Ärger im Bretzenheimer Färberweg: In den Anwohnerstraße häufen sich Schleichverkehre, bei denen Autofahrer von der A63 einen schnellen Weg in Richtung Bingen suchen. 200 Wendefahrten pro Tag stellten die Stadt Mainz und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) bei einer Beobachtung Anfang Januar fest. Der Grund: Die Rampe von der A63 auf die A60 in Richtung Bingen ist weiter gesperrt. Die offizielle Umleitung über die Ausfahrt Bretzenheim auf der Pariser Straße wird indes nur schlecht angenommen, Stadt und LBM wollen nun gegensteuern. Derweil kommt eine schlechte Nachricht für alle Staugeplagten: Der Neubau der Brücken im Autobahnkreuz Mainz-Süd verzögert sich um ein volles Jahr – erst 2021 sollen die neuen Brücken nun fertig werden.

Autobahnkreuz Mainz-Süd: Baustelle verzögert sich bis 2021 - Geschlossene Rampe Richtung Bingen sorgt für Schleichverkehr-Ärger
Die Baustelle am Autobahnkreuz Mainz-Süd wird ein Jahr länger dauern als geplant – erst 2021 sollen die neuen Brücken über die A63 (unten) fertig sein. – Foto: gik

Seit Sommer 2017 erneuert der Landesbetrieb die maroden Autobahnbrücken der A60 über die A63, die mehr als 50 Jahre alten Brücken waren zu marode für eine Reparatur. Das Autobahnkreuz Mainz-Süd zählt mit mehr als 90.000 Fahrzeugen pro Tag zu den hochbelasteten Knotenpunkten des Landes. 2020 sollte eigentlich die neue Querung fertig sein, daraus wird nun nichts: Die Arbeiten werden voraussichtlich erst im Frühjahr 2021 fertig, die neuen Brücken erst dann für den Verkehr zur Verfügung stehen, teilte der Landesbetrieb Mobilität mit.

Grund für die Verzögerungen: Die Planungen des neuen Bauwerks haben länger gedauert, das aber hatte Auswirkungen auf den Stahlbauer, der die fertigen teile zur Baustelle bringen sollte – seine Auftragsbücher sind voll. Ein neues Stahlbauunternehmen musste gesucht werden, so summierten sich die Verzögerungen auf gut ein Jahr. Die neue Brücke werde in Verbundfertigbauteilweise hergestellt, auch um die Verkehrsbeeinträchtigungen während der Bauzeit so gering wie möglich zu halten, betont der LBM. Bei der modernen Bauweise werden die Brückenträger im Werk hergestellt und nach der Montage vor Ort mit einer Betonschicht zur fertigen Brückenplatte ergänzt. Damit werde der Umfang von Bauarbeiten im Verkehrsraum „spürbar reduziert.“

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Doch die moderne Bauweise brachte offenbar diffizile Berechnungen mit sich: „Komplexe Bauwerks-Geometrien“ müssten errechnet werden, damit die Verbundfertigteilträger optimal in die vorhandene Autobahntrasse eingepasst werden könnten, heißt es vom LBM weiter. Für diese Rechnungen brauchten die Ingenieure der Baufirma länger als veranschlagt. Durch die Verzögerung aber hatte der als Nachunternehmer beauftragte Stahlbauer „keine akzeptablen Alternativtermine für die Lieferung der Brückenträger“ mehr, heißt es weiter – der Stahlbauer war ausgebucht. Man habe deshalb nun einvernehmlich ein neues Stahlbau-Unternehmen beauftragt, betont der LBM. Nun soll die Werksfertigung der Brückenträger im April anlaufen, vorbereitende Arbeiten für die Anlieferung der überdurchschnittlich schweren Stahlträger parallel erfolgen.

Autobahnkreuz Mainz-Süd: Baustelle verzögert sich bis 2021 - Geschlossene Rampe Richtung Bingen sorgt für Schleichverkehr-Ärger
Im November 2017 war die alte Brückenkonstruktion abgerissen worden. – Foto: LBM Worms

Während der Bauzeit könne die Anzahl der Fahrstreifen im Baustellenbereich mit Hilfe einer Behelfsbrücke aufrechterhalten werden, betont der LBM. Auch habe man bereits im Dezember 2018 den Standstreifen der A 60 in Fahrtrichtung Bingen freigegeben, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Das war auch nötig: Ein kilometerlanger Rückstau vom Autobahnkreuz Mainz-Süd in Richtung Frankfurt war in den vergangenen Monaten die Regel. Bei Messungen habe man regelmäßig bis zu sieben Stunden Stop-and-Go-Verkehr auch im Hechtsheimer Tunnel nachgewiesen, sagte nun die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) im Stadtrat.

Der LBM beschloss deshalb Ende Januar auch, die Auffahrtrampe von der A63 auf die A60 in Richtung Bingen nicht wieder zu öffnen, obwohl die Arbeiten an diesem Brückenteil bereits abgeschlossen waren. Denn der von der Rampe auf die A60 auffahrende Verkehr kam stets mit den in Richtung Alzey abfahrenden Pendlerströmen in die Quere, das Einfädeln aus auffahrenden und abfahrenden Fahrzeugen war offenbar eine wichtige Ursache für den Rückstau. Die geschlossene Rampe habe eine sehr positive Auswirkung auf den Verkehrsfluss, betont der LBM, die Stausituation habe sich deutlich verringert: Jetzt herrsche nur noch maximal eine Stunde Stau am Tag im Hechtsheimer Tunnel. Die Rampe soll deshalb für die Dauer der Bauarbeiten geschlossen bleiben.

Der Haken für die Mainzer: Die offiziell ausgeschilderte Umleitungsstrecke über die Ausfahrt Bretzenheim an der Alten Ziegelei wird nur schlecht angenommen. Viele Autofahrer nehmen die frühere Ausfahrt Bretzenheim-Süd – und fahren dann entweder illegal quer über den Wirtschaftsweg direkt wieder auf die Pariser Straße oder wenden illegal im Färberweg. Das Ergebnis: Rund 200 Wendefahrten pro Tag in dem verkehrsberuhigten Wohngebiet, zum Teil auch, weil Navigationsgeräte genau dies empfahlen.

Stadt Mainz und LBM beschlossen deshalb am 18. Januar, eine neue Umleitungsstrecke von der Ausfahrt Klein-Winternheim über den Lerchenberg einzurichten. Man erhoffe sich davon, dass die Verkehrsteilnehmer das Autobahnkreuz Mainz-Süd so gleich südlich umfahren. Gleichzeitig will man sich aber auch um die Situation am Färberweg kümmern: Die illegale Fahrt über den Wirtschaftsweg zurück auf die Pariser Straße könnten Poller unterbinden, den Wendeverkehr im Wohngebiet eine Einbahnstraßenregelung. Wer dennoch an der Ausfahrt Bretzenheim-Süd abgefahren ist, soll über die Haifa-Allee am Gutenberg-Center entlang zurück zur Autobahn geleitet werden.

Im Übrigen habe die Verkehrsverwaltung eine Konzeptidee entwickelt, „wie mit überschaubaren Maßnahmen das Wenden über die Wirtschaftswegeüberfahrt legalisiert werden kann“, teilte Eder weiter mit. Diese Idee haben man jetzt an den LBM herangetragen und werde sehen, ob der die Idee positiv bewerte. Man gehe deshalb auch davon aus, „dass sich keine Schleichverkehre durch die Wohngebiete Marienborn und Bretzenheim ergeben, da sich hieraus kein zeitlicher Vorteil bei der Überleitung auf die A 60 ergibt“, sagte Eder auf Anfrage der ÖDP weiter. Mittelfristig strebe der LBM ohnehin eine ganz andere Lösung an, verriet die Dezernentin noch: Den Bau einer so genannten Direktrampe von der A 60 auf die A 63, damit würden „die bislang staubegünstigenden Verflechtungen dauerhaft und vollständig entfallen.“

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Bauarbeiten im Autobahnkreuz Mainz-Süd samt der maroden Brücken lest Ihr hier bei Mainz&.

3 KOMMENTARE

  1. Oh, wie überraschend …

    Schön, dass das noch vor Aschermittwoch bekannt gegeben wurde, auf der ein oder anderen Sitzung kann dann die LBM wieder für ein paar Lacher sorgen (obwohl es inzwischen nur noch zum Heulen ist).

  2. Anlässlich eines Gespräches über ständige Bauverzögerungen bei den Brückenbauten im Mainzer Raum suchte ich nach Informationen zum Kreuzungsbauwerk A60/A63. Dabei stieß ich auf Ihren Artikel. Ich möchte ein paar Anmerkungen dazu machen.
    Zunächst einmal ist die Verbundbauweise keine neue Bauweise sondern eher ein alter Hut. So wurde z.B. 1951 die Friedensbrücke in Frankfurt am Main als Verbundbrücke konstruiert. Am 20. Februar 1950 wurde mit dem Abriss der alten Wilhelmsbrücke begonnen und bereits ein Jahr später konnte der Neubau am 1. März 1951 eingeweiht werden. Man vergleiche das mit heutigen Bauzeiten!
    Als Grund für die Verzögerungen werden diffizile Berechnungen aufgrund komplexer Bauwerks-Geometrien angegeben. Hat sich einmal jemand die Mühe gemacht, nachzufragen, was an der Geometrie komplex sein soll? Die Bauwerksabmessungen werden in der Konzeptphase festgelegt und sind Grundlage für die Tragwerksplanung. Sie liegen lange vor Beginn des Abrisses des bestehenden Bauwerks fest. Die Brückenkonstruktion selbst weist keinerlei Besonderheiten auf. Eine schlichte Deckbrücke über zwei oder drei Felder, die im Grundriss nicht einmal gekrümmt ist. Sind heutige Tragwerksplaner dadurch bereits überfordert?
    Zum Abschluss möchte ich Sie noch auf einen amüsanten Verschreiber hinweisen: Im dritten Absatz steht „Verbundfertigbauteilweise“ statt „Verbundfertigteilbauweise“.

    • Hallo, vielen Dank für Ihre ausführlichen Anmerkungen! Wir sind hier bei Mainz& Journalisten, keine Ingenieure, deshalb konnten wir die Feinheiten nicht wirklich bewerten 😉 Danke, dass Sie das übernommen haben! Klingt ja ganz so, als stünden sich unsere Ingenieure und Planer mal wieder selbst im Weg… Da halten wir mal ein Auge drauf!

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