Zur Johannisnacht hält die Bleilaus Einzug in Mainz – und mit ihr Hurenkind und Schusterjunge, Witwe, Fliegenkopf und Zwiebelfisch. Nein, die buckelige Verwandschaft kommt nicht zu Besuch, es sind dies alles alte Begriffe aus der Druckerkunst. 37 davon hat der Mainzer Karikaturist Klaus Wilinski farbenfroh und satirisch in Szene gesetzt. In humoristischen kleinen Texten darunter wird die Bedeutung des Fachbegriffs erklärt – die Texte verfasste Gautschmeister Harro Neuhardt. Das Kartenspiel im Schwarze Peter-Stil ist ab der Johannisnacht in den Gutenberg Shops zu erhalten.

Bleilaus, Hurenkind und Schusterjunge - Kartenspiel will alte Fachbegriffe der Druckerkunst humoristisch bewahren
Liebevoll gezeichnet, humoristisch getextet: Das Kartenspiel Bleilaus von Klaus Wilinski und Harro Neuhardt. – Foto: gik

„Die Idee hatten wir bereits 2013“, erzählte Harro Neuhardt im Gespräch mit Mainz&, 2014 habe Wilinski dann begonnen, immer mal wieder eine kleine Karikatur zu entwerfen. „Wir wollen damit die alten Fachgriffe am Leben halten“, sagte Neuhardt. Und das gelingt auf ganz famos-unterhaltsame Art: Da kräht das Hurenkind im Kinderwagen, dabei ist das ausgesetzte Kindlein gar kein unehelicher Unfall – sondern einfach eine Zeile in einem Absatz, die durch den Umbruch ganz allein in die nächste Spalte gerutscht ist – was aus Sicht des Buchdruckers natürlich hochgradig unschön aussieht.

Bleilaus, Hurenkind und Schusterjunge - Kartenspiel will alte Fachbegriffe der Druckerkunst humoristisch bewahren
Gautschmeister Harro Neuhardt mit seinem „Kind“, der Bleilaus. – Foto: gik

Das Gegenstück dazu ist das Waisenkind, und der kleine Bengel taucht dann auf, wenn die erste Zeile eines Absatzes einsam am Ende einer Spalte steht. Genau solche Begriffspaare gilt es im Zuge des Kartenspiels zu sammeln und abzulegen, Gewinner ist, wer die meisten Kartenpaare zusammen bekommt. Dabei aber stibitzt der Nachbar fortwährend die Karten… den Schwarzen Peter hat, wer am Ende die Bleilaus in seinem Besitz hat. Das putzige und ziemlich freche Tierchen steht für all die Menschen, die noch den Beruf des Schriftsetzers im Bleisatz gelernt haben – eine wahrhaft aussterbende Gattung.

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Damit aber wenigstens die alten Fachbegriffe nicht aussterben, sind Zwischenschlag und Schweizerdegen, Vorbreite und Punzen, Setzschiff und Steg nun eben im Kartenspiel verewigt – und wenn Ihr jetzt wissen wollt, was es damit auf sich hat, dann müsst Ihr eben das Kartenspiel kaufen 😉 Das höchst liebevoll gestaltete Spiel gibt es für 9,90 Euro ab kommender Woche, drei Euro pro Spiel gehen zur Unterstützung ans Gutenberg-Museum.

Und womöglich löst das Spiel ja auch noch einen Schneeball-Effekt aus: „Wir wünschen uns, dass dieses Spiel wie ein Leuchtturm wirkt, um noch mehr Mainzer Künstler als Unterstützer für das Museum zu gewinnen“, sagte Karikaturist Wilinski bei der Vorstellung im Gutenberg-Museum.

Info& auf Mainz&: Das Kartenspiel „Die Bleilaus“ kostet 9.90 Euro und ist ab der Johannisnacht in den Gutenberg-Shops erhältlich. Infos dazu findet Ihr auch hier auf Facebook bei der Bleilaus persönlich.

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