Das ist ein Schlag für die Weinhauptstadt Mainz: Das Deutsche Weininstitut (DWI), die Marketingorganisation der deutschen Winzer, verlässt Mainz. Das Institut wirbt für deutsche Weine im In- und vor allem auch im Ausland und saß bisher im Herzen von Mainz – nämlich direkt neben dem Staatstheater. Nun aber verlässt das DWI seinen angestammten Sitz, um in ein Bürohaus nach Bodenheim zu ziehen. Die neue Adresse lautet ausgerechnet: Am Kümmerling…

Deutsches Weininstitut verlässt Mainz - Neue Adresse: Am Kümmerling...
Hier saß das Deutsche Weininstitut bisher: Im Haus des Deutschen Weins am Staatstheater – allerdings auf der Rückseite – Foto: DWI

Kümmerling ist bekanntlich der Markenname für einen Kräuterlikör, und der hat mit Wein nun wirklich gar nichts zu tun. Schlimmer noch: Kümmerling gehört zur Henkell-Gruppe, und zu dem Wiesbadener  Unternehmen gehören praktisch alle bekannten Sektmarken der Republik – von Henkell über Fürst Metternich bis hin zur einstigen Mainzer Sektmarke Kupferberg.

DWI: Imagepflege für den deutschen Wein

Bekannt ist das Deutsche Weininstitut in der Öffentlichkeit vor allem durch die Wahl der Deutschen Weinkönigin, der verpasste das DWI in den vergangenen Jahren ein deutlich moderneres Image als moderner Weinfachfrau.

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Deutsches Weininstitut verlässt Mainz - Neue Adresse: Am Kümmerling...
Deutsche Weinkönigin und Weinprinzessinnen ganz modern – Foto: DWI

Die Hauptarbeit des Deutschen Weininstituts ist aber, das Image und den Absatz deutscher Weine zu fördern. Gegründet wurde das DWI nach dem Zweiten Weltkrieg 1949, seine Bedeutung wuchs besonders mit den Wein-Skandalen der 1980er Jahre, Stichwort: Glycol-Panscherei an der Mosel. Seither kämpft der Deutsche Wein gegen ein mieses Image, das auch durch billige und süße Massenware à la Liebfraumilch geprägt wurde.

Das ist lange her: Heute steht deutscher Wein für hochwertige Erzeugnisse und spannende Weine. Deutsche Rieslinge sind Weltklasse, deutsche Weißweine räumen weltweit Preise ab, und so langsam spricht sich auch in Deutschland herum, dass Weißburgunder, Grauburgunder und sogar Sauvignon Blancs aus deutschen Weinbergen richtig gut sein können.

Peppige Werbung für junge Winzer

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Junge Winzer, moderne Werbung: die Generation Riesling – Foto: DWI

Selbst deutsche Rotweine werden langsam entdeckt, Kenner wissen natürlich, dass Pinot Noirs wie die des leider inzwischen verstorbenen Badener Winzers Bernhard Huber sogar bei den Franzosen erste Plätze abräumen 😉 Ganz zu schweigen von der jungen Winzergeneration: Deren Können wird inzwischen von Franzosen und Amerikanern begeistert gepriesen.

Die Arbeit für das DWI ist damit aber noch nicht vorbei: Zwar trinken die Deutschen immer mehr Weine aus Deutschland, doch der Imageschaden früherer Jahre wirkt noch immer nach. Das bescheinigte dem DWI 2014 sogar das höchste deutsche Gericht: Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Juni 2014 dem DWI, das seine Arbeit weiter notwendig ist.

Gericht bestätigte Rechtmäßigkeit der DWI-Arbeit

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Kühlmanschette Deutscher Wein des DWI

Der Hintergrund: Das DWI wird finanziert aus dem Deutschen Weinfonds,  und dessen Gelder werden in einer Zwangsabgabe unter allen deutschen Weinproduzenten erhoben. Dagegen hatten Kellereien geklagt – die Großproduzenten hätten ihre Abgaben lieber in das eigene Marketing gesteckt, die kleinen Weingüter hätten dabei das Nachsehen gehabt.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte nun den Solidargedanken, mit dem Urteil ging fürs DWI zudem eine jahrelange Hängepartie zuende. Im Herbst 2014 war deshalb der Weg frei für Zukunftsplanungen – und damit kam die Frage des Geschäftssitzes neu aufs Tapet.

Immobilien in Mainz – unerschwinglich

„Die Miete ist auf Dauer gesehen teurer als der Kauf einer Immobilie“, sagte DWI-Pressesprecher Ernst Büscher Mainz&. Der DWI-Verwaltungsrat habe deshalb im November 2014 entschieden, dass der Umzug in die gekaufte Immobilie nach Bodenheim betriebswirtschaftlich sinnvoll sei. Schnell sei nämlich klar geworden, dass aufgrund der wesentlich höheren Grundstückspreise in Mainz ein Verbleib in der Stadt unerschwinglich sei.

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Bisheriger Sitz: Haus des Deutschen Weins in Mainz – Foto DWI

„Wir wollen schließlich mit dem Geld unserer Beitragszahler möglichst kostenbewusst umgehen“, betont DWI-Geschäftsführerin Monika Reule. Das DWI fühle sich „der Stadt Mainz unverändert sehr verbunden“, außerdem sei Bodenheim ja auch „in unmittelbarer Nähe zu Mainz.“

Kaufvertrag für Bodenheim im Januar

Die Stadt Mainz soll nach Mainz&-Informationen durchaus versucht haben, das DWI in Mainz zu halten. Noch am Donnerstag gab es ein Gespräch zwischen Reule und Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), doch da war das Kind wohl längst in den Brunnen gefallen – der Kaufvertrag wurde im Januar 2015 unterzeichnet.

Der bisherige Firmensitz des DWI, das Haus des Deutschen Weins, gehört ausgerechnet der stadtnahen Mainzer Wohnbau, doch offenbar sah man sich hier nicht in der Lage, dem DWI so weit entgegen zu kommen, wie es nötig gewesen wäre – nach Mainz&-Informationen wäre ein sehr großer Schritt nötig gewesen.

Gespräche mit Wohnbau: nix Geeignetes

Gespräche mit der Wohnbau habe es am Jahresende durchaus gegeben, bestätigt Büscher: „Das Haus wurde uns angeboten.“ Auch habe es weitere Angebote gegeben, ein passendes Objekt sei aber „nie dabei gewesen.“ Tja, liebe Stadt Mainz…. Da stellt sich uns schon die Frage, ob das nicht an Sinn und Zweck von Wirtschaftsförderung vorbei läuft. Deutsches Weininstitut verlässt Mainz - Neue Adresse: Am Kümmerling...

Andererseits: Veranstaltungen des DWI fanden auch bisher schon in Mainzer Hotels oder anderen Räumlichkeiten statt – nie im DWI selbst. Auch der Bezug zum Restaurant „Haus des Weins“ ist schon lange nicht mehr da. Das Restaurant sei zwar einst vom DWI gegründet worden, sagt Büscher: „Früher hatten wir auch einen direkten Zugang zu den Tagungsräumen, haben dort Seminare abgehalten.“ Seit mehr als 20 Jahren ist das Restaurant aber schon in Privatbesitz, vom Wegzug des DWI ist es nicht betroffen.

Bleibt die Tatsache: Wenn künftig über deutsche Weine berichtet wird, wird es heißen: „… sagte das Deutsche Weininstitut in Bodenheim.“ Und wer weiß schon in deutschen Landen, wo Bodenheim liegt… vom Ausland ganz zu schweigen. Das DWI will nun das 1.500 Quadratmeter große Domzil erst einmal umbauen. Der Umzug soll Ende 2015 erfolgen.

Info& auf Mainz&: Mehr über das Deutsche Weininstitut und seine Arbeit findet Ihr auf der Internetseite www.deutscheweine.de.

1 KOMMENTAR

  1. „sagt das deutsche Weininstitut in Bodenheim bei Mainz“ oder „in Bodenheim am Rhein“
    Das müßte sich doch so hinkriegen lassen.

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