Also wahrscheinlich denkt Ihr ja jetzt noch nicht so direkt an Weihnachten, aber andere tun das, zumindest was die Vorbereitungen für den Mainzer Weihnachtsmarkt angeht. Und da gibt es jetzt richtig Ärger: Das Wirtschaftsdezernat der Stadt Mainz soll nämlich eine ganze Reihe alt eingesessener Schausteller für den kommenden Markt abgelehnt haben. Dazu sollen Familien gehören, die bereits seit 40 Jahren Stände auf dem Mainzer Markt haben – und die 2013 eigens noch für ihren Einsatz von der Stadt geehrt wurden.

Hintergrund ist ein früherer Streit um die Vergabe der begehrten Standplätze auf dem Weihnachtsmarkt, der sogar vor Gericht ging. Das gab der Stadt in dem damaligen Streit zwar Recht, gab als Hausaufgabe aber die Erarbeitung klarerer Vergaberegeln und eines transparenten Verfahrens auf. Das kann angesichts einer früheren Tendenz zur Klüngelei in Mainz ja nur gut sein 😉

Die Bratwurst ist plötzlich nicht weihnachtlich genug

Ärger um den Weihnachtsmarkt
Weihnachtsmarkt im Schatten des Doms – Foto: gik

Die CDU kritisierte das denn auch scharf: „Wir können überhaupt nicht nachvollziehen, dass viele Mainzer Traditionsbetriebe nicht mehr berücksichtigt wurden und leer ausgingen“, sagte Fraktionschef Hannsgeorg Schönig. Viele der Betriebe hätten mit ihrem Engagement den Weihnachtsmarkt „überhaupt erst zu dem gemacht, was er heute ist: nämlich einer der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands“, schimpfte er. Zumal sich die Beschicker auch bei der Beleuchtung oder Anschaffung der Krippenfiguren engagiert hätten – und gerade dafür geehrt wurden.

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„Mit diesem Ergebnis haben wir nicht gerechnet“, räumte der langjährige Wirtschaftsexperte der Grünen, Ansgar Helm-Becker, im Gespräch mit Mainz& zerknirscht ein. Bei der Vorstellung der Kategorien habe das „alles in sich schlüssig geklungen“, deshalb habe der Wirtschaftsausschuss dem Verfahren auch zugestimmt – wobei sich die CDU allerdings enthalten hatte. Dann sei „nichts mehr zu hören“ gewesen – bis die Stadt nun die Ablehnungsbescheide verschickte.

Weihnachtlich, regional, kreativ = heiße Cocktails

Bei der Auswahl sei es dann zu kuriosen Entscheidungen gekommen, sagte Helm-Becker weiter: So sei der Glühweinstand eines Mainzer Winzers abgelehnt – und dafür ein Stand mit heißen Cocktails genehmigt worden. Das liege an dem Punktesystem und den neuen Kategorien, sagte Helm-Becker: Der Glühwein sei zwar weihnachtlich, die übrigen Weine aber nicht – und nach den neuen Kriterien auch nicht besonders kreativ.

Ärger um den Weihnachtsmarkt
Besinnlicher Weihnachtsmarkt? Nicht 2014… – Foto: gik

Der Stand mit heißen Cocktails hingegen sei winterlich, weil heißes Getränk, regional vielleicht auch, und sehr kreativ, so habe der dann vor dem Winzer den Vorzug erhalten, räumte Helm-Becker ein – und fügte hinzu: „Aber wer braucht denn heiße Cocktails?“

Weingut der Stadt Mainz – nicht gut genug

Der Winzer mit dem Glühweinstand heißt Hans Willi Fleischer und ist ausgerechnet vom Weingut der Stadt Mainz. Man sei nicht gut genug für den Markt gewesen, es habe bessere Betreiber gegeben, berichtete Fleischer Mainz& von der Ablehnung. „Für uns ist es ein Imageverlust“, sagte Fleischer, da stelle sich doch die komische Frage, „sind wir so schlecht, dass wir nicht einmal die Kriterien des Weihnachtsmarktes erfüllen?“

Richtig dramatisch sei die Situation aber für die Partnerin, die den Weinstand auf dem Weihnachtsmarkt für die Fleischers managt: „Für unsere Partnerin ist das ein wirtschaftlicher Ruin, die lebt ein halbes Jahr davon.“ Hätte die Stadtverwaltung den Betreibern gleich im Januar Bescheid gesagt, hätten sich die Schausteller schließlich noch bei anderen Märkten bewerben können, argumentiert Fleischer: „Jetzt sind doch alle Weihnachtsmärkte schon längst vergeben, jetzt haben die keine Chance mehr“, kritisiert der Winzer, der ankündigt, Einspruch zu erheben.

Ärger um den Weihnachtsmarkt
Kuscheliges auf dem Weihnachtsmarkt – in Wiesbaden – Foto: gik

In der Tat scheint bei der Vergabe vor allem einer außen vor geblieben zu sein: der gesunde Menschenverstand. Von Taktgefühl ganz zu schweigen… Und damit Ihr das nicht missversteht: Mainz& findet die Idee, den Mainzer Weihnachtsmarkt durch neue Stände mehr Schwung zu verleihen großartig! Denn kein Markt hat eine Atmosphäre wie Mainz im Schatten des Doms – aber  Geschenke einkaufen, das geht doch deutlich besser als auf anderen Märkten. Und das kennzeichnen wir jetzt ganz klar als eigene Meinung 😉

CDU: Markt für 2014 erweitern

Den Umgang mit den Mainzer Schaustellern kann man jedoch nur als unglücklich bezeichnen. Die CDU fordert deshalb die Stadtverwaltung auf, „schnellstmöglich auf die betroffenen Mainzer Betriebe zuzugehen und mit diesen wieder ins Gespräch kommen.“ Lösungen soll aus ihrer Sicht der Wirtschaftsausschuss in einer Sondersitzung finden, die direkt nach der Konstituierung des neuen Stadtrats stattfinden müsse.

Zudem schlägt die CDU einen Runden Tisch vor, und hat dazu noch einen sehr salomonischen Vorschlag: Man könne doch in diesem Jahr den Weihnachtsmarkt einfach erweitern, um mit einer Sonderlösung zu agieren. „Die Stadt sollte untersuchen, ob umliegende Plätze dafür in Frage kommen“, meinte Schönig.

Mainz& findet: Das klingt wie eine gute Lösung für 2014! Und wer weiß, vielleicht funktioniert das ja so gut, dass der Mainzer Weihnachtsmarkt die Erweiterung gleich beibehält…

 

1 KOMMENTAR

  1. Ja das ist ja alles wunderbar aber wer denkt den da an unseren kolegen da wird mit Gewalt die Zukunft unserer schaustteler kaputtgemacht weils da Leute gibt die einen Weg suchen legal einen Platz wegzunehmen . Meistens Firmen die mit unserem Beruf nichts zu tun haben u mit dem zu Geld schön in Urlaub fahren .der schausteller ist darauf Insolwenz

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