Na, wart Ihr heute auch am Frankfurter Flughafen? Nein? Dann habt Ihr ein wirklich beeindruckendes Event verpasst: Zur 100. Montagsdemo im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens waren satte 4.000 Menschen gekommen, auf diese Zahl einigten sich am Ende Veranstalter und Polizei 😉

"Bis die Ruhe zurückkehrt" - 100. Montagsdemo am Flughafen
Schreiender Protest bei der 100. Montagsdemo – Foto: gik

Tatsache ist: Es waren viele, sehr viele. Aus allen Teilen des Rhein-Main-Gebietes waren sie angereist, hatten Plakate gemalt, Bettlaken beschriftet. Und sie waren laut: Trillerpfeifen, Rasseln, Tamburin, Trommeln, einfach alles wurde zum Krach machen verwendet. Getreu dem Motto: „Wir tragen den Lärm dorthin zurück, wo er herkommt.“

Gekommen waren natürlich die Bürgermeister der Anlieger-Orte um den Flughafen herum da, aber auch die „hohe Politik“ war gekommen, allen voran der neue hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).“Natürlich wird heute gepfiffen“, sagte Al-Wazir Mainz&, und dass man so etwas in einer Demokratie eben aushalten müsse. Er glaube aber auch, „dass wir den Dialog, und dass wir einen Ausgleich brauchen“, betonte Al-Wazir, „deshalb bin ich heute hier.“

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"Bis die Ruhe zurückkehrt" - 100. Montagsdemo am Flughafen
Zeigt der schwarzen Politik die rote Karte: Helmut Eid aus Flörsheim – Foto: gik

Polizeisprecher Alexander Kießling verteilte übrigens ein dickes Lob an die Demonstranten: „Es ist nichts passiert – wie die 99 anderen Male vorher auch“, sagte er, und dass er wirklich nicht ein einziges Mal auf Krawall gebürstete Chaoten bei den Montagsdemos gesehen habe. „Das liegt eben daran, wer es organisiert“, sagte Kießling, und das war eindeutig als Lob gemeint.

Die Montagsdemo zog heute übrigens nicht nur durch das Terminal 1, sondern auch ein Stück außen an ihm entlang. Vor der Tür hatte die Mainzer BI den Motivwagen vom Rosenmontagszug postiert, der Bouffier mit seinem „Dackel“ Al-Wazir an der Leine zeigt. „Wir nehmen ihrer Zukunft das Zuhause“, steht da ja oben dran, und genau das prangerten die Demonstranten an. „Seit der Südumfliegung haben wir keinen einzigen Moment Ruhe mehr“, klagte etwa Walter Nepelius aus Essenheim bei Mainz.

Tatsächlich waren Ausdauer, Beharrlichkeit und Penetranz die meist benutzten Vokabeln an diesem Tag, und besonders gerne wurden die von Politikern benutzt, als Anerkennung in Richtung der Demonstranten. Scheint, die Politik war irgendwie überrascht 😉 Tatsache ist: Viele Politiker, vor allem die in Hessen, haben den Protest unterschätzt, dachten, das werde sich nach einem halben Jahr oder so legen.

„Die Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt“, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner gegenüber Mainz&, die übrigens eine Fluglärmgegnerin der ersten Stunde war. „Das Engagement gegen Fluglärm kommt immer mehr in der Politik an, auch bei denen, die sich vorher einen Scheißdreck darum gekümmert haben“, sagte Rößner. Klare Worte, aber wirklich. Der Druck, sagte Rößner noch, müsse unbedingt aufrecht erhalten werden – besonders auch die Bundesbene.

"Bis die Ruhe zurückkehrt" - 100. Montagsdemo am Flughafen
Bettuch mit Gedicht 100. Montagsdemo – Foto gik

„Wir brauchen eine Fluglärmstrategie für die ganze Rhein-Main-Region“, sagte Schweitzer, und dass er die hessische Landesregierung dazu auffordere, „sich zur Vermeidung des Fluglärms zu bekennen.“

Der Frankfurter OB Peter Feldmann (auch SPD) wiederum entwickelte ein ganz eigenes Szenario: Wenn der Flughafen auf modernen Schallschutz setze, könne das am Ende gar ein Stadortvorteil sein, fand Feldmann: „Wir könnten damit werben.“ Keine schlechte Idee, bedenkt man, dass das Lärmproblem schließlich an allen Flughäfen weltweit auftritt.

Und natürlich wollen wir Euch nicht vorenthalten, was der Mainzer OB Michael Ebling (SPD) sagte: „Gut, dass es so einen langen Atem gibt“, sagte Ebling Mainz&, denn leider werde es den wohl noch brauchen. „Es dauert offenbar noch eine Weile, bis Fraport versteht, dass es zu einer Lärmreduzierung kommen muss“, sagte Ebling: „Es gibt noch eine Menge zu tun.“

Übrigens kam kein einziger der Politiker offiziell am Mikrofon zu Wort. „Wir sind so oft verarscht worden, wir geben hier Politikern keine Bühne“, sagte Thmas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitativen. Ihr merkt schon: da kam heute auch viel geballte Wut hoch, kein Wunder nach zweieinhalb Jahren.

"Bis die Ruhe zurückkehrt" - 100. Montagsdemo am Flughafen
Gefragt und ausgepfiffen: Der grüne Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir – Foto: gik

Übrigens gab es – passend zum Zeitpunkt – auch eine positive Nachricht: Das Vorbeugungsprogramm gegen Wirbelschleppen um den Flughafen herum wird ausgeweitet, versprach Al-Wazir. Am Wochenende waren nämlich schon wieder Dachziegel von dem Sog eines Flugzeugs heruntergewirbelt worden, wieder in Raunheim, wieder außerhalb der sorgfältig definierten „Zone“.

In Zukunft sollen ganz Raunheim und ganz Flörsheim geschützt werden, die Kosten für die Dachsicherung muss übrigens die Fraport tragen. Mainz& findet. Gut so! Der Verursacher muss haften, und darf sich nicht wegducken. Aber natürlich hat Minister Al-Wazir auch ein exzellentes Timing. Was der Minister aber gegenüber Mainz& zurückwies: Dass die Ziegel von den Dächern gefallen seien, „dafür kann ich ja nichts“, betonte Al-Wazir. Auch wieder wahr.

Am Ende sangen sie im Terminal 1 „Come on, come on, glaubet daran…/ .. und schwören heute: Wir kommen wieder, wir kommen wieder.“ Ein großer Erfolg sei diese 100. Montagsdemo gewesen, sagte Jochen Schraut noch, und dass die Bürger nun endlich Erfolge, Taten sehen wollten. „Wir werden weiter machen“, sagt er noch: „bis die Ruhe zurückkehrt.“

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