Das Jahr neigt sich rapide dem Ende entgegen, höchste Zeit also, für das richtige Getränk für die Silvesternacht zu sorgen – für Sekt also. Aber nicht den Billigsekt aus dem Supermarkt, bitte! Jenseits von Henkell, Metternich & Co. gibt es einen Hochgenuss, der so richtig gut zu Mainz passt: Winzersekt. Der wurde schließlich mit in Mainz erfunden – von Hans Willi Fleischer vom Weingut der Stadt Mainz. Rheinhessen überhaupt ist der Hort der feinen Sekte nach Champagnerart – als das Deutsche Weininstitut im Oktober die besten Winzersekte Deutschlands auszeichnete, kamen zwei der drei Sieger aus Rheinhessen: Vom Weingut Erbeldinger und vom Weingut Escher.

"Brüder, kommt, ich trinke Sterne!" - Zu Silvester Winzersekt genießen
Winzersekt Made in Sprendlingen, der Wiege des Winzersektes – Foto: gik

Winzersekt, das sind meist rebsortenreine Rieslinge, Burgunder oder Chardonnay, die als Sekte ausgebaut werden – und zwar nach der Méthode Champenoise, der Champagnermethode also. Das bedeutet: Herstellung nach der traditionellen Flaschengärmethode, bei der die zweite Gärung (die erste macht aus dem Most den Wein) in der einzelnen Flasche stattfindet. Winzersekte müssen mindestens neun Monate auf der Hefe reifen, oft aber sind es auch Jahre. So erhält die Kohlensäure viel Zeit sich mit dem Wein zu verbinden, deshalb moussieren Winzersekte im Glas sehr lang und fein.

Und die Trauben müssen aus eigenen Weinbergen stammen – was den Sekten die individuelle Note des Winzers verleiht. Kein Wunder, dass gerade in Rheinhessen der kleine Bruder des großen Vorbilds Champagner erfunden wurde – hier bei uns sind die Winzer Individualisten, Querköpfe und erfindungsreiche Weinmacher. 1981 hatten zwei Weinpioniere die Idee zum Sekt nach Winzerart: Hermann Jäger, damals Weinbaupräsident, und Hans Willi Fleischer, damals junger Winzer in Mainz.

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1978 machte Fleischer senior seinen ersten Sekt aus Silvaner-Trauben aus dem Hechtsheimer Kirchenstück, die Flasche hat er bis heute. Die Genehmigung dafür musste Fleischer erst einmal vor Gericht erstreiten, danach war der Siegeszug des Winzersektes nicht mehr aufzuhalten. Hermann Jäger wiederum war 1981 Mitbegründer der Winzergenossenschaft Sprendlingen, hier ist man heute mit mehr als zwei Millionen Flaschen Winzersekt pro Jahr dessen größter Produzent.

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Die drei Siegersekte des DWI-Preises Bester Winzersekt 2015: Stengel, Erbeldinger und Escher – Foto: gik

Der Winzersekt hat also Tradition in Rheinhessen – und noch immer wird hier experimentiert. 91 Grad Oechsle hatte der 2013er Chardonnay vom Weingut Escher aus Gau-Bischofsheim, eigentlich zu hoch für einen Sektgrundwein. Anton Escher machte trotzdem einen Sekt daraus – und wurde dafür nun mit dem Preis als bester Burgundersekt Deutschlands ausgezeichnet.

„Für uns kam das ganz überraschend“, freute sich Escher, der seit fast 30 Jahren Sekte macht – mit einer ganz eigenen Philosophie: „Die Sektgrundweine werden eigentlich zu früh geerntet – vor der Reife“, sagt der Winzer, „das fehlt dem Sekt hinterher.“ Sein runder, voller Chardonnay Sekt brut gibt ihm Recht… 10 Monate lang lag der Sekt auf der Hefe, zunächst. Denn weil Eschers achtmal mehr Rieslingsekt verkaufen, lag der Chardonnay weiter auf der Hefe – nun lagert der Chardonnay schon 18 Monate auf der Hefe, was ihm aber nicht geschadet hat 😉

Den Preis für den besten Rieslingsekt aber nahm ein anderes rheinhessisches Weingut mit nach Hause: das Weingut Erbeldinger aus Bechtheim für seinen Riesling-Sekt trocken. Der Riesling des Jahrgangs 2013 lag neun Monate auf der Hefe und besticht mit feinem Süße-Säure-Spiel – trocken im Wein-Sinne ist er nicht, dafür süffig-rund. „Ein Vertreter, der viele anspricht“, weiß Winzerin Gudrun Erbeldinger, in deren Weingut elf verschiedene Sekte hergestellt werden. 5.000 Flaschen gibt’s von dem Riesling Siegersekt pro Jahr, seine Grundweine sind Spätlesen nicht unter 85 Grad Oechsle.

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Sieger Bester Winzersekt des DWI, v. links: Monika Reule (DWI), Petra Escher (Winzerin), Stefan Erbeldinger (Winzer), Horst Stengel (Winzer), Deutsche Weinkönigin Josefine Schlumberger – Foto: gik

Basis der DWI-Kür war die Bundesweinprämierung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG, der großen unabhängigen Weinprämierung des Jahres. Rund 300 Sekte wurden hier in diesem Jahr zur DLG-Prüfung auch angestellt: 90 Riesling-Sekte, 79 Burgunder und 57 Rosé-Sekte. Das DWI nahm schließlich die Gold-Gewinner, rund 30 Sekte, und ließ daraus von einer Expertenjury in Blindverkostung die drei besten Sekte auswählen.

Siegersekt Nummer 3: ein 2013er Muskat-Trollinger Rosé Sekt trocken von der Wein- und Sektkellerei Stengel aus Weinsberg-Gellmersbach in Württemberg – ein herrlich fruchtiger Rosé-Sekt mit einem Feuerwerk floraler Noten, also von Blumendüften 😉

„Winzersekte sind alles handwerklich hoch qualitativ gemachte Sekte, die immer wieder zu einem erstaunlichen Preis-Leistungsquali angeboten werden“, lobte DWI-Chefin Monika Reule bei der Preisverleihung. Das habe das DWI mit der Kür noch mehr herausstreichen und würdigen wollen. Und schließlich sind wir Deutschen Weltmeister im Sekttrinken: Fünf Liter Sekt trinkt jeder von uns pro Jahr im Schnitt – mindestens. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr 305 Millionen Liter Sekt konsumiert.

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Ran an den Winzersekt! Hier in der Abfüllanlage in Sprendlingen – Foto: gik

„Champagner trinken – das kennt meine Generation gar nicht mehr“, sagt denn auch die amtierende Deutsche Weinkönigin, Josefine Schlumberger: „Wenn wir was Gutes trinken, geben wir ein bisschen mehr aus – und trinken einen guten Winzersekt.“ Denn der stehe für Qualität und Facettenreichtum und mache bei Preisen von meist zwischen 8,- und 15,- Euro auch nicht unbedingt arm.

„Lebendigkeit, Spaß am Trinken – und er macht beim Essen immer wieder frisch“, beschreibt Josefine den Effekt des Sektes. Und sie hat Recht: Gerade bei fruchtig-säuerlichem GFemüse wie Tomaten oder strengen Geschmäckern wie Sellerie, dort also, wo sich Wein mit seinen Aromen schwer tut – da passt Sekt wunderbar dazu. Probiert es mal aus!

Und nicht umsonst soll der Erfinder des Champagners, der Benediktinermönch Dom Perignon, einst ausgerufen haben: „Brüder! Kommt geschwind. Ich trinke Sterne!“ – „Beim Winzersekt“, sagte Weinkönigin Josefine noch, „kann man das sofort nachempfinden.“ Finden wir auch!

Info& auf Mainz&: Dies waren die Gewinner des Preises Bester Winzersekt des Deutschen Weininstituts (DWI): Bester Rieslingsekt: Rieslingsekt 2013 trocken, Weingut Erbeldinger aus Bechtheim, Preis 9,20 Euro. Infos zum Weingut gibt es hier. Bester Burgundersekt: 2013er Chardonnay Sekt brut vom Weingut Escher in Gau Bischofsheim. Preis: 8,50 Euro. Infos zum Weingut hier. Bester Rosésekt: 2013er Muskat-Trollinger Rosé Sekt trocken von der Wein- und Sektkellerei Stengel aus Weinsberg-Gellmersbach in Württemberg. Infos dazu hier.

Zum Weingut der Stadt Mainz des Sektpioniers Fleischer in Mainz-Hechtsheim geht es hier entlang. Geile Sekte könnt Ihr auch in Mainz in der Weinraumwohnung kaufen oder beim Weinkontor Keßler in der Altstadt – hier bekommt Ihr auch klasse Sekte von den Weingütern Braunewell und Landgraf sowie die absolut umwerfenden deutschen Champagner von Raumland. Mehr zum Gefühl des Herrn Raumland für Champagner lest Ihr in dieser Mainz&-Reportage (für einen winzigen Euro ;-)).

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