Seit Beginn des Konflikts in der Ukraine stehen deutsche Medien mit ihrer Berichterstattung scharf in der Kritik, werden beschimpft und angefeindet. Mit diesem Thema setzt sich heute, Donnerstagabend eine interessante Veranstaltung auseinander: bei „Medien als Mittel zum Zweck? Der Krieg um die Meinungshoheit in der Ukrainekrise“ wird ab 18.00 Uhr im CinéMayence diskutiert.

Zu der Veranstaltung lädt die Medienpolitikerin und Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) ein, die selbst lange Jahre als Journalistin beim ZDF arbeitete. „Eine Schwemme von Leserbriefen flutet die Redaktionen von Tageszeitungen und Fernsehanstalten, Kommentarspalten in Online-Medien quellen über“, heißt es in der Ankündigung – die Ukraine-Krise ist in Deutschland zu einer Medienkrise geworden – aber warum eigentlich?

Die Medien und die Ukraine-Krise - Diskussion heute
Die Pressemeute, hier mal in geballter Form – Foto: gik

Deutsche Medien, erst Recht die öffentlich-rechtlichen, sind an journalistische Regeln gebunden und gehalten, Informationen nicht ohne Kontrolle und Gegencheck zu veröffentlichen. Nur: Wie macht man das in einer Kriegssituation, in der man sich nicht frei bewegen, nicht Augenzeugen treffen, Bilder nicht nachprüfen kann?

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„Wie können Journalisten angesichts von schwer nachprüfbaren Meldungen und gezielten Desinformationskampagnen zwischen wahr und falsch unterscheiden?“, fragt die Ankündigung, und weiter: „Können die Medien in so einem Interessenskonflikt überhaupt noch unabhängig berichten?“ Das erste Opfer eines Krieges, wissen Journalisten, ist die Wahrheit.

Alle Kriegsparteien versuchen in ihrem Sinne die Berichterstattung zu beeinflussen, streuen Lügen und falsche Bilder. Das ist auch in der Ukraine nicht anders, mehr noch: Hier tobt ein PR-Krieg ersten Ranges, und Russlands Präsident Wladimir Putin ist der große Gewinner in diesem Spiel. Und wer jetzt sagt, es sei doch seltsam, dass alle Medien „das Gleiche“ schreiben, sollte sich mal fragen: Vielleicht ist es dann einfach richtig?

Die Medien und die Ukraine-Krise - Diskussion heute
Gegen Pegida und gegen Hass – dass Medien darüber berichten, finden alle toll… – Foto: gik

Aber natürlich werfen Krisen wie diese in Zeiten des Internets neue Fragen an die Medien auf, und die sollen heute Abend diskutiert werden.  Rößner hat sich dafür hochkarätige Unterstützung gesucht: Es kommen die Expertin für Osteuropapolitik der Grünen im Bundestag, Marieluise Beck, der stellvertretende Chefredakteur des ZDF, Elmar Thevessen, Sonja Volkmann-Schluck von n-ost, dem Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung, Reinhard Veser von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und die Heidelberger Politikwissenschaftlerin Simon Weiß.

Anschließend, um 20.30 Uhr, zeigt das CinéMayence den Film „Die vierte Macht“, dabei geht es um die Geschichte eines Journalisten, der in Moskau unter die Räder der Macht gerät. Der Filmtitel aber spielt auf die Rolle der Medien in einer Demokratie an: Als „vierte Gewalt“ sind Journalisten nach Regierung, Parlament und der Justiztatsächlich die Hüter der Demokratie – indem wir Misstände aufdecken, Lügen entlarven und die Mächtigen kontrollieren.

Das musste nun gerade gestern Pegida-Gründer Lutz Bachmann erleben: Nachdem die Bild-Zeitung ein Foto Bachmanns als Hitler ausgrub und seine rechten Hetztiraden offen legte, musste der Mann zurücktreten. Die Folge könnte das Ende des Spuks um die Anti-Islam-Gegner von Pegida sein. Und wenn Ihr das jetzt gut findet – dann sagt ruhig mal ein Dankeschön an die Journalisten.

Info& auf Mainz&: „Medien als Mittel zum Zweck? Der Krieg um die Meinungshoheit in der Ukrainekrise“, Donnerstag, 22. Januar 2015 um 18:00 im CinéMayence, Schillerplatz 11, im Institut Français in Mainz.

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