Es ist so weit, übermorgen tobt der Rosenmontagszug durch die Straßen von Mainz. Das Mammutspektakel ist der Höhepunkt der tollen Tage und zieht jedes Jahr – je nach Wetter – bis zu 500.000 Zuschauer an. Los geht es traditionell um 11.11 Uhr an der Boppstraße, Ecke Josefsstraße in der Mainzer Neustadt. Von dort schlängelt sich der Zug kreuz und quer auf 7,2 Kilometern durch Mainz. Am Dom trifft der Zug frühestens ab 12.00 Uhr ein, die Liveübertragung beginnt hier ab 12.15 Uhr im Südwest-Fernsehen.

Der 65. Mainzer Rosenmontagszug 2015: Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein
Jetzt geht’s los! Rosenmontagszug 2014 – Foto: gik

Es ist mal wieder ein Rosenmontagszug der Superlative: 9.571 Teilnehmer werden sich auf den Weg machen, ein echter Mammut-Lindwurm, aufgeteilt in 158 Zugnummern – 2014 waren es noch 147 Zugnummern. Damit knüpft der Rosenmontagszug an alte Rekordzeiten an, ob das so gut ist?

160 Wagen, 190 Pferde, 136 Traktoren und Zugmaschinen

Es ist schon ein gigantischer Zug, der sich da durch die Straßen von Mainz schlängelt: 160 Wagen wird es dieses Jahr geben, gezogen von 136 Traktoren und Zugmaschinen. Die übrigen Wagen werden nicht etwas von Hand gezogen, sondern von Pferden, 30 Zugpferde erledigen das.

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Der 65. Mainzer Rosenmontagszug 2015: Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein
Großartige Guggemusiker sorgen für Stimmung – Foto: gik

160 Reiter zu Pferd sind auch noch dabei, und wenn Ihr jetzt denkt „Die armen Tiere!“ können wir Euch beruhigen: Die sind das gewöhnt. Und sie werden – kein Scherz! – das Jahr über in ihren Ställen mit Fastnachtsmusik beschallt, damit sie die völlig relaxed ertragen. Trotzdem wird immer über den Einsatz von Pferden diskutiert, für die Fastnachter gehören sie einfach zum Bild dazu – schließlich ritten die Garden einst auf Pferden durch Mainz.

87 Musikgruppen mit 1.565 Musikern

71 Fahnen- und Schwellkoppträger komplettieren das Bild, 2.565 Musiker in 87 Musikgruppen sorgen für Stimmung. Hoffentlich jedenfalls…. Wir verstehen einfach nicht, warum die Musikgruppen schon am Ende der Boppstraße eine Pause einlegen müssen, wo sie doch gerade erst losgelaufen sind.

Die Narren haben sich nämlich dem Kampf gegen “Mucker und Philister” verschrieben, das sind heimtückische, scheinheilige Menschen (Mucker) und engherzige Spießbürger (Philister). Also, bitte nicht sauertöpfisch dreinschauen – lacht doch mal! Dann haben wir alle mehr vom Zug. 😉

Der 65. Mainzer Rosenmontagszug 2015: Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein
Zugweg des Rosenmontagszuges in Mainz 2015

90.000 Euro für die Sicherheit

Den Mainzer Rosenmontagszug gibt es übrigens schon seit 1838:  Im Jahr 1837 organisierte ein gewisser Nikolaus Krieger, ein Handwerker, einen Umzug namens „Krähwinkler Landsturm“, der schon damals das Spießbürgertum der Biedermeierzeit parodierte, und das Militär gleich dazu. Es war die Geburtsstunde der organisierten Mainzer Fastnacht und mündete prompt 1838 in der Gründung des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) – und im ersten Rosenmontagszug 1838.

So kam es, dass der MCV zum Organisator des Mainzer Rosenmontagszuges wurde – und es bis heute blieb. Heutzutage allerdings ist der Aufwand deutlich größer, dafür sorgen schon die Sicherheitsvorkehrungen. Die wurden übrigens seit der Tragödie bei der Loveparade im Juli 2010 in Duisburg stark verschärft: Musste der MCV davor noch ganze 8.000 Euro in die Sicherheit investieren, sind es im Jahr 2015 stolze 90.000 Euro.

Deutlich mehr Toiletten und Pinkel-Örtchen

Heute ist der Rosenmontagszug in Zonen eingeteilt, für jede dieser Zonen gibt es ein Sicherheitskonzept und genau definierte Fluchtwege. Beim MCV und der Polizei werden dazu eigens Szenarien für den Fall eines Unglücks mit Panik durchgespielt. „Unser Zuuch ist sischer!“, betont deshalb Zug-Organisator Kay-Uwe Schreiber. Und wir alle hoffen, dass die Notfallpläne niemals gebraucht werden müssen.  Der 65. Mainzer Rosenmontagszug 2015: Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein

Aufgerüstet haben Stadt Mainz und MCV hingegen bei den Toiletten – und das enorm. Allein die Stadt Mainz stellt in diesem Jahr 28 Toilettenwagen und 7 Urinalrinnen plus 12 Stehurinale sowie zusätzlich 25 zusätzlicheToilettenkabinen – das sind 72 Örtchen mehr als im Vorjahr. Zwischen Höfchen und Schillerplatz werden von Seiten des MCV 30 Toilettenkabinen und 4 Toilettenwagen aufgestellt. Im Aufstellbereich des Zuges in der Neustadt sollen weitere mobile Toilettenanlagen dazu kommen.

Parkverbote in der Neustadt beachten!

Beim wilden Pinkeln versteht die Stadt übrigens keinen Spaß: Wer dabei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 50,- Euro rechnen. Mit Verwaltungsgebühren summiert sich das auf rund 75 Euro. Die Stadt bittet deshalb auf Plakaten: „Respect the City“.

Für alle Neustadt-Bewohner hingegen gilt: Bitte unbedingt die aufgestellten Parkverbotsschilder beachten – die sind ernst gemeint! Weil sich der Zug in der Neustadt aufstellt, werden ganze Straßen zur Auto-freien Zone. Und am Montagfrüh fährt ein Lautsprecherwagen durch die Straßen und spielt an alle säumig Parkenden: „Steht auf, wenn Ihr Mainzer seid!“

Großartige Motivwagen, einer für die Inklusion

Der 65. Mainzer Rosenmontagszug 2015: Hier bin ich Narr, hier darf ich's sein
Zugen(d)te beim Rosenmontasgzug 2014 am Höfchen – Foto: gik

Mit dabei im närrischen Lindwurm sind natürlich die Motivwagen, dreidimensionale, rollende Karikaturen. 13 Stück gibt es davon in diesem Jahr, sie glossieren „Flinten-Uschi“, „Problembär“ Putin und den „Fluch der Kari-Beck“. Großartig. 13 sind es übrigens deshalb, weil der MCV als Nummer 14 erstmals einen Wagen gebaut hat, mit dem auch Rollstuhlfahrer an der närrischen Parade teilnehmen können. Das verdient einen Sonderapplaus!

Noch jemand hat übrigens in diesem Jahr Gebrutstag: Die Zugent(d)e! Das süße Entlein am Ende des Zuges wird 25 Jahre alt, deshalb gibt es beim MCV die Ente als süßes Kuscheltier mit Spieluhr darin und Fastnachtskappe darauf. Großartig. Das echte Entlein hat schon einiges erlebt, brach im Zug zusammen, musste geschoben werden – und lebt doch immer noch. Wir bei Mainz& lieben das rollende Zugend(t)e.

Sieben Kilometer lang sind alle Teilnehmer aneinander gereiht, 7,2 Kilometer lang ist die Zugstrecke kreuz und quer durch die Mainzer Innenstadt. Will sagen: Wenn der erste ankommt, geht der Letzte gerade erst los. Es ist übrigens der 65. Rosenmontagszug seit dem zweiten Weltkrieg, das Motto lautet dieses Jahr: „Hier bin ich Narr, hier darf ich’s sein – an Fassenacht in Mainz am Rhein.“ Darauf ein dreifach kräftig donnnerndes H E L A U !!! Und Euch allen viel Spaß 😉

Info& auf Mainz&: 65. Mainzer Rosenmontagszug am Montag, den 16. Februar ab 11.11 Uhr. Los geht’s in der Boppstraße3 in der Mainzer Neustadt, Höhepunkt sind die Ludwigsstraße und die Domplätze. Der Zug löst sich auf in der Parcusstraße. Dauer: lange… Zugende ist gegen 15.30 Uhr. Danach: Rosenmondnacht zwischen Schillerplatz und Höfchen auf der Ludwigsstraße. Die Innenstadt bleibt gepserrt, die Rheinallee wird gegen 18.00 Uhr wieder geöffnet. Mehr dazu spätestens morgen auf Mainz&. Was immer Ihr tut – BITTE lasst das Auto stehen und kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln! Mehr Infos dazu auf der Seite der Stadt Mainz hier und zu Fahrplan und Helau-Preisen auf der Seite der Mainzer Verkehrsbetriebe hier.

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