Die eiskalte Nacht ließ die Winzer jubeln: Schon am 30. November wurde in Rheinhessen und im Rheingau der erste Eiswein gelesen. Minus sieben Grad muss es mindestens haben, damit die Trauben tiefgefroren bis auf die Kelter kommen. In der Nacht zum Mittwoch war es so weit: Minus neun Grad maß etwa Winzer Reiner Flick in Hochheim im Rheingau – perfektes Wetter für die Eisweinlese. Aber auch in Rheinhessen und an der Nahe brachten Winzer die wertvolle Fracht in ihre Keller. Wegen des Klimawandels wird Eiswein immer seltener, die letzte größere Eisweinlese gab es 2012.

Eiskalte Nacht beschert den Winzern frühe Eisweinlese - 150 Grad Oechsle beim Weingut Flick in Hochheim
Winzerin bei Eisweinlese – Foto: DWI

Eiswein ist eine edelsüße Weinspezialität, die Weine sind oft intensiv goldgelb und manchmal sogar ein bisschen dickflüssig. Der Grund: Beim Eiswein werden die Trauben in tiefgefrorenem Zustand geerntet und auch verarbeitet. Mindestens minus sieben Grad müssen herrschen, damit die gesetzlichen Vorschriften erfüllt sind. „Wichtig ist, dass die Trauben gefroren auf die Kelter kommen und auch auf dem Transport nicht auftauen“, erklärt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI).

Weil das Wasser in der Beere gefroren bleibe, gebe es einen hochkonzentrierten Most und damit auch hoch konzentrierte Frucht. „Das macht die besondere Aromatik des Eisweins aus“, erklärt Büscher. Eisweine werden aus vorwiegend spät reifen Rebsorten gemacht, Riesling ist sehr beliebt, es gibt aber auch Silvaner, Weißburgunder und sogar Eisweine aus Merlot, Spätburgunder, Cabernet Sauvignon. Im  Aroma spielen oft Flieder, Rosa und Pfirsich mit. Durch moderne Rebsorten und Ausbaumethoden sind heutige Eisweine aber nicht mehr klebrig-süß, sondern haben „gleichzeitig eine erfrischende Säure“, erklärt Büscher: „Als Aperitif oder zu Desserts, da sind Eisweine großartig.“

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Minus neun Grad waren es am frühen Mittwochmorgen in Hochheim in der Lage Mönchsgewann. „Wir waren ganz überrascht, damit hatten wir nicht wirklich gerechnet“, berichtet Reiner Flick vom Weingut Joachim Flick Mainz&: „Wir haben dann schnell Leute zusammengetrommelt und losgelegt, bis neun Uhr morgens war der Eiswein gelesen.“ 250 Liter Riesling aus dem Mönchsgewann kamen am Ende zusammen, 150 Grad Oechsle maß der Most.

Eiskalte Nacht beschert den Winzern frühe Eisweinlese - 150 Grad Oechsle beim Weingut Flick in Hochheim
Tiefgefrorene Eisweintrauben – Foto: DWI

Es ist eine ungewöhnlich frühe Eisweinlese in diesem Jahr: Bereits am 21. November gab es den ersten Eiswein in Saale-Unstrut, in der Nacht zum Mittwoch reichte es dann in vielen Regionen. In Franken wurde bei minus 9,2 Grad Silvaner-Eiswein geerntet, an der Nahe, in der Pfalz und vor allem an der Mosel brachten Winzer die Weinspezialität sicher in ihre Keller. Gerade an der Saar waren darunter große Namen wie Dr. Loosen und Egon Müller, auch das Weingut Loewen in Leiden war dabei.

In Rheinhessen wissen wir vom Weingut Georg Albrecht Schneider in Nierstein und vom Weingut Dr. Hinkel in Framersheim. Doch nicht überall war es offenbar kalt genug: Im Rheingau wurde im berühmten Steinberg von Kloster Eberbach ein Riesling-Eiswein mit 138 Grad eingebracht. Doch auf Schloss Vollrads erreichten die Temperaturen keine minus sieben Grad, dort hoffen sie nun auf weitere frostige Nächte. Wer schon lesen konnte, freute sich: „Der Jahrgang 2016 bietet beste Voraussetzungen für Eiswein, weil die Trauben sehr gesund sind“, berichtet Büscher.

Doch eine Eisweinlese hinzubekommen wird in Zeiten des Klimawandels immer schwieriger. In den USA und Kanada werden deshalb durchaus auch mal Trauben im Kühlhaus gefroren, in Deutschland ist das nicht erlaubt. Beim Weingut Flick war es gar der erste Eiswein seit 2012, seither war es einfach nicht mehr rechtzeitig kalt genug geworden. Viele Winzer riskierten es deshalb gar nicht mehr, noch Trauben für den Eiswein hängen zu lassen.

„Es wird schwieriger“, sagt auch Flick, der Eiswein werde dadurch rarer, der Eiswein so „zu einer echten Besonderheit.“ Und so hat die Spezialität denn auch ihren Preis: Beim Weingut Flick kommt der Eiswein zum 1. Mai in den Handel und kostet dann 45,- Euro pro Flasche. Rheinhessische Eisweine sind aber durchaus auch schon für 25,- Euro zu haben – einfach mal fragen. Die Eisweine aus dem Supermarkt könnt Ihr hingegen vergessen: Das, was da in der Flasche ist, ist meist von dem echten Aroma-Explosions-Erlebnis weit entfernt.

Eiswein unterliegt übrigens in Rheinland-Pfaltz strengen Qualitätskontrollen. Seit Winzer vor einigen Jahren in größerem Stil versuchten, nicht durchgefrorene Trauben als Eiswein zu verkaufen, müssen hier Flächen und Eisweinproduktion gemeldet werden. In diesem Jahr gab es dabei einen neuen Rekord: Mehr als 160 Hektar Trauben wurden gemeldet, rund 200 Betriebe hoffen auf Eisweine. Wie es aussieht, haben sie sich den richtigen Winter ausgesucht.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Eiswein findet Ihr hier beim DWI.

 

 

 

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