In die festgefahrene Sache um den Mainzer Weihnachtsmarkt kommt Bewegung: Am Freitag will Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FD) mit den abgelehnten Bewerbern reden, das erfuhr Mainz& am Donnerstagabend. „Ich habe das Gefühl, es tut sich was“, sagt Margit Sottile-Barth: „Es ist wirklich ein Entgegenkommen da.“ Im Rathaus habe man offenbar gemerkt, dass das neue Punktesystem „doch nicht das non-plus-ultra war“, nun sei man bemüht, den alteingesessenen Standbetreibern „die Hand zu reichen“.

Es tut sich was am Weihnachtsmarkt: Gespräche am Freitag
Blick in die Christbaumkugel: Wie geht der Ärger um den Weihnachtsmarkt aus? – Foto: gik

Der Ärger um den Weihnachtsmarkt tobt seit Anfang Juni, da verschickte die Stadt die Zusagen für den Mainzer Weihnachtsmarkt – und die Ablehnungen. Die Stadt hatte nämlich ein neues Punktesystem eingeführt, mit dessen Hilfe der Weihnachtsmarkt modernisiert werden soll. Mainz& fand diese Absicht in jedem Fall mal gut 😉

Nicht gut verlief allerdings der Vorgang der Neuvergabe: Rund ein Drittel der alteingesessenen Beschicker wurde abgelehnt, für Empörung sorgte, dass darunter auch zahlreiche Schausteller sind, die seit 40 Jahren den Markt beschicken und ihn mit großem Einsatz seit Jahren gestalten. Stattdessen sei ein Stand mit heißen Cocktails zugelassen worden, auch die Geschichte eines Piercing-Studios aus dem Norden hält sich hartnäckig.

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Aus Protest gründete sich eine Facebook-Gruppe mit rund 3.000 Mitgliedern, am Johannisfest sammelten die Schausteller etwa 2.000 Unterschriften für den Verbleib auf dem Weihnachtsmarkt.

Zu den abgelehnten Alteingesessen gehört auch Margit Sottile-Barth, deren Familie das Kinderkarussell und der große Glühweinstand vor den Markthäusern gehört. Die Jury habe sie „ganz korrekt geprüft“, sagt Sottile-Barth, und doch bekam sie in einzelnen Bereichen zu wenige oder keine Punkte. Das Kinderkarussell sei zu modern und nicht nostalgisch genug, hieß es, diesen Punkt verstehe sie ja noch.

Es tut sich was am Weihnachtsmarkt: Gespräche am Freitag
Flyer Meenzer für Meenzer Schausteller – Foto: gik

Aber dass ihr vorgehalten werde, dass es am Karussell keine Preistafel mit Blindenschrift und keine Rollstuhl gerechte Rampe gebe, das findet sie doch seltsam: Ein Blinder komme doch gar nicht bis zum Häuschen hoch, dem gehe sowieso jemand entgegen, und für eine Rollstuhlrampe gebe es gar nicht genug Platz, wundert sie sich.

Überhaupt, der Umgang mit Behinderten: „Ich hab‘ da beim Glühweinstand nichts reingeschrieben“, sagt Sottile-Barth: „Wie soll ich den denn behindertengerechter machen?“ Wenn ein Behinderter komme, „dann gehen wir raus und fragen, wie wir ihm helfen können“, erzählt Sottile-Barth: „Wir tragen den Glühwein dann raus, gerne auch zwei Mal mit nur halbvollen Bechern, damit die das trinken können.“ Das aber „kann ich doch nicht reinschreiben“, sagt Sottile-Barth: „Das ist doch selbstverständlich!“

Mainz& beschleicht da langsam das Gefühl, dass da einiges kommunikativ schief gelaufen ist: Kriterien wie „Behindertengerecht“, „Regional“ oder Fair Trade wurden offenbar falsch oder gar nicht verstanden. Während solche Kategorien für Mitarbeiter der Stadtverwaltung heute selbstverständlich sind, wissen doch viele Menschen nicht wirklich damit etwas anzufangen – so kann der eine gut gemeint fragen, der andere liegt aber mit seiner Antwort aus reinem Unverständnis daneben.

Es tut sich was am Weihnachtsmarkt: Gespräche am Freitag
Protest mit Tannenbaum auf der Johannisnacht – Foto: gik

Ähnlich bei der Kategorie Fair-Trade: „Mein Glühwein ist ein deutsches Produkt, was soll ich denn da Fairtrade machen?“, sagt Sottile-Barth. Der Glühwein werde seit Jahren aus der Region bezogen, und schließlich gebe es in deutschen Weinbergen doch keine Kinderarbeit… Okay, wir fügen  noch hinzu: In manchen Fällen hat vielleicht auch der Amtsschimmel kräftig gewiehert 😉

Tatsache ist: die Stadt sucht offenbar händeringend nach Möglichkeiten, die peinliche Posse aus der Welt zu schaffen. „Man merkt, die wollen uns im Rathaus die Hand reichen“, sagt Sottile-Barth.Mit großer Spannung wird deshalb das morgigen Gespräch mit Sitte erwartet. Die Hoffnungen der Schausteller ruhen auf einer Erweiterung des Marktes, denn die vergebenen Zusagen dürften wohl kaum zurückgezogen werden dürfen.

„Der Weihnachtsmarkt ist so beliebt, dass die Gänge inzwischen so verdichtet sind, dass man kaum noch durchkommt“, sagt Sottile-Barth – es seien ja auch immer mehr Stände zugelassen worden. „Die Ecke mit den Toiletten vor dem Gutenbergmuseum, das wäre ein Sahnestück“, schlägt sie als geeignete Erweiterung vor. Die Toiletten könnte man ja wie beim Johannisfest auch in eine andere Seitengasse stellen.

Info& auf Mainz&: Mainz& hat über den Ärger um den Weihnachtsmarkt bereits ausführlich berichtet, den ersten Bericht findet Ihr hier, den jüngsten hier.

 

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