Mobilität ist das Megathema unserer Zeit, gerade erst forderten 25.000 Demonstranten vor der Internationalen Automesse IAA die Verkehrswende – da lud am Montagabend Oberbürgermeister und SPD-Kandidat Michael Ebling zur Diskussionsrunde in Sachen Mobilität. Und der amtierende Oberbürgermeister, der am 27. Oktober wiedergewählt werden will, breitete eine kleine Vision des Verkehrs der Zukunft aus: In zehn Jahren werde in der Mainzer Innenstadt kein Verbrennungsmotor mehr fahren, dafür aber die Citybahn über die Theodor-Heuss-Brücke, in zehn Jahren werde es ein 365-Euro-Ticket im Rhein-Main-Gebiet geben – und eine elektrisch betriebene Fähre über den Rhein.

Ebling: Kein Verbrennungsmotor in der Innenstadt mehr in zehn Jahren - OB zur Zukunft der Mobilität in Mainz
Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) beim Forum Mobilität. am Montagabend im Café 7Grad. – Foto: gik

Der Oberbürgermeister-Wahlkampf steckt mitten in der heißen Phase, in sechs Wochen wählt Mainz sein Stadtoberhaupt. Besonders diese Wochen vor den Herbstferien nutzen derzeit die meisten Kandidaten, um auf diversen Veranstaltungen ihre Inhalte unters Wahlvolk zu bringen (mehr dazu hier bei Mainz&). Am Montag setzte Ebling das Thema Mobilität, und hatte sich dafür Unterstützung vom Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) geholt. Mende sprach sich klar für die Citybahn zwischen Mainz und Wiesbaden aus und betonte, er wolle eine Bürgerbefragung dazu durchführen – wenn möglich im zweiten Quartal 2020.

„Ich möchte, dass die Bürger das entscheiden“, sagte Mende. Die Bahn habe in Wiesbaden so tief gespaltene Lager ausgelöst, nur mit einem Bürgerentscheid „kann man wieder einen Konsens herstellen“, sagte er. „Ich glaube, man kann eine Mehrheit dafür bekommen, und ich werde dafür werben, dass wir eine Mehrheit bekommen“, unterstrich Mende: „Ich bin überzeugt, wenn wir die eine Bahn haben, wird der Wunsch nach diesem modernen und attraktiven Verkehrsmittel auch in anderen Stadtteilen wachsen.“

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Auch Ebling sprach sich klar für die Citybahn aus, Details wie Zuglängen oder Streckenführung kamen aber an dem Abend nicht zur Sprache. „In zehn Jahren fährt kein Verbrennungsmotor mehr in der Mainzer Innenstadt“, prophezeite Ebling zudem. Verbotsschilder wolle er dafür aber nicht gleich aufstellen, schränkte der OB ein, schließlich gehe es auch darum, „das Umland mitzunehmen“ sowie die Geschäftsleute in Mainz nicht zu schädigen. Die Innenstadt werde aber „deutlich Auto ärmer, weil wir das so lenken“, bei den Autos alternative Antriebe dominieren.

Ebling: Kein Verbrennungsmotor in der Innenstadt mehr in zehn Jahren - OB zur Zukunft der Mobilität in Mainz
Rollt über die Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden in zehn Jahren die Citybahn? Wenn es nach OB Ebling geht, ja. – Foto: gik

Stattdessen werde der öffentliche Nahverkehr im ganzen Rhein-Main-Gebiet ein 365-Euro-Ticket bekommen. „Ich will das“, betonte Ebling, „wir müssen an der Preisschraube nach unten drehen.“ Alleine werde die Stadt das allerdings nicht stemmen können, sagte er weiter, dazu brauche man Finanzhilfe von Bund und Land. Derzeit höre zudem „der ÖPNV an der Stadtgrenze auf, da muss im Umland etwas passieren“, forderte Ebling.

Die Kleinteiligkeit der Verkehrsverbünde werde sich in Zukunft so nicht mehr halten lassen, sagte er auf die Frage einer Besucherin hin. „Warum reden wir nicht über einen Mobilitätspunkt in Ebersheim, wo die Leute vom Individualverkehr in den ÖPNV umsteigen“, sagte Ebling. Und in zehn Jahren „haben wir hoffentlich ein stabiles und sicheres Fahrradnetz, auch vom Umland in die Innenstadt“, fügte er hinzu.

In Sachen Fluglärm sagte Ebling, hier gelte es „weiter Druck zu machen, und das ist das, was wir tun.“ Die hessische Landesregierung sei „eingeknickt“ beim Bau des Terminals 3, nachdem sie vor der Wahl versprochen hatte, genau das nicht zu bauen – die Spitze richtetet sich gegen den hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Dass man gezielt Billigflieger an den Flughafen lockt, das ist Absurdistan hoch drei“, schimpfte Ebling, es brauche im Flugverkehr eine deutliche Wende: „Warum wird Kerosin mutwillig vergünstigt, warum stecken wir das nicht als Investitionen in die Deutsche Bahn, das würde uns allen helfen“, sagte er. Konkrete Aktionen im Kampf gegen den Fluglärm nannte Ebling indes nicht.

Ebling: Kein Verbrennungsmotor in der Innenstadt mehr in zehn Jahren - OB zur Zukunft der Mobilität in Mainz
Eine Brücke wie diese für Fahrradfahrer und Fußgänger über den Rhein schlug ein Architekt im Zuschauerraum vor – und hatte auch gleich ein Beispielfoto mitgebracht. – Foto: privat/gik

Die Zuschauer äußerten sich derweil vielfach skeptisch: Warum es denn kein Hessenticket auch auf dieser Rheinseite gebe, fragte eine Zuschauerin, ein Pendler monierte, egal was er nehme – ob Bahn oder Auto – „die Zufahrtswege nach Mainz sind immer blockiert.“ Zwischen Mainz und Wiesbaden fehlten Brücken, kritisierte ein Architekt, und forderte: „Wir brauchen viele, viele Brücken“, darunter könne doch auch eine eigene für Fahrräder und Fußgänger sein wie es sie etwa in Frankfurt gebe. „Eine leichte Tragseilbrücke würde nicht mehr als zehn Millionen Euro kosten“, rechnete der Architekt vor, „Kollegen in Bayern haben das realisiert.“

Eine Rheinbrücke sei „keine blöde Frage“ und durchaus „essentiell“, sagte Ebling, die müsse aber auch „Sinn machen“, deshalb prüfe man derzeit gemeinsam mit Wiesbaden, was für Varianten in Frage kämen – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. „Was Sie ordnungspolitisch machen können, um in den Städten weniger Verbrennungsmotoren haben, das können Sie morgen anfangen“, kritisierte unterdessen ein weiterer Zuschauer, „da müssen Sie nicht zehn Jahre warten.“

Viel Beifall bekam auch ein anderer Zuschauer für seine Wortmeldung: „Ich bin, was den Verkehr zwischen Mainz und Wiesbaden angeht, zutiefst deprimiert“, sagte ein Pendler, die Notwendigkeiten seien seit 20, 25 Jahren bekannt, getan habe sich aber fast nichts. „Herr Ebling, sie sind seit acht Jahren Amtsinhaber, Ihre Partei dominiert seit Jahrzehnten, Sie haben es überhaupt nicht auf die Reihe bekommen“, kritisierte der Mainzer: „Ich sehe keinerlei Ambitionen, keinerlei ambitioniertes Konzept, dass wir in die Richtung kommen.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Programm von SPD-Kandidat Ebling lest Ihr hier bei Mainz&, was die anderen Kandidaten so vorschlagen und wollen, findet Ihr alles hier in unserem großen Dossier „OB-Wahl Mainz 2019“. Am Mittwoch lädt zudem der unabhängige OB-Kandidat Nino Haase (CDU/ÖDP/FW) gemeinsam mit der CDU zu einem Termin um 19.30 Uhr zum Thema Mobilität im Kolpinghaus in der Mainzer Altstadt, der Schwerpunkt liegt auf neuen Mobilitätsformen. Die wichtigsten Termine zur OB-Wahl haben wir mal hier zusammengefasst, dort findet Ihr auch Links zu den Seiten aller Kandidaten.

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Warum nicht als Sofortmaßnahme eine ggf. gestufte City-Maut wie in London, Mailand, Oslo, Paris, Stockholm? Oder endlich mal Pendler-Parkplätze wie in Ulm? Vieles ist vertan. Ein Negativbeispiel ist die letzte Lerchenberger Freifläche, die jetzt hinter einer hohen Mauer zu astronomischen Preisen zubetoniert wird. Vor allem bedarf es zusätzlicher Rheinquerungen, vor allem die Reaktivierung der Hindenburgbrücke bei Bingen und eine Querung im Bereich Oppenheim, daneben noch Leichtbauwerke. Außer in Frankfurt kenne ich eine Leichtbrücke in Veitshöchheim bei Würzburg. Damit hat Würzburg vier Stadtbrücken, Autobahn nicht mitgezählt. Brücken für unterschiedliche Verkehrsträger würden als Leichtbauwerk mit Katzenbuckel in die Verlängerung der Kaiserstraße passen oder als vollwertige Brücke in Verlängerung des Kaiser-Karl-Rings. Aber da will man das keineswegs noble Hinterhofquartier am Zollhafen nicht belästigen und ersinnt lieber abstruse Ideen.

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