Das ECE-Einkaufszentrum auf der Ludwigsstraße schlummert ja selig vor sich hin, doch offenbar kommt jetzt Bewegung in die Sache: Nach Ostern sei ein Treffen zwischen Stadt Mainz und Investor ECE anberaumt, „um das weitere Vorgehen zu erörtern“, sagte Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) am Mittwoch im Stadtrat. Und auch von ECE selbst hieß es: Man müsse reden. Keine Frage, der Haussegen hängt schief, die schöne neue Einkaufswelt auf der LU ist gewaltig ins Rutschen gekommen.

ECE räumt ein: Können Grundstücke nicht kaufen - Krisengespräch nach Ostern
Die schöne neue Shoppingwelt von ECE für Mainz – Grafik: ECE

Die Bürgerinitiative Ludwigsstraße warnt ja bereits seit Monaten, das Projekt stehe vor dem Scheitern, ECE könne die notwendigen Grundstücke nicht erwerben. „Ich prophezeie, ECE bekommt das Grundstück der Deutschen Bank nicht, der Zug ist abgefahren, die Mall ist am Ende“, sagt BI-Sprecher Hartwig Daniels. Die Stadt müsse dringend aktiv werden und sich um das Gelände kümmern, fordert Daniels: „Die haben keinen Plan B“, der sei aber dringend vonnöten.

Nachtigahl: Bekommen Deutsche Bank-Gelände nicht

Das legt auch ein Interview des Südwestrundfunks mit ECE-Projektleiter Arne Nachtigahl nahe: Das Haus der Deutschen Bank an der Weißliliengasse werde derzeit vom Eigentümer in einem Portfolio mit 40 anderen Objekten angeboten, sagte Nachtigahl: „Zurzeit besteht die Option zum Einzelerwerb nicht.“ Das könne sich noch ändern, schiebt der ECE-Manager eilig hinterher, man sei da auch „im Kontakt.“

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Der Status Quo sei aber, dass man weder den sogenannten China-Pavillion noch das Deutsche Bank-Gebäude kaufen könne. „Es besteht auch das Risiko, dass wir das Grundstück am Ende nicht bekommen werden“, sagt Nachtigahl in dem Interview mit Blick auf das Deutsche Bank-Haus weiter. Auch dann wolle ECE aber „in Mainz etwas tun“ und investieren – in welcher Form, sagt der Manager nicht. Man stehe klar zum städtebaulichen Konzept und wolle darüber auch „in Kürze“ weitere Gespräche mit der Stadt führen.

Ebling: Können uns keinen Stillstand leisten

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Stillstand beim Karstadt-Areal, das ECE schon gehört – Foto: gik

Es könnten ungemütliche Gespräche werden, war doch dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) vor Kurzem öffentlichkeitswirksam in der Allgemeinen Zeitung der Kragen geplatzt. Trotz mehrfacher Gespräche sei „keine zielführende Strategie des Unternehmens“ hinsichtlich des Grundstückserwerbs zu erkennen, auch bei jüngsten Kontakten sei „wieder keinerlei Fortschritt erkennbar geworden“, kritisierte der OB und polterte: „Die Landeshauptstadt Mainz kann und will sich einen Stillstand an dieser zentralen Stelle der Innenstadt nicht leisten.“

Da reiben wir uns doch erstaunt die Augen, herrscht doch an dieser Stelle schon seit schlappen vier Jahren Stillstand. Und auf alle Anfragen – etwa der BI – bezüglich des Stands der Dinge hieß es bis zuletzt, man habe ein „gutes städtebauliches Konzept“, im Übrigen sei ECE der Investor, und der sei am Zuge.

Karstadt-Gebäude rückt plötzlich in den Fokus

Jetzt teilte der OB mit, er habe im März die ECE-Projektleitung angeschrieben und darin „die aktuell ungeklärte und unbefriedigenden Situation offen angesprochen.“ ECE müsse jetzt „den gordischen Knoten zerschlagen und sein wiederholtes Bekenntnis zum Standort Mainz“ realisieren – entweder mit der geplanten Mall oder wenigstens mit einer Aufwertung von Karstadt. Jeder Immobilienbesitzer trage auch eine Verantwortung für den Zustand seiner Gebäude, er gehe „davon aus, dass ECE in der Lage ist, dieser Verantwortung nachzukommen“, sagte der OB.

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Darstellung des geplanten ECE-Blogs durch die Bürgerinitative Ludwigsstraße

„Das ist ein neuer Ton“, sagt Daniels dazu, auf einmal würden „Ross und Reiter genannt“ – und Karstadt als wichtig bezeichnet. Die Karstadt-Fassade „schimmelt buchstäblich vor sich hin“, das Haus schreibe offenbar schwarze Zahlen gerade weil es nicht modernisiert worden sei. „Es geht jetzt es um Arbeitsplätze, da muss ein SPD-Parteivorsitzender in der Öffentlichkeit reagieren“, sagt Daniels süffisant.

BI: ECE lässt Stadt und OB vor die Wand laufen

„Die Stadt hat eins versäumt und versiebt: anstatt einen Zeitrahmen zu setzen, haben sie sich wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten“, sagt Daniels weiter. Die Stadt habe immer nur gewartet, dass ECE etwas tue, nach dem Motto: „Warten wir mal, da kommt schon was.“ Auch jetzt heiße es von der Stadt, man wolle „sofort“, es müsse „schnell“ gehen – doch ein von einem Zeitplan sei nach wie vor keine Rede. „Man muss da jetzt ein Zeitlimit setzen“, fordert Daniels.

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Die Ludwigsstraße mit dem Dom und dem Gebäude der Deutschen Bank vorne rechts – Foto: gik

ECE sei ohnehin im Begriff, sich von dem Konzept der großen Einkaufsmall zu verabschieden, glaubt die BI. In Frankfurt und im Koblenzer Mittelrheinforum gebe es die ersten Leerstände, „die Mieter klagen sich raus“, sagt Daniels. ECE zögere, sich noch ein neues Einkaufszentrum „ans Bein zu hängen.“ Das könne auch bedeuten, dass ECE einen neuen Käufer für Karstadt suche. „ECE führt die Stadt und den OB erbarmungslos vor und lässt den Stadtrat gegen die Wand laufen“, kritisiert Daniels.

Nachtigahl: können es nicht beschleunigen

Nachtigahl hingegen sagte dem SWR auf die Frage nach einer Karstadt-Sanierung: „Aus unserer Sicht spricht vieles eher für einen Neubau“, über Inhalte dazu wolle man dann auch mit der Stadtspitze reden. Und was die lange Zeit angehe, in der das Mainzer Projekt nun schon stockt, sagte Nachtigahl, man habe bei Grundstückssachen „immer lange Zeiträume, wir müssen da Geduld haben.“ Ob er denn verstehe, dass die Mainzer ungeduldig würden? „Verstehen kann ich’s“, sprach Nachtigahl, „ändern kann ich’s aber leider nicht.“ Das klingt für uns nicht nach einem baldigen Fortschritt..

Nachtigahl war bei dem Interview übrigens in Kaiserslautern, wo am Mittwoch die neue ECE Shopping-Mall „K in Lautern“ eingeweiht wurde, ein riesiger Konsum-Tempel mit rund 20.000 Quadratmetern. Bei der VIP-Party am Dienstagabend dabei: Andreas Behringer, SPD-Stadtrat aus der Mainzer Altstadt. Behringer wurde in die Versammlung der BI Ludwigsstraße am Dienstagabend live per Skype zugeschaltet, und zeigte mit einem kleinen Video eindrucksvoll die Dimensionen – und die Probleme.

ECE räumt ein: Können Grundstücke nicht kaufen - Krisengespräch nach Ostern
Die neue ECE-Shoppingmall in Kaiserslautern, das „K in Lautern“, das Mittwoch eingeweiht wurde – hier ein Foto aus dem Video des SWR dazu

ECE-Center Kaiserslautern überdimensioniert

Die Shoppingmall schottet sich nämlich nach außen total ab, die langgestreckte Fassade hat nach außen weder Schaufenster noch Schönes zu bieten, wie Behringer eindrucksvoll zeigte. Und der Mainzer SPD-Stadtrat hatte sich auch noch kompetente Gesprächspartner gesucht: Hanno Scherer, den Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Rheinland-Pfalz. Scherer ist ein wirklich alter Hase in dem Geschäft, umso beeindruckender, dass es den Einzelhandelsexperten sichtlich gruselte.

„Wenn ich die Dimensionen sehe, habe ich Zweifel, ob das auf Dauer ein Erfolg wird, ob die Kaufkraft in der Region ausreicht“, sagte Scherer. Sein Verband habe immer schon die Gefahr gesehen, dass sich das Center nicht in die Stadt integriere, diese „Bedenken sind heute größer geworden“, sagte er. Das Zentrum sei „überdimensioniert“, die Gefahr bestehe, dass Firmen aus der Fußgängerzone heraus und in das Zentrum wechselten.

BI fordert Neustart für Mainz

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Andreas Behringer interviewt Thomas Scherer vom Einzelhandelsverband in Kaiserslautern – Foto: gik

„Wir werden Leerstände in der Fußgängerzone im etablierten Bereich bekommen“, sagte Scherer: „Es wird spannend sein zu sehen, ob wir die wieder füllen können.“ Spannend finden wir da irgendwie den falschen Begriff… 😉 Und wir finden, das Experiment muss nun wirklich nicht in Mainz wiederholt werden. Im Juli, August werde sein Verband mal eine erste Bilanz ziehen, kündigte Scherer an: „Wir waren für die Ansiedlung, aber nicht in dieser Größenordnung.“

„Ich würde mir sehr wünschen, dass aus dem Stadtrat heraus eine Initiative ergriffen wird, den Stadtratsbeschluss von 2013 zu annulieren und etwas Neues zu beginnen“, betont sagt BI-Sprecher Daniels. Die Stadt müsse das Karstadt-Haus zurückkaufen und eine neue Entwicklung initiieren, daran werde man gerne mitgestalten. „Eine Entwicklung könnte die stadtnahe MAG machen“, sagt Daniels,  „man muss es nur wollen…“ Wir bleiben da mal dran 😉

Info& auf Mainz&: Wir schulden ein dickes Dankeschön der tollen SWR-Kollegin Rabea Amri, die uns die Tondatei mit dem Original-Interview mit Arne Nachtigahl völlig selbstverständlich überlassen hat – tausend Dank! Das komplette SWR-Video zur Eröffnung von „K in Lautern“ findet Ihr hier. Unser zweiter Dank gilt Andreas Behringer, der in höchst professioneller Manier das Interview mit Hanno Scherer und Sohn Thomas Scherer in Kaiserslautern führte. Mehr zur These der BI, „ECE Packt’s nicht“ lest Ihr in diesem Mainz&-Artikel. Mehr zu den ECE-Plänen für Mainz findet Ihr hier, die Gegenmeinung der BI gibt es hier nachzulesen.

3 KOMMENTARE

  1. Der Artikel ist sehr informativ. Diese objektive Berichterstattung würde ich mir auch in der AZ wünschen. Wenn man den Konsumtempel K in Lautern sieht, wird deutlich, wie sehr ein solcher Riesenbau ein Stadtzentrum dominiert und entstellt. Das bleibt hoffentlich Mainz erspart. Nicht Kaiserslautern macht Mainz was vor, wie die AZ titelt, sondern wir Mainzer lassen uns nichts vormachen und kämpfen, wenn nötig, weiter gegen eine Shopping-Mall im Zentrum unserer schönen Stadt.

  2. Es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass sich ECE aus einem Mainzer Projekt klammheimlich wieder herausschleicht.
    Das ganze Prozedere wirkt doch für ein solches Unternehmen alles sehr unprofessionell, dass man mit Grundstücken und Gebäuden plant, die man noch nicht besitzt und deren Besitzer sich nicht so einfach über den Mall-Tisch ziehen lassen wollen. Das geht in Mainz nicht! Wir brauchen eine Aufwertung der Innenstadt und keinen Tempel der nach außen hin dicht ist, wie schade für Kaiserslautern, das ist kein Gewinn für die Stadt.

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