Boah, waren wir gespannt: Nach unserem ersten großen Glühweintest auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt 2014 hatten wir ja schon festgestellt – die Qualität der Glühweine in Mainz ist hervorragend. Dieses Jahr wollte Mainz& wissen: Ist das so geblieben? Also haben wir uns noch einmal durch alle (!) Glühweinstände auf dem Weihnachtsmarkt im Schatten des Doms durchprobiert. Das Ergebnis vorweg: ALLE Glühweine sind richtig gut, alle sind aus Weinen echter Winzerbetriebe gemacht. Und an zwei Stellen sind wir so richtig ins Schwärmen geraten…

Andreas Toschka und Frank Schulz Jury Mainz&-Glühweintest
Die Jury beim großen Mainz&-Glühweintest: Medienschaffender Andreas Toschka (lnks) und Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut (rechts) – Foto: gik

Eines gleich vorweg: Glühwein ist Geschmackssache. Eindeutig. Der eine mag es lieber herb, der andere frisch, für den dritten muss es süß sein. Wie gut, dass die Glühweine auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt genau diese Vielfalt abbilden! Und genau deshalb macht Mainz& den Glühweintest nicht einfach alleine – weil Glühwein Geschmackssache ist, haben wir uns Verstärkung geholt.

Mit dabei in diesem Jahr: Andreas Toschka, Medienschaffender, Impro-Schauspieler und Wein-Liebhaber. Und Frank Schulz, Kommunikationschef vom Deutschen Weininstitut (DWI). Das DWI ist ja, wie Ihr wisst, die Marketingorganisation der Deutschen Winzer, mit Frank Schulz hatten wir also einen echten Fachmann für deutsche Weine an unserer Seite. Und Mainz&-Chefredakteurin Gisela Kirschstein ist ja nicht nur Journalistin für Politik & Mainz – sondern seit 1997 auch Weinjournalistin mit Schwerpunkt deutsche Weine.

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Jeder Glühwein nach vier Kategorien bewertet

Beim Mainz&-Glühweintest ging es deshalb auch hochprofessionell zu: Jeder Glühwein wurde nach vier Kategorien bewertet – wie ist der Geruch, wie heiß oder kalt ist der Glühwein, wie süß oder herb und wie ist der Geschmack. Alles zusammen ergab dann eine Gesamtwertung, die zwischen 1 (geht gar nicht) und 5 (herausragend) lag.

Um es direkt vorweg zu sagen: Eine 1 war gar nicht dabei, auch eine 2 (Wertung: naja) begegnete uns nicht. ALLE Glühweine lagen zwischen 3 und 5, wobei die 3 für richtig gut stand, die 4 für sehr gut und die 5 für herausragend.  Die 5 haben wir nur ein einziges Mal vergeben – aber dazu später mehr 😉 Alle anderen Glühweine waren gut bis sehr gut – und das ist schon mal an sich ein Spitzenergebnis!

Ungesüßter Glühwein pur bei Bodtke an der Pyramide

Glühwein Testbogen Stift - Frank Schulz beim Glühweintest
Glühwein, Testbogen, Stift – der Mainz&-Glühweintest war echte Arbeit! – Foto: gik

Gestartet sind wir traditionell an der Pyramide, dort steht seit Jahren Rainer Bodtke mit seinem echten Winzerglühwein. Bodtkes Markenzeichen ist der komplett ungesüßte Glühwein, entsprechend herb kommt das Getränk in Duft und Geschmack daher. Wer das nicht mag, süßt einfach selbst nach, dennoch bleibt Bodtkes Glühwein der herbste auf dem Weihnachtsmarkt. Wir mochten dennoch den sehr weinigen Geruch mit viel Nelke, Zimt und Kardamon – keine Frage: ein echtes Winzer-Spitzen-Produkt. Einziger Kritikpunkt: Bodtke hat den Preis dieses Jahr auf 3,- Euro angehoben, das finden wir ja doch ziemlich happig…

Ein paar Meter weiter Richtung Krippe steht der Traditionsstand von Mario Wingender – und da prallten gleich die Welten aufeinander. Bei Wingender geht es nämlich deutlich süßer zu, der Dornfelder vom Weingut Pitthan ist eindeutig der Fall klassische Würze. Wer Glühwein alter Schule mag, ist hier goldrichtig – der Mainz&-Jury war er ein wenig zu süß. „Wir haben ihn auf unsere Kundschaft abgestimmt, und die lieben ihn!“, meinten dazu Wingenders – und der dicke Pulk von Menschen um den Stand gab ihnen eindeutig Recht 😉

Klassische Glühweine mit viel Süße zum einen

Klassisch heiß und sehr süß, so ist der Glühwein auch bei Sascha Barth. Der „Feuerzauber“ steht auf dem kleinen Platz an den Markthäusern, hier läuft die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann auf großen Fernsehern – ein echter Klassiker. Und genauso klassisch ist hier auch der Glühwein, eine Cuvee aus Dornfelder und Portugieser vom Weingut Pitthan. „Das hier ist der Gegenentwurf zum weinbetonten Winzerglühwein“, befand Andreas.

Weich ist der Glühwein und rund, der Jury aber dann doch zu süß. „Gut, dass er so süß ist!“, rufen zwei Mädels neben uns – wie gut, dass die Geschmäcker verschieden sind! Sascha Barth hat übrigens noch einen Spätburgunder-Glühwein, der deutlich weniger süß ausfällt. Aber wir hatten da einfach ein Problem: Bei rund einem Dutzend Stände mussten wir uns einfach auf einen Glühwein pro Stand beschränken. So haben wir jeweils den Standard-Glühwein getestet, und all die tollen Variationen, die es sonst noch gab, schweren Herzens links liegen gelassen.

Budengasse mit Markthäusern
Kreuz und quer über den Mainzer Weihnachtsmarkt ging’s bei großen Mainz&-Glühweintest – Foto: gik

Unglaubliche Variations-Vielfalt mit Weiß, Rosé, Punsch

Denn da hätte es so einiges gegeben! Weiße Glühweine, Glühweine aus Rosé, Punsch mit Schuss und ohne, Glühwein aus Dornfelder, aus Spätburgunder, aus Merlot – die Vielfalt auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt ist inzwischen enorm, jeder Stand hat mindestens zwei, drei Variationen – Respekt, Leute! Bei Rudolf Peter Barth an den Markthäusern haben wir uns einmal verführen lassen und den Weißwein-Punsch probiert – Leute, Leute… Würzig-fruchtig mit Nelke und Orange, Citrusdüften und einem sehr versteckten Rum, ein echter Knaller! Aber natürlich außerhalb der Konkurrenz unseres Glühweintests!

Wir haben übrigens an jedem Stand nur einen kleinen Probeschluck im Glas genommen, und möchten an dieser Stelle ein dickes Dankeschön sagen: Alle, wirklich alle Stände haben uns völlig selbstverständlich und gerne Probeschlücke spendiert, kostenlos und mit vielen netten Bemerkungen – ganz vielen Dank dafür!

Tolle Würze beim Traditionsstand an den Markthäusern

Vor den Markthäusern steht der große Traditions-Glühweinstand der Familie Sottile-Barth, und was sollen wir sagen? Der Dornfelder kam total süffig und mit toller Würze daher, frisch vom Geschmack, viel Orange und Zitrus, dazu Zimt und ein runder Weingeschmack. „Die Qualität hat sich aber gesteigert“, staunte Andreas, „der kommt als Spitzenreiter in Betracht!“ Vorbei die Zeiten, wo es an den Ständen pappig-süß-klebrige Gemische gab, lobt Frank: „Da macht sich auch der gestiegene Wettbewerb unter den Winzern bemerkbar – und die gestiegene Qualität der Weine.“ Und wir waren uns einig: Sogar das leere Glas roch hier noch lecker nach mehr…

Winzer Huf mit Glühwein
Winzer Huf hat auch in diesem Jahr wieder einen außergewöhnlichen Glkühwein im Glas – Foto: gik

Weiter ging’s zu einem, der im Vorjahr alle überraschte: Winzer Rüdiger Huf präsentierte als Neuling auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt eine so außergewöhnliche Kreation, dass er gleich mal den ersten Platz beim Mainz&-Glühweintest abräumte. Umso gespannter waren wir dieses Jahr: „Toll riecht der“, staunte Andreas, „floral, ein Tick Orange – ist das Rosenduft?“ – „Das riecht wie Sommer im Winter“, fand Frank, „total frisch, mit Zimt, einfach total ungewöhnlich!“

Glühwein bei Huf: florale Sommeraromen mitten im Winter

Klarer Fall: dem Weingut Huf ist wieder ein außergewöhnlicher Glühwein gelungen. Ausgewogen, kräftig im Geschmack, sehr süffig und mit ungewöhnlichen Würzaromen. Das Cuvee aus Spätburgunder und Portugieser des Jahrgangs 2014 wurde sechs bis sieben Monate im großen Holzfass ausgebaut – da macht sich einfach der Winzer bemerkbar, der im eigenen Keller viel Schweiß und Ideen in den Wein steckt. An Gewürzen, versicherte uns Huf, seien bloß Anis, Zimt und Nelke drin – was wir kaum glauben konnten. „Pflaume, das schmeckt doch wie Pflaume“, fand Andreas. „Da ist viel Liebe drin“, sagte Huf und grinste.

Um die Ecke steht in diesem Jahr ein Neuling auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt: Das Weingut Geisinger aus Ober-Olm. Das Cuvee aus Dornfelder und Spätburgunder ist sogar vegan, also ohne tierisches Eiweiß ausgebaut. Und es kommt mit einer Orange im Glas daher, das macht den Glühwein frisch und fruchtig. Gepaart mit Zimt, Nelken und Kardamon blieb ganz klar ein Geschmackseindruck: „Das ist Sangria in heiß“, befand Andreas – „Spanien im Winter!“

Zu heißer Glühwein killt die Aromen

Ein paar Schritte weiter um die Ecke schenkt Rolf Peter Barth am Schwarzwaldhaus Glühwein vom Weingut Zehe-Caus aus Hechtsheim aus. Das finden wir schon mal per se gut – Mainzer Winzer sollten einfach auf dem Weihnachtsmarkt mit ihren Produkten vertreten sein! Klassischen Winzer-Glühwein haben sie hier schon seit 30 Jahren, erzählt Barth, „da haben wir damals schon in der Weinlese mit im Wingert gestanden!“ Respekt! Im Glas hatten wir einen weihnachtlich duftenden, runden, nicht zu süßen Glühwein, der nach Amaretto-Kirsche schmeckte.

Merlot Glühwein bei Beckers Glühwürmchenbude
Merlot Glühwein bei Beckers Glühwürmchenbude – Foto: gik

Weiter ging’s zum unteren Ende des Weihnachtsmarktes – die Uhr tickte, der Marktschluss drohte…  An der Dohlmühle hatten wir ein ungewöhnliches Erlebnis: Der Glühwein war ZU heiß. „Heißer als 70 Grad darf der Glühwein eigentlich nicht werden“, erklärte Experte Frank – sonst verdunstet der Alkohol und vor allem: die Gewürze sind nicht mehr zu schmecken! Der Dornfelder-Glühwein entpuppte sich – etwas abgekühlt – nämlich als würzig-weicher Weihnachtsglühwein mit viel Zimt und Orange. „Ein Glühwein alter Schule in toller Qualität“, befand Andreas.

Ein paar Schritte weiter steht um die Ecke am Gutenberg-Museum die Glühwürmchenhütte der Familie Becker. Hier bekamen wir den einzigen reinrassigen Merlot-Glühwein des Abends, einen runden, weinigen, sehr angenehmen Glühwein mit leichten Noten von grünem Apfel – ungewöhnlich! Allerdings kratzte auch der mit 2,99 Euro an der Drei-Euro-Marke.

Kirsche, Bitterschokolade und Holunder in der Spieluhr

Nebenan wartete noch die Spieluhr auf uns, hier schenken die Mainzer Weingüter Bernhard Stenner, Lemb-Becker, Nauth und Möhn ihre Weine aus. Auch hier gibt es ein Cuvee aus Dornfelder und Portugieser – das ist in diesem Jahr die vorherrschende Paarung. Ein Sonderlob hier: Die große Karte mit der Allergiker-Kennzeichnung, die gut sichtbar auf dem Tresen steht – das ist für geplagte Allergiker total hilfreich!

„Sehr angenehme Temperatur“, lobte Andreas – uns überraschte schon wieder ein neues Geschmacksbukett: Kirsche, Orange, ein Hauch von Bitterschokolade – und Holunder! Für die Süßmäuler gibt’s Extra-Zucker zum Nachwürzen – wir fanden ihn ungesüßt klasse. „Was will man da besser machen?“, schwärmte Frank.

Weingut Kissel: Sensations-Regent, vollmundig, mit feiner Würze

Familie Kissel Spitzenreiter Mainz&-Glühweintest 2015
Setzten den krönenden Höhepunkt auf den Mainz&-Glühweintest: Familie Kissel – Foto: gik

Die Antwort erwartete uns beim Weingut Kissel. Die Saulheimer sind zum ersten Mal dabei auf dem Weihnachtsmarkt und haben ihren Stand direkt an der Allgemeinen Zeitung. „Wow“, sagte Andreas beim Schnuppern am Glas spontan, „hier bleib‘ ich stehen!“ Der Regent entpuppte sich als die Krönung des Abends: Rund, vollmundig, mit Würze von Zimt und Sternanis, Kirsche und Pflaume, bleibt der Glühwein doch in erster Linie ein toller Wein. „Ganz lang und vollmundig im Abgang“, staunte Frank: „Der setzt ganz auf die Kraft des Weines!“

Womöglich lag es daran, dass Kissels den einzigen Regent-Glühwein unseres Tests hatten, die leicht fruchtige und sehr vollmundige Rebsorte eignet sich einfach besonders gut für Glühwein. Tatsache war: Hier zückten wir spontan die Note 5 – doch auch das ist Geschmackssache. Jemand anderem fehlt hier vielleicht die Süße, wieder einem anderen das Kräftige des Dornfelders. Wieder einmal aber stellte sich heraus: den Winzern mit ihrem eigenen Keller gelingen am Ende die ungewöhnlicheren und deshalb auffälligeren Kreationen.

Great Wine Capital Mainz – auch Glühweinhauptstadt von Deutschland

„Es hat sich wirklich was getan auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt“, lautete denn auch Andreas‘ Fazit, „es gibt keine Massenware mehr.“ Cuvees seien eindeutig in, konstatierte Frank, „und die Kellermeister sind inzwischen super!“ Klarer Fall: „Wer auf den Mainzer Weihnachtsmarkt kommt, wird in keinem Fall betrogen – gut sind die Glühweine nämlich alle“, bilanzierte Frank. Ein hohes Lob!

Vielfalt und Qualität sind absolut bemerkenswert, mit den neuen Weingütern sind noch einmal neue Spielformen auf den Markt gekommen. Für die Great Wine Capital Mainz, die Weinhauptstadt Deutschlands, ist das gut so, war sich die Jury einig – Glühwein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, befand Andreas noch, „macht einfach Spaß!“

Info& auf Mainz&: Alle Glühweinstände findet Ihr am besten auf www.weihnachtsmarkt-mainz.com oder auf dem Marktplan am Anfang des Mainzer Weihnachtsmarktes. Und wir können Euch nur einen Tipp geben: Probiert Euch selbst durch und findet Euren persönlichen Spitzenreiter! Denn Glühwein ist vor allem eines – weihnachtliches Kultgetränk und reine Geschmackssache! Viel Spaß beim Probieren!

 

3 KOMMENTARE

  1. ..danke fürs Durchprobieren und den toll geschriebenen Artikel, der richtig Lust auf den Mainzer Glühwein macht! 🙂 Man hat jetzt schon Wehmut, dass es mit dem Weihnachtsmarkt am 23. schon wieder vorbei ist…

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