Der Corona-Shutdown ist lange vorbei, am Frankfurter Flughafen steigt die Zahl der Flüge wieder, da ruft das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm zu einer Kundgebung auf: Am Donnerstag, den 3. September wollen die Fluglärmgegner um 17.30 Uhr vor dem Hessischen Landtag in Wiesbaden protestieren. Ihre Forderung: Landtag und Landesregierung in Hessen sollen komplett auf Kurzstreckenflüge verzichten. Nach Angaben der Landesregierung könnten so rund 6.800 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden – in Hessen werden pro Jahr rund 34 Millionen Tonnen CO2 emittiert.

Lufthansa-Flugzeuge am Boden - Fluglärm-Gegner fordern einen Verzicht auf Kurzstreckenflüge. - Foto: Lufthansa / Oliver Roesler
Lufthansa-Flugzeuge am Boden – Fluglärm-Gegner fordern einen Verzicht auf Kurzstreckenflüge. – Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler

Die Debatte um Kurzstreckenflüge ist nicht neu, immer wieder weisen Fluglärmgegner darauf hin: Kurzstreckenflüge sind besonders umwelt- und klimaschädlich, dazu seien die Flüge auf Strecken von unter 1000 Kilometern unnötig, da sie meist durch gute Bahnverbindungen abgedeckt würden. Trotzdem seien 80 Prozent der Flüge durch Angehörige der Bundesbehörden 2019 Kurzstreckenflüge gewesen, das habe etwa 206.000 Flügen entsprochen, kritisiert das BBI, ein Bündnis aus 80 Fluglärminitiativen bundesweit.

Nach Angaben des Bundesumweltamtes emittieren innerdeutsche Flüge im Schnitt 134 Gramm pro Personenkilometer, heißt es in einem Papier des BUND zum Thema Kurzstreckenflüge. Damit verursachten Kurzstreckenflüge mehr CO2 als Langstreckenflüge, weil auf Kurzstrecken die energieintensiven Start- und Landephasen stärker durchschlagen. Die Klimalast von Business-Passagieren sei zudem durch ihren höheren Platzbedarf größer als von Economy-Kunden, Bahnreisen seien hingegen über zehnmal klimaschonender als
Kurzstreckenflüge. 155.000 bis 173.000 Kurzstreckenflügevon und nach deutschen Flughäfen , und damit mehr als die Hälfte, könnten derzeit ohne Komfort- und Zeitverlust sofort auf die Schiene verlagert werden, heißt es in der BUND-Studie, die Ihr hier herunterladen könnt.

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Auch von Landesbehörden und der hessischen Landesregierung werden „noch viel zu viel geflogen“, so die Kritik weiter, obwohl etwa die Bundeshauptstadt Berlin mit der Bahn ähnlich schnell und bequemer zu erreichen sei. „Kurzstreckenflüge sind unzeitgemäß und deshalb werden inzwischen von mehreren Kommunen und Landkreisen in Hessen Dienstreisen per Kurzstreckenflug nicht mehr genehmigt“, so die Fluglärmgegner weiter: „Der Hessische Landtag sollte sich hier ein Vorbild nehmen.“

Fluglärm-Gegner bei einer Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Fluglärm-Gegner bei einer Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. – Foto: gik

Das wollen die Fluglärmgegner nun am Donnerstag mit einer Kundgebung vor dem Hessischen Landtag unterstreichen, in Wiesbaden treffen sich diese Woche die Parlamentarier zur Landtagssitzung. Die Fluglärmgegner wollen dann ein Verbot von Flügen unter 600 Kilometern für Bedienstete des Landes Hessen fordern. Pro Jahr fallen in Hessen durch die Landesverwaltung rund 40 Millionen Personenkilometer durch Flüge an, das entspreche einer CO2-Bilanz von überschlägig rund 6.800 Tonnen CO2, teilte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) im November 2019 auf Anfrage der Linken mit.

Würde dieselbe Zahl der Kilometer mit der Bahn erfolgen, würden bei 40 Millionen Personenkilometern mit dem ICE rund 1.500 Tonnen CO2 anfallen, bei Fahrten mit IC und oder EC etwa 2.500 Tonnen. „Das jährliche Einsparpotenzial beträgt demnach zwischen rund 4.300 und 5.300 Tonnen“, heißt es weiter. Dank des Großkundenabonnements des Landes Hessen würden zudem gebuchte Fahrten von der Deutschen Bahn AG durch Investitionen in Klimaschutzprojekte kompensiert, das jährliche Einsparpotenzial betrage in diesem Fall somit 6.800 Tonnen CO2.

Zudem beteilige sich das Land seit 2019 an dem „Carbon Offsetting“-Programm der Deutschen Lufthansa und unterstütze damit, „als einer der ersten Geschäftskunden überhaupt dieses Programm zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz bei
Dienst- und Geschäftsflügen“, betonte der Minister weiter. Hessen erhalte dabei sogenannte CO2-Zertifikate ab dem ersten Flug, unabhängig von der gewählten Strecke sowohl innerdeutsch wie EU-weit. Die Kompensationssumme fließe in die Unterstützung von Klimaschutzprojekten, Hessen könne damit voraussichtlich sogar eine Überkompensation seiner CO2-Bilanz für 2019 erreichen.

Geparkte Flugzeuge der Lufthansa während des Corona-Shutdown auf der Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens. - Foto: Fraport AG
Geparkte Flugzeuge der Lufthansa während des Corona-Shutdown auf der Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens. – Foto: Fraport AG

Man sehe deshalb keinen Bedarf für eine Änderung der Dienstreiseregelungen, teilte Al-Wazir weiter mit – die Benutzung bestimmter Reisemittel würde bereits jetzt schon anhand von Wirtschaftlichkeitskriterien festgelegt, die „ausdrücklich auch die Aspekte des Umwelt- und des Klimaschutzes sowie der Nachhaltigkeit und der CO2-Neutralität einschließen.“ Ab 2020 sollten zudem Emissionsrechte zur Neutralstellung von CO2-Emissionen erworben werden, die durch die dienstlich bedingte Mobilität der Hessischen Landesverwaltung verursacht werden – das sollte dann den gesamten Fuhrpark sowie Flug- und Bahnreisen umfassen.

Tatsächlich verursacht der Flugverkehr insgesamt lediglich 3 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. In Hessen wurden 2018 nach dem CO2-Bericht des Landes energiebedingt – ohne Berücksichtigung des internationalen Luftverkehrs – insgesamt 34 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Das waren 1,9 Millionen Tonnen CO2 weniger als ein Jahr zuvor. Davon wurden 38,9 Prozent durch den Straßenverkehr verursacht, 19,6 Prozent durch Heizungsanlagen, 30,9 Prozent durch Haushalte, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen und 9,1 Prozent durch die Industrie.

Der nationale Luftverkehr war laut den Berechnungen des Statistischen Landesamtes in Hessen für Umwelt nur für 1,7 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich, das waren 2018 insgesamt 0,6 Millionen Tonnen. Dazu kam allerdings noch der internationale Luftverkehr, der rund 14,1 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß in Hessen verursachte – das war ein Zuwachs von rund 0,5 Millionen Tonnen im Vergleich zu 2017.

Nach Angaben des hessischen Verkehrsministeriums starteten 2018 am Frankfurter Flughafen insgesamt rund 26.000 Passagierflüge zu den sieben wichtigsten innerdeutschen Flughäfen. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes betrage das Einsparpotenzial von Treibhausgasemissionen bei Verlagerung aller Kurzstreckenflüge unter 600 Kilometer auf die Bahn pro Jahr rund 1,6 Millionen Tonnen, heißt es weiter. 2020 dürften alle diese Bilanzen allerdings deutlich anders ausfallen – wegen der Corona-Pandemie brach der Flugverkehr am Frankfurter Flughafen zeitweise um bis zu 90 Prozent ein.

Info& auf Mainz&: Auch in Mainz wurde 2019 über Kurzstreckenflüge der Stadtverwaltung diskutiert, mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. Die Kundgebung des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen Fluglärm unter dem Motto „Keine Kurzstreckenflüge! Flüge unter 600 km untersagen!“ findet am Donnerstag, 3. September 2020, um 17.30 Uhr vor dem Hessischen Landtag in Wiesbaden statt.

 

 

2 KOMMENTARE

  1. Obwohl der Flugverkehr nur 3% des weltweiten Treibstoffverbrauchs frisst, sind die klimaphysikalischen Auswiktungen aber im Bereich von 10% anzusiedeln, weil die Emissionen in sensibler Höhe ausgestoßen werden, in der es keine biologische Assimilation, keine ozeanische Aufnahme und keine mineralische Bindung gibt. Damit liegt der Flugverkehr im Berich des Bauwahns, der für über 10% verantwortlich ist. Vor allen die Zementöfen sind riesige Energiefresser, dazu kommt die Verhüttung von Baustahl. Wasserstoff ist keine praktikable Lösung.

    • Ja, das mit dem höchst umweltschädlichen Zement, das ist uns neulich auch mal so richtig aufgefallen – Beton ist übrigens in der Herstellung auch alles andere als umweltfreundlich. Diese „modernen“ Baustoffe tragen erheblich zum Schaden der Umwelt bei, bei der Herstellung wie später in der Versiegelung – und sie sind ein Mit-Hauptverursacher für die Aufheizung der Städte.

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