Lose baumelnde Tasche am Arm, offene Tasche, lässig hängender Rucksack – wenn die Mainzer Polizei über den Mainzer Weihnachtsmarkt bummelt, sieht sie allerlei Grauenhaftes. Gelegenheiten für Taschendiebe nämlich, die wir alle schaffen. Niemand, betont die Mainzer Polizei, müsse Angst haben, auf den Mainzer Weihnachtsmarkt zu gehen, die Sicherheitslage sei so gut wie lange nicht – auch bei Taschendieben. Aber achtsam sein, das müsse man schon. Mainz& ist mit der Polizei auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Und die warnt vor aggressiven Bettlern, betrügerischen Geldsammlern und vor Wechselgeld-Tricks am Weihnachtsmarktstand. Auch auf die Terrorgefahr haben die Beamten ein wachsames Auge: Der Weihnachtsmarkt, betonen sie, sei sicher.

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Mainzer Polizei auf Streife auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt – Foto: gik

In der Weihnachtszeit sind wir ja gerne mal freigebiger, das Geld sitzt lockerer, das Mitleid tiefer – wer will da nicht gerne Obdachlosen helfen, die eine Zeitung verkaufen? Aber Obacht: In Mainz kursiert derweil eine Obdachlosenzeitung, die keine ist. Der „Streetworker“ ist hochprofessionell aufgemacht und sieht genauso aus, wie eine Obdachlosenzeitung gewöhnlich aussieht – nur ist er keine. „Dahinter stecken organisierte Geldmacher, mit sozialem Engagement hat das nichts zu tun“, warnt Jörn Grünhagen von der Mainzer Polizei. Die Zeitung sei ein Produkt professionell auftretender Gruppen, deren einziges Ziel es sei, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Es ist eine von derzeit vielen Maschen, mit denen Betrüger auf Jagd nach dem Geld hilfsbereiter Menschen gehen. Da werde aggressiv Geld erbettelt, träten Vertreter mit Klemmbrettern in Erscheinung, die für eine Organisation namens Handicap International sammelten. Die Klemmbretter erweckten den Anschein, hier würde für einen guten Zweck und eine professionelle Organisation gesammelt, erklärt Grünhagen weiter. Da werde angeblich für Behinderte, Taubstumme und Kinder die Trommel gerührt, „das rührt die Leute.“ Professionell aber seien nur die Geldeintreiber: Dahinter stecke keineswegs eine soziale Organisation, betont Grünhagen, auch hier gehe es nur darum, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Mit Mildtätigkeit und sozialen Zwecken hat das nichts zu tun“, sagt der Beamte, „da werden keine Spenden abgegeben, wie es vorgegaukelt wird.“ Betrugsstraftaten bundesweit aktiver Banden seien das, zuletzt seien die auch vermehrt in Mainz aufgetreten.

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Falsche Obdachlosenzeitung, gefakte soziale Sammlung mit Klemmbrett: Aggressive Betrüger sind auch in Mainz unterwegs – Foto: gik

Klar gebe es in Mainz auch „lokale Bettler, die jeden Euro gebrauchen können“, sagt er, die seien der Polizei auch bekannt, denen zu spenden, sei völlig in Ordnung. Auch gebe es in Mainz tatsächlich eine Obdachlosenzeitung, die „Gazette“ der Pfarrer-Landvogt-Hilfe. Deren Verkäufer seien „echte“ Obdachlose, die aber die Menschen meist nicht belästigend ansprechen würden. Die gefälschte Obdachlosenzeitung ist übrigens seit 2014 von der Aufsichtsbehörde ADD in Trier verboten.

Die aggressiv auftretenden Bettler seien hingegen oft Teil einer organisierten Diebesbande, sagt Grünhagen: Im Hintergrund stehe dann ein Zweiter, der genau hinschaue, wo das Portemonnaie sitze – dann werde im Gedränge zugeschlagen. Diebstahl ist natürlich das Topthema in Sachen Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten, die Mainzer Polizei geht deshalb seit einigen Jahren gezielt mit einer eigenen Konzeption gegen die Diebe vor. Mit verstärkten Streifen in Uniform und Zivil zeigen die Beamten Präsenz, gehen auf Besucher zu, informieren, klären auf. Das wirke auch abschreckend auf die Kriminellen, sagt Grünhagen, Leiter der Gruppe Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt: „Wir werden ja auch von denen beobachtet.“

Zum Start des Marktes führte die Polizei intensiv Personenkontrollen bei Verdächtigen durch, „das hat offenbar gewisse Tätergruppen vorsichtig werden lassen“, sagt er. So wurden der Mainzer Polizei bis Anfang der Woche gerade einmal vier Diebstähle gemeldet, bei zweien war es sogar beim Versuch geblieben. Und die Beamten nahmen gleich am ersten Tag eine auffällige Person bei versuchtem Diebstahl fest – ein Erfolg, der sich in der Szene herumspricht. „Bis jetzt ist die Lage wirklich nicht so schlimm“, betont Grünhagen, „man muss keine Angst haben hinzugehen.“ Das gelte auch in Sachen  Terror: „Auch das haben wir auf dem Schirm“, versichert er, Erkenntnisse für eine konkrete Gefährdung gebe es aber nicht.

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Gefährlich, gefährlich: lose baumelden Tasche am Arm auf dem Weihnachtsmarkt – Foto: gik

Aufpassen sollte man trotzdem, rät Grünhagen, „die Leute achten leider nicht auf ihre Sachen.“ Da ist die Frau, die mit offener Tasche, lässig an der Seite getragen, über den Weihnachtsmarkt schlendert. „Ich wollte doch nur mal eben….“, sagt sie, und es sei doch hellichter Tag. Eine ältere Dame hat ihre Handtasche am Arm baumeln, unbeachtet und offen hängt die Tasche an der Seite, während fröhlich mit der Freundin Glühwein geschlürft wird. „Die Tasche könnte Ihnen jemand ganz leicht vom Arm reißen“, klärt der freundliche junge Kollege von der Polizeistreife die Dame auf, „oder Ihnen in die offene Tasche greifen.“ Ob Sie denn wisse, wo gerade ihr Portemonnaie sei?

Im dichten Gedränge oder beim munteren Plausch werde die Sicherheit gerne mal vergessen, sagt Grünhagen, dann könne es ganz schnell gehen. „Wir empfehlen immer, Geld und Wertsachen möglichst eng am Körper zu tragen“, sagt er. Müsse es doch eine Handtasche sein, sollte die immer geschlossen gehalten und vor dem Körper getragen werden. „Immer die Hand drüber“, rät der Experte. Auf dem Weihnachtsmarkt nähern sich die Beamten inzwischen einer Frau mit Rucksack. Die fühlt sich völlig sicher, schließlich habe sie ihren Geldbeutel „ganz unten“, das sei doch gut? Nein, klären sie die Polizisten auf: Täter schlitzen gerne den Rucksack von unten auf, um an das Geld zu kommen. Ein echtes Aha-Erlebnis für die Dame – und für uns auch.

Genau hinsehen, das gilt auch für die Standbetreiber: Derzeit sei besonders ein Trick beliebt, bei dem bewusst mit viel Wechselgeld und großen Scheinen hantiert werde. „Zwei, drei Leute treten an einen Stand und wollen ein geringe Ware mit großem Schein bezahlen“, erklärt Grünhagen. Dann würden Geldscheine so oft hin und her getauscht an der Theke, dass der Bestandbetreiber völlig verwirrt werde und gar nicht mehr wisse: was habe ich rausgegeben und was kriege ich noch? Am Ende habe er mehr herausgegeben, als die Ware wert war, „auch für diese Masche sensibilisieren wir auf dem Weihnachtsmarkt“, sagt Grünhagen.

Dennoch betont der Experte: Der Mainzer Weihnachtsmarkt sei sicher, meiden müsse man ihn nicht. „Man sollte nicht übermisstrauisch sein, aber achtsam, das schon“, rät Grünhagen: „Zuhause schließt man ja auch seine Tür ab.“

Info& auf Mainz&: Die Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde ADD hat eine ganze Reihe von Sammelorganisationen verboten, die in betrügerischer Absicht unterwegs sind, welche genau, könnt Ihr hier bei der ADD nachlesen. So leid es uns tut: Bitte nicht aus mitleidigem Herzen heraus einfach irgendwem spenden! Es gibt einfach zu viele Betrüger da draußen.

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