönliche Daten oder Geld rausrücken – und die Polizei informieren.

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