Der Kahlschlag in der Lesselallee auf der Maaraue bei Mainz-Kostheim sorgte am Dienstag für entsetzte Reaktionen. Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) nannte das Vorgehen der Stadt Wiesbaden „eine riesengroße Schweinerei“ und verlangte umgehende Aufklärung über die Absperrung der Maaraue für Stadtverordnete und Pressevertreter. Anwohner sprachen von einem „Kettensägen-Massaker“.

Mainz& dokumentiert hier die verschiedenen Reaktionen und hat aus gegebenem Anlass eine Bitte: Liebe Kollegen, Ihr könnt die Aussagen hier gerne zitieren – aber dann seid bitte so fair und schreibt Mainz& dazu.

Kahlschlag Lesselallee vom Eingang aus gesehen - Foto: gik
Es war einmal eine Allee … – Foto: gik

Rößner sagte in einer Mitteilung, ihre Befürchtungen vom Montag – die auf Mainz& Dienstagmorgen erschien – seien heute „bittere Realität geworden.“ Das Verhalten der Stadt „ist schlicht ignorant und eine riesen Schweinerei“, kritisierte sie. Auch sei unklar, ob die notwendigen Artenschutzprüfungen durchgeführt worden seien. „Die Stadt Wiesbaden muss jetzt mit einer Klagewelle rechnen“, prophezeite Rößner.

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Losem: furchtbar enttäuscht von SPD und dem OB – und von Hinz

Walter Losem von der Kostheimer SPD sagte, „ich bin furchtbar enttäuscht von der Wiesbadener SPD, und ich bin furchtbar enttäuscht vom Oberbürgermeister“ Sven Gerich (SPD). „Ein solches Polizeiaufgebot, um eine solche Aktion zu schützen, das schließt sich mit Bürgernähe aus“, sagte er, und übte auch Kritik an der grünen Umweltministerin Priska Hinz: „Und die grüne Umweltministerin stellt der CDU auch noch einen Freibrief aus.“

7-Jährige Isabel: „Das ist echt blöd!“

„Ich bin total schockiert“, sagte Anwohnerin Corinna Bewersdorf. Seit 6.00 Uhr früh höre sie die Motorsägen und das „Kettensägen-Massaker“ von der Allee. „Mir geht das total an die Nieren“, sagte sie Mainz&: „100 Jahre alte Bäume in einem Tag niederzulegen, das kann einfach nicht sein.“ Auch die 7 Jahre alte Isabel mochte gar nicht hinsehen. „Die ganzen Bäume, und die ganzen Tiere“, sagte die Erstklässlerin fassungslos: „Das ist echt blöd!“

„Bloß nicht die Flatterulme“

Kran rollt rückwärts in Lesselallee - Foto: gik
Kran rollt rückwärts in die Lesselallee – Foto: gik

„Das ist ein Handeln mit dem Kopf durch die Wand“, sagte die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Wiesbaden, Heidrun Orth-Krollmann Mainz&. Mit dem Argument, dass die Bäume „krank“ seien, könne man „die Hälfte aller Bäume in Deutschland fällen.“ Was immer nun geschehe, „auf jeden Fall sollte die Stadt nicht Flatterulmen pflanzen“, sagte sie – die bräuchten zwar länger, doch dann fielen auch die Flatterulmen der Ulmenkrankheit zum Opfer, sagte die Biologin.

Maritzen: „Tabula Rasa hat nichts mit Demokratie zu tun“

Der Vorsitzende des Umweltausschusses der Stadt Wiesbaden, Ronny Maritzen (Grüne), fragte rhetorisch „ob so eine Unerbittlichkeit, in einem laufenden Verfahren Tabula Rasa zu machen, noch etwas mit Demokratie zu tun“ habe. „Mein Verständnis von Demokratie ist das nicht, für mich ist das eine neue Realität“, betonte Maritzen gegenüber Mainz&: „Der brutalstmögliche Ordnungsdezernent hat zugeschlagen.“ Als „brutalsmöglicher Aufklärer“, hatte sich einst der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in der Schwarzgeld-Affäre seiner Partei bezeichnet.

Und ein Anwohner sagte dazu: „Wer so mit der Wahrheit umgeht, macht das auch in anderen Bereichen.“

Omnibus: „Angriff auf die Demokratie“

Die Initiative „Omnibus für Direkte Demokratie“ sprach von einer „rücksichtslosen Fällung“ und einem „Angriff auf die Demokratie“. Solche Projekte sorgten dafür, dass sich die Menschen von der Parteiendemokratie „abwenden, wütend sind und frustriert.“ Die Initiative in Kostheim habe „alles richtig gemacht und der Politik und Verwaltung bewiesen, was wirkliche Bürgerbeteiligung ist.“ Am 29.10. habe sie ein Bürgerbegehren gestartet und innerhalb von acht Wochen die erforderlichen Unterschriften vorlegen wollen.“
„Die heutige Fällung zeigt das völlige Desinteresse von CDU und SPD an einer wirklichen Bürgerbeteiligung und demokratischen Kultur“, kritisieren die Omnibussler weiter, und verwiesen erneut auf öffentliche Versprechen von Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). „Das Wahlversprechen des jetzigen SPD Oberbürgermeisters Sven Gerich für mehr Bürgerbeteiligung ist durch das heutige Vorgehen ad absurdum geführt“, hieß es weiter.Info& auf Mainz&: Trotz des Kahlschlags an der Lesselallee kommt der Omnibus für Direkte Demokratie am Mittwoch, den 7.11.2014, wie geplant nach Kostheim. Ab 10.00 Uhr steht der Bus dort, wo die Lesselallee einmal war. Am Abend findet ab 19.00 Uhr im Bürgerhaus Kostheim eine Podiumsdiskussion mit den Omnibus-Vertretern zum Thema Bürgerbeteiligung statt.

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