Was für ein kometenhafter Aufstieg! Elf Jahre nach seinem Umstieg zum Profi-Kabarettisten heimst Tobias Mann schon die höchste Ehre der deutschen Kabarettszene ein: Mann erhält den Deutschen Kleinkunstpreis 2017, vergeben vom Mainzer Kleinkunsttheater Unterhaus. Die Wiege des Kabaretts vergibt bereits seit 45 Jahren den ältesten und noch immer einen der wichtigsten Preise der deutschen Kleinkunstszene, mit Tobias Mann wird nun ein leidenschaftlicher Musiker und Entertainer ausgezeichnet, der zunehmend Fuß im politischen Fach gefasst hat. Der 40-Jährige sei „eine wichtige Stimme seiner Generation“, urteilte die Jury.

Deutscher Kleinkunstpreis für Tobias Mann: Ritterschlag für Hochgeschwindigkeitskabarettist
Tobias Mann im Januar 2015 bei einem Auftritt in der SWR-Sendung Spätschicht im Mainzer KUZ – Foto: gik

Da gratulieren wir bei Mainz& aber ganz herzlich, sind wir doch seit Jahrzehnten schon Fan des quirligen Dampfplauderers aus Mainzer Gefilden! Denn das erste Mal gesehen haben wir „den Toby“ auf einer Fastnachtsbühne in Mainz-Bretzenheim, das waren die Anfänge des Jungen mit der Gitarre. Der Wirbelwind, Markenzeichen Stachelhaare, Gitarre und Hochgeschwindigkeits-Plaudern, machte rasend schnell Karriere: erst beim Gonsenheimer Carnevals-Verein und von dort schnurstracks auf der Fernsehbühne bei Mainz bleibt Mainz. Erst mit der Gesangsgruppe Aca & Pella, die schon genial war, dann immer öfter aber auch solo mit Gitarre und auch Klavier.

Bei Fastnacht gelernt, wie Publikum funktioniert

Die Fastnacht, sie war eine wichtige Schule für den künftigen Profi: „Bei der Fastnacht lernt man, wie ein Publikum funktioniert“, sagte Mann 2010 Mainz&-Chefredakteurin Gisela Kirschstein, damals für die Nachrichtenagentur ddp unterwegs. Umgang mit Bühnentechnik, Mikrofon, Saal – „die Fastnacht ist der ultimative Spielplatz für jemanden, der auf der Bühne stehen möchte“, betonte Mann damals. 2007 nahm er Abschied von der Fastnacht und startete in seine Solokarriere – und wie: Seither sammelt der Mainzer Preise und Fernsehsendungen am laufenden Band: 1. Platz beim Münchner „Kabarett Kaktus 2006“, Publikumspreis der Berliner Wühlmäuse, Bonner Prix Pantheon, auch den Förderpreis des Kleinkunstpreises holte er sich 2008 schon.

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Deutscher Kleinkunstpreis für Tobias Mann: Ritterschlag für Hochgeschwindigkeitskabarettist
Wirbelwind, Stachelhaare, Gitarre – Tobias Mann im offiziellen Pressefoto – Foto: Thomas Klose

Nun also, ausgerechnet im elften Jahr seiner Profi-Karriere, gibt es schon gleich die Krone: Der deutsche Kleinkunstpreis stellt Mann in eine Reihe mit den ganz Großen seiner Zunft. Dieter Hildebrandt, Georg Schramm, Mathias Riechling, Volker Pispers, Urban Priol und nicht zuletzt Preisstifter Hanns Dieter Hüsch, sie alle sind Preisträger der Mainzer Glocke. Manns Sparringpartner in der ZDF-Kabarettsendung MannSieber, Christoph Sieber, erhielt den Preis 2015.

Nun befand die Kleinkunstpreis-Jury den Mainzer Senkrechtstarter des großen Preises für würdig: Man zeichne einen Kabarettisten und Musiker aus, der das Leben und die Politik aufmerksam im Blick habe und seine spezielle Kunst des Hochgeschwindigkeitskabaretts entwickelt habe, heißt es. „Als Entertainer fesselt er sein Publikum mit Leichtigkeit, als politischer Kabarettist nutzt er die Aufgeregtheit der Comedy.“

Mann spielt virtuos mit Erwartungen und Assoziationen, „Verrückt in die Zukunft“ heißt sein aktuelles Programm – wie passend. Legendär ist sein Faust-Rap und natürlich seine Mainz-Hymne von den Siebe Schoppe, die man überstehen muss, um Mainzer zu werden. Ganz aktuell könnt Ihr hier auf Youtube Tobias Mann beim Jubiläum des 3sat-Festivals erleben. „Ich werd‘ verrückt, man verleiht mir den deutschen Kleinkunstpreis“, twitterte Tobias selbst: „YEAH! Ich freue mich wie Bolle!“ Das nächste Mal steht Tobias Mann in Mainz schon am Sonntag auf der Bühne: Im Frankfurter Hof gibt’s um 20.00 Uhr das Beste aus 10 Jahren Profi-Kabarett, allerdings ist der Abend natürlich längst ausverkauft.

Weitere Kleinkunstpreise an Semsrott, Brugger und Wecker

Natürlich wurden aber diese Woche auch die übrigen Mainzer Kleinkunst-Preise vergeben: Den Preis in der Sparte Chanson/Lied/Musik erhält das Duo „die feisten“, die Jury zeichnet damit Mathias „C“ Zeh und Rainer Schacht für ihre „Lieder mit Parodie, heiterem Spott und paradoxem Weltverständnis“ und ihre „meisterhaft komischen Miniaturen“ aus.

Den Preis in der Sparte Kleinkunst erhält Nico Semsrott und damit ein „staatlich nicht anerkannter Demotivationstrainer“, wie die Jury meint: „Unter seiner dunklen Kapuze steckt ein heller politischer Kopf, wie er beispielsweise durch seine Grabrede auf die AfD beweist.“ Gezielt frustriere er mit seiner Depri-Performance und werde den Preis „vermutlich als einen hinterhältigen Mobbing-Versuch empfinden.“

Deutscher Kleinkunstpreis für Tobias Mann: Ritterschlag für Hochgeschwindigkeitskabarettist
Action auf der Bühne ist mit Tobias Mann garantiert, hier im Januar 2015 bei der SWR-Spätschicht – Foto: gik

Den Förderpreis der Stadt Mainz erhält die junge Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger für ihre Schlagfertigkeit und ihre Gabe, tief in die Psyche der Zuschauer einzudringen: „Hazel Brugger tritt zwar unscheinbar, fast harmlos auf, in ihren Texten aber katapultiert sie sich mit bösem, schwarzem und oft auch absurdem Humor in ihr ureigenes Hazel-Universum.“ Den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz erhält schließlich ein wahrhaftiges Urgestein: Konstantin Wecker wird als streitbarer Liedermacher und unbeugsamer Moralist ausgezeichnet, der sich „überall einmischt, wo eine starke Stimme gebraucht wird.“

Seit 50 Jahren singe Wecker „mit Herz, Hirn und Haltung, mit Wut und Zärtlichkeit für eine friedliche und gerechte Welt“, befand die Jury: „Er ist ein poetischer Träumer und eine wuchtige Urgewalt“, der in seinen Liedern „großes Pathos in mediterrane Grandezza“ kleide und auf der Bühne eine Strahlkraft entwickele, der sich niemand entziehen könne. Wie wahr.  Alle Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Info& auf Mainz&: Die Preisverleihung findet am Sonntag, den 5. März 2017, im Mainzer Unterhaus statt und wird danach auch jeweils von ZDF und 3sat zu einem späteren Zeitpunkt ausgestrahlt. Infos und Karten zum Mainzer Unterhaus hier im Internet, und auf Mainz& feiern wir natürlich auch das Jubiläum 50 Jahre Unterhaus: Zum Lachen in den Keller. Tobias Mann findet Ihr auch im Internet, hier geht’s zur offiziellen Webseite.

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