Die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ war in diesem Jahr so politisch wie selten, das Hauptangriffsziel der politischen Redner: die Alternative für Deutschland (AfD). Und die versteht offenbar gar keinen Spaß: Schon während der Sendung häuften sich in den sozialen Netzwerken Schmähreden und Hassparolen gegen die Redner. Der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge war selbst als Gast im Saal bei „Mainz bleibt Mainz“ – und wollte persönlich die Bühne stürmen. Junge widerspricht auf Facebook: Er habe sich nur „verabschieden“ wollen. Das Thema rechte Angriffe gegen Fastnachter wird unterdessen auch Thema für den Rosenmontagszug: Unsere Mainz&-Karikatur Fastnacht gegen Rechts rollt im Zug mit!

AfD-Chef Junge wollte bei "Mainz bleibt Mainz" auf die Bühne - Fastnacht gegen Rechts von Mainz& im RoMoZug
Daiana Neher (links) und Bianca Wagner mit der Rikscha für den Rosenmontagszug, geschmückt mit der Mainz&-Karikatur „Narren gegen Rechts – die Fastnacht bleibt frei!“ – Foto: Toschka

Daiana Neher, die Mainzer Rikscha Fee fährt traditionell bei den Eiskalten Brüdern die Lahmen und Fußkranken, in diesem Jahr wird ihr Gefährt in der Zugnummer 124 aber eine besondere Rückseite haben: Die Rikscha ziert als Motiv eine Karikatur unserer Karikaturistin Bianca Wagner. Unter dem Motto „Gegen Rechts in de‘ Bütt – Die Fastnacht bleibt frei!“ hatten wir am 23. Februar „Biancas Blick auf Mainz“ veröffentlicht – zum Thema rechte Angriffe auf „Guddi Gutenberg“ und den „Obermessdiener“. Hans-Peter Betz und Andreas Schmitt hatten nämlich aufgrund ihrer Reden in der diesjährigen Fastnachtssaison Drohbriefe mit wüsten Beschimpfungen erhalten – und mit AfD-Flyern anbei. Auch Lars Reichow soll inzwischen Hassriefe bekommen haben.

Fastnachter geißeln anti-demokratische Haltungen der AfD, Anhänger beleidigt

Als die Reden dann am Freitagabend live aus dem Kurfürstlichen Schloss über die Fernsehschirme flimmerten, zeigte sich überdeutlich: Bei Kritik an sich selbst verstehen die Rechten keinen Spaß. Das sei keine Fastnacht mehr und kein Humor, hieß es in Kommentaren, die Reden seien beleidigend, diffamierend und einseitig. Tatsächlich musste die AfD so heftig einstecken wie kein anderer politischer Akteur, gleich vier Redner geißelten die Intoleranz und die rechtslastigen Haltungen der Partei aufs Schärfste. Was gesagt wurde, könnt Ihr unter anderem auszugsweise hier bei Mainz& nachlesen oder beim SWR in den Videoclips nachhören.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Vielfach allerdings offenbarten die Kommentatoren ihre schiere Unkenntnis über die politisch-literarische Fastnacht in Mainz: Seit Urzeiten wird hier aus der Bütt heraus Klartext gesprochen, nehmen die Narren aufs Korn, was das Volk bewegt – und offenbar bewegten die rechtspopulistischen und teils anti-demokratischen Tendenzen der vergangenen Wochen das Volk gewaltig. Alle politischen Redner bei „Mainz bleibt Mainz“ bekamen jedenfalls jedes Mal donnernden Applaus und stehende Ovationen, wenn sie der AfD anti-demokratische Tendenzen, Rechtspopulismus und Faktenverdrehung vorwarfen – und das übrigens schon die gesamte Kampagne hinweg in den Fastnachtssälen.

AfD-Chef Junge wollte bei "Mainz bleibt Mainz" auf die Bühne - Fastnacht gegen Rechts von Mainz& im RoMoZug
Nach Lars Reichows furiosen Fastnachtsthemen mit klaren Ansagen gegen die AfD wollte AfD-Landeschef Uwe Junge auf die Bühne bei „Mainz bleibt Mainz“. – Foto: gik

AfD-Landeschef Junge versuchte bei „Mainz bleibt Mainz“ auf die Bühne zu gelangen

Die Tradition der politisch-literarischen Fastnacht in Mainz besagt, dass der Narr in der Bütt den Mächtigen den Spiegel vorhält – das haben schon zahlreiche bundesdeutsche Politiker von Helmut Kohl bis Angela Merkel standhaft ertragen. Mit ihrem Einzug in die Parlamente der Republik gehört auch die AfD dazu. Das brachte sie auch in den Saal zu „Mainz bleibt Mainz“: Weil die AfD seit der Landtagswahl im Mainzer Parlament sitzt, stehen ihr ebenso wie allen anderen Parlamentsfraktionen sogenannte „Ehrenkarten“ bei der Fernsehsitzung zu – einer der Gründe, warum bei der Fernsehsitzung so viel Polit-Prominenz im Saal ist. Auch AfD-Landeschef Uwe Junge war deshalb am Freitagabend unter den Zuschauern und wurde protokollarisch korrekt von Sitzungspräsident Andreas Schmitt kurz und bündig begrüßt.

Doch während Politiker wie Helmut Kohl oder auch in jüngster Zeit CDU-Landeschefin Julia Klöckner stets tapfer im Saal saßen und sogar lachten, wenn ihnen oben auf der Bühne die Leviten gelesen wurden, verlor die AfD offenbar die Contenance: Nach einhelligen berichten mehrere Medien wollte Junge nach dem Vortrag des Obermessdieners offenbar die Bühne stürmen – in einer Live-Sendung! Die „Allgemeine Zeitung“ berichtet, Junge habe sich nach dem Vortrag auf den Weg zur Bühne gemacht, bemerkt von 05-Stadionsprecher Klaus Hafner, der daraufhin Saalordner auf den Vorgang aufmerksam machte. Auch die FAZ berichtet, der SWR habe das bestätigt und „behauptete zudem, Junge habe ein paar Worte an das Publikum richten wollen.“ Ein Redakteur des Senders sagte der FAZ, Junge sei vom Sicherheitspersonal davon abgehalten worden. Beide Zeitungen berichten, Junge habe von Ordnern aus dem Saal geführt werden müssen.

Junge: Wollten uns vom Sitzungspräsidenten „verabschieden“

Junge widerspricht auf seiner Facebook-Seite vehement: „Mit karnevallistischem Gruß wollten wir uns bei der Sitzungsleitung unmittelbar verabschieden“, behauptet Junge auf seiner Facebook-Seite, da er vom „Präsidenten“ persönlich vorgestellt worden sei, „erschien es uns alten Soldaten als stillos die Veranstaltung ohne Verabschiedung zu verlassen.“ Er habe dann „eingesehen“, dass das Sendepersonal eine Störung der Live-Sendung befürchte und den Saal durch einen Seitenausgang verlassen. Allerdings schreibt Junge direkt davor auch: „Nach der Rede von Lars Reichow, der am Ende alle Andersdenkende diffamierte, zur Ausreise aufforderte und mit frenetischem Jubel belohnt wurde, konnten auch wir die gute Miene zum bösen Spiel nicht mehr aufrecht erhalten.“ Die AfD-Vertreter hätten also „den Saal verlassen, um uns zu sammeln, eine zu rauchen und uns darüber klar zu werden, was hier gerade passiert war.“ Danach begaben sich die AfD-Herren wieder in den Saal und arbeiteten sich zur Bühne vor.

AfD-Chef Junge wollte bei "Mainz bleibt Mainz" auf die Bühne - Fastnacht gegen Rechts von Mainz& im RoMoZug
Schwergewicht Andreas Schmitt brachte als „Obermessdiener“ den Saal zum Kochen – gerade auch mit klaren Worten in Richtung AfD – Foto: gik

Das Kopfschütteln in Mainz ist groß: „Ich versteh‘ nicht, warum man zum Karneval geht, wenn man nicht lachen kann. Oder funktioniert Lachen bei der AfD nur mit Merkel in der Bütt?“ ,schreibt da ein Facebook-User, ein anderer meint: „Eins wird immer deutlicher, nämlich die totale Unfähigkeit (der AfD-Protagonisten), Karneval zu akzeptieren. Die Narren haben die Narrenfreiheit genutzt, um der AfD auch einmal den Spiegel vorzuhalten. Und die Deppen von dieser Partei sind nicht nur unfähig, das zu ertragen. Sie versuchen, sich selbst hier als Opfer hinzustellen. Dümmer geht’s nimmer.“

„Den Spiegel vorhalten ist alte karnevalistische Tradition und gelebte Demokratie“

Eine weitere Facebook-Kommentatorin schreibt: „Werter Herr Junge, genau dieses den Spiegel vorhalten ist alte karnevalistische Tradition und gelebte Demokratie. Es ist erstaunlich, dass ein Mensch, der unsere Traditionen meint verteidigen zu müssen, gerade eine Tradition, die dazu noch einen der höchsten Werte unseres Grundgesetzes und der Menschheit zum Ausdruck bringt, von Ihnen und Ihresgleichen nicht verstanden wird. Aber Meinungsfreiheit ist ja bekanntlich nur, was Ihre Partei darunter versteht.“

Kommentar& auf Mainz&: Wir sagen dazu nur noch eins: Wer Volkes Stimme nicht ertragen kann, muss sich fragen lassen, wie ernst es ihm damit ist, für das Volk zu sprechen. Wer die Freiheit des Narren so wenig ertragen kann, der respektiert keine Meinungsfreiheit – die gilt nämlich auch dann, wenn es einem selbst weh tut. Seit Wochen hetzt die AfD selbst gegen angeblich „linksversiffte“ Medien/Milieus/Politiker/Veranstaltungen, kurz: gegen alle und jeden, die ihre Meinung nicht teilen, ihre Angriff gegen Kanzlerin Angela Merkel sind weithin bekannt.

AfD-Chef Junge wollte bei "Mainz bleibt Mainz" auf die Bühne - Fastnacht gegen Rechts von Mainz& im RoMoZug
Und hier noch einmal „Biancas Blick auf Mainz“ im Original: Die Karikatur auf Mainz&

 

Nun erschallt laut und deutlich Volkes Stimme, in den Sälen, aus den Bütts, und unterstützt mit tosendem Beifall. Bei jedem einzelnen Mal heißt es da: Wir wollen Euch nicht. Tja, AfD. Demokratische Politiker lauschen, lachen und denken dann mal nach. Verlassen auch mal den Saal oder gehen gar nicht erst hin. Aber niemand, wirklich niemand kommt auf die Idee, sich mitten in einer Live-Sendung auf einer Bühne vom Sitzungspräsidenten zu „verabschieden“ – es sei denn, er will „Stunk machen“, wie die Kölner sagen. Dass er auf die Bühne wollte, gibt Junge schließlich in seinem Post zu. Die Fastnachter würden sagen: Das mit dem Spiegel vorhalten und das wahre Gesicht entlarven hat in diesem Jahr wirklich hervorragend funktioniert.

Info& auf Mainz&: Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Mainz&-Karikatur am Rosenmontag mit im Umzug rollt – weil eine engagierte Mainzerin das so wollte. Und die Eiskalten Brüder sofort mitmachten. Denn die Idee zur politischen Rikscha hatte Daiana Neher, wir sind beeindruckt und freuen uns riesig für unsere Karikaturistin! Die Fastnacht und das Narrenwort bleiben frei – dafür werden wir auch weiterhin einstehen! Wenn Ihr also die Rikscha in der Zugnummer 124 seht, unterstützt die Narrenfreiheit! Und zückt eure Kameras und postet auf der Facebook-Seite von Bianca Wagner ein närrisches Bild von der Karikatur! Unter allen Teilnehmern verlost Bianca eine Karikatur, die sie vom Gewinner zeichnen wird sowie eine Stadtrundfahrt mit der Rikscha. Einsendeschluss ist der 03.03.17, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, alle Infos dazu hier.

 

HINTERLASSEN SIE EINEN KOMMENTAR

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein