Johannes Köck war ganz ehrlich: „Über drei Jahre hinweg, wird immer wieder gebaut werden vor Ihren Fenstern. Staub und Schmutz werden sich nicht vermeiden lassen.“ Klar, dass das niemand gern hört, und so ging es den Bediensteten der Mainzer Uni auch bei dieser Aussage. Aber die Bauarbeiten dienen einem guten Zweck: Bis Ende 2016 soll die Mainzelbahn fertig gebaut sein und in Betrieb gehen. Und Köck hatte am Montagabend die undankbare Aufgabe, die Planungen im Philosophicum zu präsentieren.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
Die Mainzelbahn kommt – Logo Stadtwerke

Die Mainzelbahn ist das derzeit ehrgeizigste Verkehrsprojekt der Mainzer Verkehrsbetriebe und der Stadtwerke, ein Projekt, wie es das lange in Mainz nicht gab. Eine neue Straßenbahnlinie, die baut man nicht jeden Tag – und vor allem nicht an einem Tag. Die Pläne dazu stammen aus dem Jahr 2010, damals beschloss auch der Mainzer Stadtrat nahezu einstimmig das Projekt. Im Mai war nun der lang erwartete Spatenstich, von kommender Woche an rollen die Bagger.

Baubeginn ist tatsächlich direkt neben der Uni: an der Kreuzung der Saarstraße mit der Koblenzer Straße. Und als erstes werden hier – Parkplätze entstehen. Die sind aber gar nicht für die Straßenbahnkunden, sondern für die Bediensteten der Universität, denn denen werden direkt im nächsten Schritt ihre Parkplätze hinter dem Philosophicum und der Universitätsbibliothek genommen. Auch das sorgte für Seufzen im Saal. Viel Schlimmer für die Bediensteten: die Baustelle wird genau unter ihrem Fenster stattfinden.

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Denn die neue Straßenbahntrasse, sie führt zwischen der Saarstraße und den Unigebäuden vorbei, also südlich der Saarstraße, wenn man auf eine Karte guckt. Schon seit Wochen gähnt dort eine von Büschen und Bäumen leere Trasse – genau da kommt die Straßenbahn hin.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
So verläuft die Strecke der Mainzelbahn – Grafik: Stadtwerke

9,2 Kilometer lang wird die neue Strecke werden, davon verlaufen 3,3 Kilometer in Rasengleisen – also mit Rasen begrünten Straßenbahngleise -, 4 Kilometer  auf Schottergleisen, 0,7 Kilometer auf fester Fahrbahn und 1,2 Kilometer in Kombispuren. Die beiden Letzteren werden etwa bei dem Aufstieg der Saarstraße zur Anwendung kommen: Die Mainzelbahn wird sich nämlich die heutige Busspur (stadteinwärts) samt angrenzender Büsche annektieren und so zweigleisig zur Uni hinauf führen, und dann mit der Busspur nach links zum Campus queren.

Ein Teil der Mainzelbahn wird dabei in eine der beiden Fahrspuren der Saarstraße eingebettet – die Spur wird also zur Kombispur für Bahn, Busse und andere Fahrzeuge. Bei der Präsentation am Montagabend sorgte das offenbar für Irritationen: „Das gibt eine Katastrophe, nur eine Spur in Richtung Stadt“, erregte sich eine Besucherin. Planer Köck sagte dazu nach der Veranstaltung zu Mainz&: „Beide Spuren auf der Saarstraße bleiben erhalten.“ Nur die Rampe hinauf zur Uni am Friedhof entlang werde neu gebaut, und deshalb für Monate gesperrt.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
Blick von der Saarstraße hinauf Richtung Univorplatz mit Mainzelbahn – Grafik: Stadtwerke

Unibesucher werden sich also in der nächsten Zeit auf einiges Ungemach einstellen müssen: Von Oktober 2014 bis Februar 2015 wird die Rampe von der Uni hinunter zur Stadt am Hauptfriedhof entlang neu gebaut, von März 2015 bis April 2015 die Rampe von der Saarstraße hinauf zum Univorplatz. Vor allem der Univorplatz wird künftig ein völlig anderes Gesicht bekommen: Hier kreuzen künftig Straßenbahn und Busse mit dem Autoverkehr, ein neues Entree zur Uni wird entstehen. Hoffentlich sieht der Eingang zur Uni dann nicht wie ein Busbahnhof aus…

Die Arbeiten, sagte Köck, begännen sozusagen von hinten nach vorne, also von der Koblenzer Straße Richtung Stadt. Und wenn sie vorne fertig sind, fangen sie hinten wieder an… salopp gesagt, wird das wirklich so sein. Und nicht wundern, wenn es auch bei dieser Baustelle heißt: Asphalt auf, Deckel zu, wieder auf – das habe schon seine Richtigkeit, sagte Köck, weil erst einmal Kabel verlegt werden müssten, damit die nicht später unter der Mainzelbahn liegen.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
Der neue Univorplatz mit Mainzelbahn – Grafik: Stadtwerke

Ob denn die Arbeiten nicht in die Semesterferien gelegt werden könnten, fragte ein Student, und erntete auf dem Podium nur Staunen. Die klare Antwort: Baupläne richten sich nicht nach Semestern, sorry Leute. Auch wenn der Wunsch ja echt verständlich ist 😉

Aber zurück zum Mammutprojekt Mainzelbahn: Künftig sollen 15 neue Haltestellen hinauf auf den Lerchenberg führen, es müssen drei Wendeschleifen, 4 Überführungsbauwerke und eine Eisenbahnüberführung gebaut werden, dazu 5 Gleichrichterunterwerke, was immer das ist.

Von der Stadt aus kommend wird die Mainzelbahn an der Uni entlang rollen, dann einen Schlenker über die Äcker hinter der FH entlang nehmen, und dann quer durch Bretzenheim rollen: Am Friedhof und dem Ostergraben entlang, die Marienborner Straße hoch – zum Real – und dann geradeaus nach Marienborn. Dort geht’s zum Bahnhof und dahinter die Felder hinauf zum ZDF. Endhaltestelle ist die Hindemithstraße auf dem Lerchenberg mitten im Ortskern. Die maximale Steigung wird mit 7,5 Prozent angegeben.

Und warum jetzt das alles? Gute Frage.

Die Stadtwerke verweisen auf die steigende Nutzung des Nahverkehrs, und in der Tat haben die Fahrgäste zwischen 2001 und 2012 um 17 Prozentpunkte zugenommen. 23,34 Prozent der Fahrgäste 2012 waren Studierende – Tendenz steigend. 1,1 Millionen zusätzliche Fahrgäste soll die neue Linie pro Jahr befördern. Das klinge viel, sagt Köck, sei aber angesichts von 51 Millionen Fahrgästen im Jahr 2013 eine überschaubare Menge – und eine realistische.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
Die Bauabschnitte für die Mainzelbahn entlang des Unicampus – Grafik: Stadtwerke

Im Gegenzug werden dann auch Buslinine wieder eingestellt – etwa die Linien 68, 69 und 9, sowie Teile der Linie 6. Diese Streichungen, beruhigte Köck auf Nachfrage von Mainz&, gelten aber natürlich nur für die Strecke von Lerchenberg bis zum Hauptbahnhof – danach fahren die Linien weiter ihren gewohnten Takt und auch hinüber nach Wiesbaden.

Die Stadtwerke denken jedenfalls, dass sie mit der Mainzelbahn punkten können: die Linie verbindet Wohngebiete mit Unicampus und Stadtinneres, das bringe meht Kunden für Gastronomie, Geschäfte und Kulturevents. Und wer an eine zuverlässige ÖPNV-Linie angebunden ist, der kann auch wieder die Miete erhöhen… Und in den vergangenen acht Jahren seie 150 Fahrer neu eingestellt worden, die neue Linie könne deshalb problemlos angepasst werden. Und Straßenbahnen hat Mainz ja sowieso schon, Werkstätten und Wartungsexperten sind also schon da.

Natürlich geht es auch ums Geld – und da versuchte Köck am Montagabend mit einem Gerücht aufzuräumen: „Nicht die Finanzierungsfrage war ausschlaggebend für den Bau auf dem Lerchenberg“, betonte er. Auch Mainz& hatte geschrieben, dass die Trasse hinauf auf den Berg nur deshalb zustande gekommen war, weil man bei längerer Trasse Bundesgelder beantragen kann. „Stimmt“, sagte Köck zugleich: Ab Baukosten von 50 Millionen Euro, greift der Bund unter die Arme – und zwar dem Land.

Drei Jahre Baustelle für die Mainzelbahn
Auch die Busse müssen Umwege für die Mainzelbahn machen – Grafik: Stadtwerke

Nun sind derzeit 84 Millionen Euro an Baukosten veranschlagt, davon kommen jetzt etwa 52 Millionen Euro vom Bund, und nur noch knapp 9 Millionen Euro vom Land. Der Eigenanteil für die Stadtwerke sei mit 30 Prozent, was rund 31 Millionen Euro ergebe, aber gleich geblieben. Also stimmte die alte Darstellung schon, nur waren ihre Nutznießer nicht die Stadtwerke… Im Dezember 2013 wurden die Baukosten bewilligt, und Köck ist fest davon überzeugt: „Der Nutzen wird am Ende die Kosten übersteigen.“

Dazu gelten Straßenbahnen als die umweltfreundlichste Variante des ÖPNV, weil sie auf einen Schlag mehr Fahrgäste transportieren können als Busse. Ob die Mainzelbahn aber auch bei Fußballspielen von Mainz 05 eingesetzt werden – das ist noch unklar. Denn wenn nach Ende des Spiels Tausende Fußballfans zurück in die Stadt wollten, könnten die statt zu den Bussen zur Straßenbahn pilgern, das aber könnte ein Verkehrschaos verursachen. „Man wird es ausprobieren“, lautet deshalb hier die Devise.

Doch ein Gerücht ist wirklich ins Reich der Phantasie verwiesen: es gibt eine Haltestelle „Stadion“. Allerdings liegt die an der Kreuzung Saarstraße / Koblenzer Straße, und damit ziemlich weit weg vom Stadion. Näher dran geht’s zwei Stationen weiter: an der „Fachhochschule.“

Info& auf Mainz&: Detaillierte Informationen zur Mainzelbahn findet Ihr unter www.mvg-mainzelbahn.de. Hier soll auch in den kommenden Tagen die vollständige Präsentation von der Veranstaltung an der Uni eingestellt werden. Informationen für Jedermann gibt es auch telefonisch über 06131 – 12-7777. Für Anlieger gibt’s eine eigene Hotline, die Nummer bitte bei den Stadtwerken erfragen.

 

1 KOMMENTAR

  1. Drei Jahre Schlafstörungen, mit zunehmender Tendenz, Erschöpfung durch Lärm, Staub, nicht Lüften können des Büros, drei Jahre zunehmende Gereiztheit, wen interessiert das eigentlich? Diese Gesundheitsschäden kann niemand wieder gut machen.

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