Am Mittwoch machte am Mainzer Rheinufer ein ungewöhnliches Wasserfahrzeug Halt: Ein kleines Floß mit Dach ankerte an einem Steiger unterhalb der Fort Malakoff Terrasse. Das drei mal zehn Meter kleine Wasserfahrzeug gehört dem Umweltschutzorganisation Robin Wood, Anfang der Woche startete das Gefährt in Frankfurt. Zweieinhalb Wochen wollen die Umweltaktivisten damit nun auf dem Rhein bis Köln unterwegs sein, ihr Anliegen: „Flieger stoppen, statt Klima schrotten“. Die Forderung lautet, Kurzstreckenflüge unter 1000 Kilometern Weite sowie Nachtflüge verbieten und Flugpreise an die von ihnen verursachten Klimaschäden anpassen.

Aktion "Flieger stoppen, statt Klima schrotten" - Robin Wood tourt mit Floß von Frankfurt nach Köln
Das Robin Wood-Floß zum Thema Fliegen am Mainzer Rheinufer. – Foto: gik

Es ist schon die dritte Floßaktion der Umweltschutzorganisation Robin Wood, die sich bislang vor allem für den Schutz von Wäldern engagierte, ebenso aber gegen Einwegbecher, Kohleverstromung und Feinstaubbelastung. Die Floßtour 2018 im norddeutschen Raum widmete sich denn  auch den Themen Waldschutz und Tierproduktion, 2019 aber nehmen sich die Aktivisten das Thema Fliegen vor. „Wir wollen auf die Klimaschäden aufmerksam machen, die durch das Fliegen entstehen“, sagte Paula Maasz von Robin Wood Mainz&, die Aktivistin ist eigens aus Hamburg für die Floßtour angereist.

Fliegen sei die klimaschädlichste Form des Reisens, und gerade auf Kurzstreckenflügen unter 1000 Kilometern werde besonders viel Kerosin verbrannt und damit CO2 erzeugt, sagte Maasz: „Bei Start und Steigflugphasen wird besonders viel Kerosin verbrannt.“ Kurzstreckenflüge verursachten damit etwa doppelt so viel Treibstoff wie Langstreckenflüge. Kerosin setzt bei der Verbrennung die klima- und umweltschädlichen Gase Kohlendioxid, Wasserdampf und Stickoxide frei. Durch die Freisetzung in einer Höhe von 10 Kilometern wirkten die Abgase zudem dreimal so stark wie am Boden, dadurch werde der Treibhauseffekt deutlich stärker voran getrieben.

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Ein Flug von Hamburg nach Frankfurt verursacht nach Angaben von Robin Wood pro Person Treibhausgasemissionen, die 120 Kilogramm freigesetztem CO2 entsprechen. „Mit dem ICE beschränken sich die Emissionen auf 15 Kilogramm, die Flugreise ist also achtmal klimaschädlicher“, heißt es weiter. Robin Wood fordert daher, Kurzstreckenflüge bis 1000 Kilometer ebenso zu verbieten wie Nachtflüge, und stattdessen den Schienenverkehr deutlich auszubauen. „Ein gut vernetztes europäisches Zugnetz wäre mal eine gute Sache“, sagte Maasz. Dazu werde auf Bahnreisen Mehrwertsteuer erhoben, nicht aber auf Flüge – Fliegen sei deshalb „unverhältnismäßig billig.“

Aktion "Flieger stoppen, statt Klima schrotten" - Robin Wood tourt mit Floß von Frankfurt nach Köln
Die Robin Wood-Aktivistinnen Anja Litera und Paula Maasz aus Hamburg auf dem Floß. – Foto: gik

Robin Wood fordert deshalb, die Flugzeugpreise an die verursachten Klimaschäden anzupassen, Flugbewegungen drastisch zu reduzieren und den Ausbau von Flughäfen sowie Flughafenneubauten zu stoppen. In Mainz finden diese Forderungen besonders starke Resonanz: Seit 2011 protestieren jeden Montag Fluglärmgegner im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens gegen den Ausbau des Flughafens, derzeit steht vor allem der Bau des dritten Terminals im Fokus der Proteste. Die Bürgerinitiativen befürchten eine deutliche Verschlimmerung des Fluglärms sowie der durch ihn verursachten Abgasemissionen.

„Wir wollen Alternativen zum Reisen aufzeigen“, sagte Maasz, an den Stationen des Floßes gibt es deshalb immer wieder auch im Floßkino passende Filme zu diesem Thema zu sehen. Auch das Floß selbst steht natürlich für eine entschleunigte Form des Reisens: Fünf bis zehn Kilometer beträgt die Reisegeschwindigkeit, ausgestattet ist das Gefährt aber auch mit einem Motor – auf dem Rhein ist das Vorschrift. Der machte auch gleich zu Beginn der Reise schlapp, die Ankunft in Mainz verzögerte sich deshalb um zwei Tage. Das Floß selbst sei übrigens sehr stabil, verrieten die Macher: Die Holzstämme schwimmen wie ein Katamaran auf Tonnen auf den Wellen. Begleitet werden die Robin Wood-Aktivisten zudem auch von Vertretern anderer Umweltorganisationen oder Fluglärmgegnern, an jeder Station gibt es Informationsstände und weitere Aktionen.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Floßtour 2019 von Robin Wood zum Thema Fliegen sowie alle Stationen der Reise findet Ihr hier im Internet. Weitere Stationen sind unter anderem Bingen (5.-6.9.), Boppard (6.9.-7.9.) und Koblenz (7.9.-9.9.). Mehr zum Thema Fluglärm lest Ihr zum Beispiel hier auf Mainz&, das Neueste zu den Gefahren durch Ultrafeinstaub hier bei Mainz&.

1 KOMMENTAR

  1. Als Fluglärm- und Umweltaktivist gehörte ich zum „Empfangskomitee“. Gedränge gab es nicht. Idealismus scheint heute nicht sehr gefragt zu sein. Aufschrecken gibt es erst, wenn es zu spät ist. Es darf gefragt werden, wie denn das neue Riesenterminal 3 gefüllt werden soll. Das derzeitige verkorkste Bahnen- und Flugroutensystem lässt eine nennenswerte Kapazitätsausweitung gar nicht zu. Bald werden die Schubladenpläne für zwei Südbahnen ausgegraben und dann ist es aus mit Südumfliegung & Co. Bei fünf Parallelbahnen kann nur noch geradeaus geflogen werden und genau das ist gewollt. Wenn dann alles fertig ist, ist das fossile Kerosin alle oder das Klima lehrt uns Bescheidenheit.

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