Die Pläne zur Erweiterung des Gutenberg-Museums in Mainz stoßen immer stärker auf Kritik bei den Mainzern. Bücherturm, Setzkasten und Großerweiterungsbau auf dem Liebfrauenplatz – die Mainzer halten von den Architektenentwürfen fürs neue Gutenberg-Museum offenbar nicht wirklich viel. Die Kostheimer Architektin Claudia Bau spricht von einer „Aufmerksamkeitsachitektur“, die dominieren will und sich von den Menschen abwendet. Und eine Bürgerinitiative fordert nun, doch bitte die Mainzer zu befragen, bevor gebaut wird.

"Fragt die Mainzer!" - Neue BI fordert Online-Befragung bei Plänen fürs Gutenberg-Museum
Der Bücherturm wurde von einer Jury auf Platz 1 des Architektenwettbewerb zur Erweiterung des Gutenberg-Museums gewählt

„Die geplanten Entwürfe sind total unpassend für das historische Ambiente des Liebfrauenplatzes mit dem Römischen Kaiser und dem 1.000 Jahre alten Dom“, sagt Thomas Mann, Initiator der neuen Bürgerinitiative, die sich vergangenen Freitag gründete: „Damit zerstört man das Ambiente der 2.000 Jahre alten Mainzer Altstadt.“ Mann sieht sich als „Lokalpatriot“, die Entwürfe fürs Gutenberg-Museum hat er sich angesehen, in der Ausstellung im Museum selbst, dazu sich den Vortrag des Jury-Vorsitzenden angehört.

„Ich war danach auch nicht davon überzeugt“, betont Mann, die Entwürfe seien die falsche Architektur am falschen Ort. Mit moderner Architektur könne er übrigens eine ganze Menge anfangen, sagt der Mainzer, „ich verstehe moderne Architektur – wo sie hinpasst.“ Der Liebfrauenplatz aber sei das Herz der Altstadt von Mainz, die modernen Entwürfe passten hier ganz und gar nicht hin. „Es ist eine Frage des Ortes“, betont Mann, „in den Zollhafen würde so etwas wunderbar hinpassen.“

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Ein Dutzend Mainzer gründen Bürgerinitiative

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Platz 2 des Architektwettbewerbs für diesen Entwurf eines „Setzkastens“ aus Glas und Sandstein

Mann ist keineswegs allein mit seiner Meinung: Seit der Vorstellung des Ergebnisses des Architektenwettbewerbs für die Erweiterung des Gutenberg-Museums diskutiert ganz Mainz über den Bücherturm, den eine Jury auf Platz 1 wählte, sowie die anderen Entwürfe. Und viele Mainzer schüttelten die Köpfe. Vergangenen Freitag gründeten rund ein Dutzend Mainzer eine Bürgerinitiative, die nun fordert, die Mainzer über die Entwürfe fürs Gutenberg-Museum abstimmen zu lassen.

„Ganz unbestritten handelt es sich bei dem Gutenberg-Museum um eine der wichtigsten Einrichtungen in Mainz mit Weltruhm“, heißt es bei der BI. Dass eine Sanierung und Erweiterung des Museums absolut notwendig seien, sei unbestritten. Doch die Anbauten für das Museum griffen in einen historisch sensiblen Bereich der Altstadt ein, gerade hier sei in den vergangenen Jahren „ein lebenswerter, geschichtsträchtiger Raum geschaffen worden, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt gleichermaßen erfahrbar sind.“ Dem würden die Architektenentwürfe nicht gerecht.

Entwürfe, die „Platzraum penetrieren, sich abwenden, dominieren“

Alle Entwürfe seien „Aufmerksamkeitsarchitekturen, die den Platzraum penetrieren, sich abgrenzen und gleichzeitig die Umgebung massiv dominieren“, sagt auch Claudia Bau. Die Mainz-Kostheimerin ist studierte Architektin und hat sich auf das Thema Farbkultur und die Wirkung von Farbe in Architektur spezialisiert. „Ein Architekt sollte für die Menschen bauen, die künstlerische Selbstverwirklichung, die vielfach betrieben wird, ist rücksichtslos“, sagt Bau.

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Glas, Beton, Metall – harte und kalte Materialien, die sich in dieser Gestaltung vom Menschen abwenden, sagt Claudia Bau zum Bücherturm

„Wir reagieren mit unserem ganzen Empfinden, mit unserem Gleichgewichtssinn auf Architektur“, erklärt Bau. Die meisten Architekten hingegen planten rein intellektuell, ohne großen Bezug zu Menschen, arbeiteten mit Metaphern und sähen Materialien wie Beton als reines Gestaltungsmittel. Auf den Menschen hingegen wirke Beton „kalt, rau und grau“, schlicht abweisend.

Marktgeschehen, Fröhlichkeit der Mainzer – alles ignoriert

Bei den Entwürfen fürs Gutenberg-Museum werde nun „die städtebauliche Situation am Dom, das Marktgeschehen, die Fröhlichkeit der Mainzer, alles das wird überhaupt nicht eingebunden“, kritisiert Bau. Mainz sei eine weltoffene Stadt, seine Bevölkerung sei „bodenständig, unkompliziert, kommunikativ und aufgeschlossen.“ Und so seien auch die Gebäude am Markt: „Häuser, die sich den Menschen und dem Treiben auf den Plätzen freundlich und offen zuwenden“, beschreibt es Bau.

In den veröffentlichten Entwürfen aber „spürt man davon nichts“, kritisiert die Architektin, die Entwürfe seien von Abschottung und dem Bedürfnis nach Dominanz geprägt. Das gelte ganz besonders für den Bücherturm auf Platz eins: „Geplant ist hier ein Gebäude aus Glas und Metall, hart und kalt, das Glas großflächig, das Metall vorgestellt. Doppelte Abschirmung. Starr.“ Ein Turm, „der müde und isoliert wirkt“, ohne Bezug „zur Lebendigkeit der Menschen, der Lebendigkeit der Bücher, zu den Geschichten, in die sie uns einladen, dem Wissen, das sie für uns alle bereitstellen.“

Auch die anderen Entwürfe folgten diesem Schema, seien „Inszenierungen des Buches als mystisch-elitärem Kunstobjekt“, düstere Medientempel – „mit architektonischer Qualität hat das nichts zu tun“, bilanziert Bau. Ihre Einschätzung hat sie in einen Offenen Brief gefasst und an den Bund Deutscher Architekten in Rheinland-Pfalz und dessen Vorsitzenden Heinrich Lessing geschickt.

Architektenkammer: Baus Meinung „Aprilscherz, Polemik, wolkig“

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Weit in den Platz hinein, dominierend – Platz 3 des Architektenwettbewerbs zum Gutenberg-Museum

Eine Reaktion kam prompt – von der Architektenkammer. Und die sprach gleich mal von einem „Aprilscherz“, war Baus offener Brief doch am 1. April in der Allgemeinen Zeitung erschienen. „Hoffentlich, wie sonst könnte ein Beitrag, der Polemik und Argument verwechselt, sonst verstanden werden? „, schreibt die Geschäftsführerin der Architektenkammer, Annette Müller. Baus Brief halte sich „mit Argumenten gar nicht erst auf, sondern geht gleich zur ebenso offensiv wie wolkig vorgetragenen Meinung über, diese aber mit Anwürfen an die Architektenschaft à la ‚Was ich schon immer mal sagen wollte‘ würzt.“

Die  27 Wettbewerbsteilnehmer „- allesamt ausgesuchte, leistungsfähige Büros“, hätten sich „mit großem Ernst“ mit den Anforderungen auseinander gesetzt, die „qualitätsvollen“ Siegerentwürfe seien von einer „sehr sachkundigen Jury, in der Rat und Verwaltung der Stadt Sitz und Stimme haben“, ausgewählt worden. „Architektur, zumal die zur Erweiterung des Gutenberg-Museums verdient einen fundierten, gerne einen öffentlichen Diskurs“, schreibt Müller weiter. Bau sei aber ja „eine Farbberaterin“, ihre Stellungnahme „eine delikate Randnotiz unter der Rubrik „Mainzer Kultur““ zu werten.

„Belächeln, beleidigen, diskreditieren – das ist typisch“, sagt Bau

„Eine Unverschämtheit“ findet das Thomas Mann: „Die Architekten versuchen nur, Frau Bau zu verunglimpfen.“ Er sei sich hingegen sicher, dass Achitektin Bau vielen Mainzern aus dem Herzen gesprochen habe. „Ich bekomme sehr viele Rückmeldungen in diese Richtung“, betont Mann.

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Derzeitiger Eingang zum Gutenberg-Museum am Markt – Foto: gik

„Es ist immer wieder das Gleiche, Kritik an Architekten und ihrer Architektur grenzt an Majestätsbeleidigung“, reagierte Bau auf Mainz&-Anfrage auf die Aussagen der Architektenkammer. Sei die Kritik auch noch sachlich fundiert, „passiert genau das, was man hier lesen kann – belächeln, beleidigen und diskreditieren.“ Die Architektenkammer habe sich mit ihren Argumenten gar nicht auseinander gesetzt, findet Bau, stattdessen finde nur Abwehr statt: „Arroganz statt Respekt, Bekehrung statt Auseinandersetzung, Einzigartigkeitsarchitektur statt dem Herstellen von Bezügen, zeigen nur eines: Das vollständige Desinteresse an der Mainzer Lebensart und an den Menschen.“

Vorwurf BI: „Grosse will das Ding durchwinken“

Diesen Vorwurf muss sich zunehmend auch die Mainzer Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) machen lassen. „Groß denken – was soll das denn heißen?“, fragte ein Gründungsmitglied der BI mit Bezug auf Grosses Zitat – die Dezernentin wolle „das Ding durchwinken“, die Mainzer seien ihr egal. „Es ist aber doch unser aller Stadt“, kritisierte das BI-Mitglied.

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Direkt gegenüber: der historische Dom. Wo vorne das Blumenbeet ist, stünde dann der Bücherturm… – Foto: gik

„Ich möchte nicht noch so einen Klotz im Herzen der Stadt haben“, sagt etwa Gerlinde Brautzsch, frühere Beauftragte für Partnerstädte in Mainz: „Unser goldenes Mainz bleibt nicht dadurch golden, dass man so einen goldenen Klotz mit Goldfarben überstreicht – das ist lächerlich.“

BI fordert „Fragt die Mainzer“ – etwa per Online-Befragung

Für besonderen Unmut sorgt denn auch, dass bei der Entscheidung bislang die Mainzer Bürger überhaupt nicht einbezogen werden. „Die Politiker sollten nicht vom grünen Tisch entscheiden“, findet Mann, „mein Ansatz ist: Fragt die Mainzer!“ Schließlich gehe es hier um das Herz der Stadt, den zentralen Platz.

„Wir wollen wissen, was die Mainzer wollen“, fordert die BI deshalb nun eine Online-Befragung der Bürger. Entschieden die sich für einen der modernen Entwürfe, sei das völlig in Ordnung, sagt Mann. Die Bevölkerung überhaupt nicht zu fragen, sondern „uns etwas von Star-Architekten vorsetzen lassen“, sei es nicht. So seien auch die Glaskuppel auf dem Staatstheater und die Mainzer Markthäuser entstanden – beides seien keine Erfolge Mainzer Architektur.

Offener Brief an Ebling: „Demokratische Willensbildung der Mainzer als Ziel“

Die BI wendet sich nun in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und fordert darin, den Bürgerwillen der Mainzer bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen. „Ziel ist die demokratische Willensbildung der Mainzer zum Streitthema durch eine Bürgerbeteiligung“, heißt es in dem Offenen Brief, der Mainz& natürlich vorliegt, ein Online-Voting sei eine denkbare Vorgehensweise. Darüber hinaus solle die Stadt eine Visualisierung in Form eines Dummies des Siegerentwurfs mit Stangen und Planen in Originalgröße anbringen und die Pläne zur Finanzierung aller Bauphasen offen legen.

„Wir möchten den Stadtvorstand auffordern: Lasst die Mainzerinnen und Mainzer darüber abstimmen, wie ihre Stadt aussehen soll, damit wir uns mit unserem Mainz identifizieren, unsere Stadt lieben und stolz auf sie sein können“, heißt es abschließend.

Wie war das doch: „Holt Euch Eure Stadt zurück“…

Kommentar& auf Mainz&: Es gab da mal diesen Slogan der Mainzer Grünen: „Holt Euch Eure Stadt zurück!“, schrieben die beim Höhepunkt des Skandals um Mainzer Kohlekraftwerk und Handkäsmafia auf ihre Wahlplakate. Die Grünen fuhren bei der Kommunalwahl 2009 den Erdrutscherfolg von 21,9 Prozent ein – und sitzen seither im Stadtvorstand. Doch im Jahr 2016 stellt sich erneut die Frage: Wem gehört eigentlich die Stadt?

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Paradebeispiel für fehl geschlagene moderne Architektur in Mainz: die Markthäuser – Foto: gik

Da wird am zentralsten Ort von Mainz, im Herzen der Stadt, zu Füßen des heiß geliebten Doms ein prägendes Gebäude geplant – und die Mainzer werden nicht einmal dazu befragt. Moderne Stadtpolitik im 21. Jahrhundert sieht wahrlich anders aus. Nicht umsonst zitiert die nun gegründete Bürgerinitiative in ihrem Offenen Brief den rheinland-pfälzischen Innenminister und SPD-Chef Roger Lewentz:

„In Zeiten zunehmenden Vertrauensverlustes in die Politik und wachsender Distanz zwischen Entscheidungsträgern und Entscheidungsbetroffenen kommt dem gemeinsamen Dialog über die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft eine immer größere Bedeutung zu. Bürgerinnen und Bürger wollen bei den politischen Entscheidungen, die immer stärker ihren Arbeits- und Lebensalltag beeinflussen, mitreden.

Den Mainzer stößt gerade nicht nur enorm sauer auf, dass hier – wieder einmal – hochmoderne Architektur in höchst unsensibler Art und Weise in ein historisches Umfeld gesetzt werden soll, sondern vor allem, dass sie überhaupt nicht gefragt werden. Moderne Architektur kann spannend sein, Aufmerksamkeit schaffen, mit tollen Kontrasten Blickfang und Spannungen schaffen – dem lange vernachlässigten Gutenberg-Museum als Weltmuseum der Druckkunst wäre es wahrlich zu wünschen.

Der Bürger darf schauen und staunen. Mitreden darf er nicht.

Doch moderne Architektur muss erklärt werden, und sie muss Akzeptanz finden bei den Menschen, die sie täglich passieren. Um es klar zu sagen: Es gibt auch Befürworter der neuen Entwürfe, Anhänger, Verfechter. Doch es scheint, als gäbe es noch mehr Mainzer, die die Architektenpläne ablehnen, sie als kalt empfinden, als abweisend, ungeeignet für eine Stadt der Lebensfreude und der Wärme. Doch offen darüber diskutiert wird nicht – wo sind Bürgerforen, wo ist der Dialog der städtischen Verantwortlichen mit ihren Bürgern? Ja, es gibt die Ausstellung im Gutenberg-Museum – der Bürger darf kommen, schauen und staunen. Mitreden darf er nicht.

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Immer noch umstritten: die „Glasschlüssel“ auf dem Mainzer Staatstheater – Foto: gik

Die Auswahl hat eine Jury getroffen, die niemand kennt, der Verweis auf die hochrangigen „Experten“ aber ist wohlfeil: Kaum einer dieser Experten lebt in Mainz. Und was die Architekten angeht: Sachkundige Kritik, die vielen Menschen aus dem Herzen spricht, in einer solch diffamierenden Form als „Aprilscherz“ abzutun – was für eine herablassende, peinliche Arroganz!

Und so stellt sich die Frage: Für wen plant Architektur? Für wen wird hier eigentlich gebaut? Muss sich Architektur nicht auch mit den Menschen auseinandersetzen, die ihre Bauten täglich sehen und benutzen sollen? Die Mainzer stellen diese Fragen jedenfalls zunehmend – wer sie nicht beantwortet, wird für weiteren Politikerfrust, Entfremdung und Ablehnung sorgen.

Fragt die Mainzer!

Deshalb lautet unser Plädoyer bei Mainz& – wie schon so oft: Fragt die Mainzer! Redet mit Euren Bürgern! Erkundet ihren Willen! Verschanzt Euch nicht hinter angeblichen Star-Architekten, deren Entwürfen schon seit Langem das Menschliche, Warme, kurz: das Leben fehlt! Man kann übrigens Wettbewerbe auch neu starten, wenn die Ergebnisse nicht vernünftig zum Umfeld passen…

Und schiebt nicht die Entscheidung ab auf ehrenamtlich arbeitende Stadträte als „Volksvertreter“, die schließlich auch Fraktionszwängen und Parteidisziplin unterliegen. Verdammt Eure Bürger nicht dazu, fünf Jahre untätig zuzusehen, was mit ihrer Stadt passiert! Das ist einer modernen, lebendigen Demokratie unwürdig – die Quittung dafür gibt es unter Garantie bei den nächsten Wahlen. Bei der Landtagswahl lautete sie: 12,6 Prozent für die Rechtspopulisten der Alternative für Deutschland (AfD).

Info& auf Mainz&: Wer mehr über die Bürgerinitiative Gutenberg-Museum wissen oder sie unterstützen möchte, kann sich an Thomas Mann wenden unter der Email bi-gutenberg-museum(at)t-online.de. Einen ausführlichen Bericht über den Architektenwettbewerb zum Gutenberg-Museum und die ausgewählten Entwürfe findet Ihr hier auf Mainz&. Unseren Bericht über die Zukunftspläne Gutenberg-Museum 2.0 findet Ihr hier.

10 KOMMENTARE

  1. Vielen Dank für diesen zusammenfassenden Bericht! Er trifft genau das Gefühl, das sich einem vom ersten Augenblick an zu diesem (unsäglichen) Bauvorhaben und seiner anschließenden Diskussion ausbreitete:
    1. die erschlagende bauliche Enge gepaart mit der Vernichtung eines sich bisher aus allen Perspektiven darstellenden wunderschönen Platzes,
    2.die arroganten, selbstherrlichen und beleidigenden Entgegnungen aus dem Kreise derer (Architekten), die sich offenbar zu Höherem berufen fühlen. Und das ist fast noch schlimmer als die Entwürfe selbst!

    Auch wenn die meisten, die sich bisher öffentlich zu diesem Vorhaben geäußert haben, Laien sind, so haben sie aber offenbar mehr Sinn und Augenmaß dafür, was gerade an dieser Stelle machbar ist und was nicht! In eine gewachsene Struktur, die auch nach den Verwüstungen des Krieges wieder BEHUTSAM mit dem Verbliebenen versucht hat, Lebenswert in diese Stadt zu bringen, ist man KEINESWEGS BEHUTSAM, indem man RIESENKLÖTZE an Stellen setzt, wo die VISUALISIERUNG (gerne heute verwendeter Begriff der Künstler u. Architekten) den sogen. „Experten“ eigentlich zeigen müsste, dass genau DAS eben gerade ein „NO GO“ werden würde! Wir habe nicht die Flächen für solche GIGANTEN, auch wenn der Name der Dezernentin anscheinend zugleich ihr Programm zu sein scheint! Oder möchte man auch in der Innenstadt VERDICHTUNG auf Teufel komm raus?
    Ach, da fällt mir noch ein Slogan ein… wie war das noch?…Mainz LEBT auf seinen Plätzen…. tatsächlich???
    Entschuldigen Sie den Zynismus, sehr geehrte Architektinnen und Architekten!

  2. Der geplante Bücherturm reiht sich lückenlos in die Geschmacklosigkeit der krampfhaft auf Modern getrimmten Bauvorhaben der Stadt in den letzten Jahren ein. Wie kann man es nur fertigbringen den Charme unserer Stadt so zu verspielen.
    Echt schade!

  3. Die „Gott sei Dank“ gebildete BI sollte unbedingt weiter versuchen eine Befragung der Mainzer Bürger – auch ohne Online – durchzuführen.

    Das kostet sicherlich Geld. Aber dafür wäre ich auch bereit eine entsprechende Spende zu leisten!!

    „Grosse“ hat nichts mit „Größe“ zu tun. Und „Durchwinken“ hat wirklich nichts mehr mit dem „Bürgerdenken“ zu tun.

  4. Nein, es gibt nicht nur ablehnende Stimmen. Der Liebfrauenplatz ist einer meiner Lieblingsplätze in Mainz, und ich wünsche mir einen Museumsbau, der sowohl ins 21. Jahrhundert als auch zu diesem Platz passt. Zumindest einer der Siegerentwürfe greift die kleinteilige Innenstadtbebauung auf, lässt Durchgänge offen und einen Teil des Platzes unangetastet – ich würde mir wünschen, dass der umgesetzt wird.
    (Ich hoffe nur, dass nicht aus finanziellen Gründen etwas Halbgares oder Abgespecktes entsteht.)

  5. Gutenbergmuseum an den Zollhafen!
    Da können sie dan bauen was sie wollen. Das gibt eh das zweite Elsa!
    Geldgier und Korruption!

  6. Chapeau, Frau Bau und Frau Kirschstein sprechen mir zu 1000% aus der Seele. Auch wenn ich nicht mehr in Mainz wohne, sondern im „schönen Heidesheim“ – ich bleibe Mainzerin und es tut weh zu sehen, was seit Jahrzehnten in Mainz baulich verbrochen wurde. Negativbeispiele gibt es genügend und bald eins mehr? Ich muss gestehen, dass mein Mann und ich nicht mehr oft nach Mainz fahren. Zum einen, weil es immer schmutziger und hässlicher wird und zum anderen, weil die Parkgebühren sehr hoch sind. Ausweichen auf öffentliche Verkehrsmittel ist auch unbefriedigend, denn die sind auch exterm teuer. Warum sollenwir viel Geld ausgeben für eine Stadt, die zunehmend unattraktiver wird?

    Ein Vergleich mit der wundervollen Stadt Wien. Da kostet ein Wochenticket (gültig für den ganzen Innenstadtbereich) 15,00 € pro Person. Gültig für Busse, Straßenbahn, S-Bahn und U-Bahn. Liebe Politiker in Mainz (ich vermeide absichtich Mainzer Politiker, denn ich nach dem wie entscheiden wird, können das keine Mainzer sein)… baut diese Stadt nicht weiter ins Abseits. Allen voran Frau Grosse, deren Attitüde seit Jahren fragwürdig und negativ ist. Verabschiedet euch von dem Ziel „mit den großen Pinkeln gehen zu wollen“ – dazu fehlt in Mainz die Basis. Klar, man könnte die Stadt dem Erdboden gleich machen und dann alles neu, modern und futuristisch bauen. Könnte aber sein, dass Moguntia dann zur Geisterstadt wird. Und noch etwas, die meisten Bürger dieser Stadt sind keine hirnlose Deppen – die finden sich ganz woanders.

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