Das Fernbus-Geschäft boomt und hat ja längst auch Mainz erreicht. Zwei Linien fahren unsere Stadt derzeit an: Das Berliner Unternehmen MeinFernbus.de und die Münchner Konkurrenz Flixbus. Bei beiden Unternehmen ist man mit dem Zuspruch in Mainz sehr zufrieden, kein Wunder bei rund 40.000 Studenten in Mainz… Wenn da nur nicht die Haltestelle wäre… Der Haltepunkt am Kaiser-Wilhelm-Ring ist alles andere als einladend. Deshalb will sich nun die Mainzer SPD für eine Verlegung stark machen.

Die Mainzer haben die Fernbus-Haltestelle nämlich in die Straßenkuhle auf Höhe der Unterführung zur Mombacher Straße verbannt. Das ist nun wirklich nicht der schönste Platz in Mainz, was aber viel schwerer wiegt: Es gibt dort überhaupt keine Infrastruktur. „Die Fahrgäste können nicht sitzen, es ist nicht überdacht, und es ist nicht so ganz nah am Bahnhof“, sagte ein Sprecher von Fernbus.de auf Anfrage von Mainz&.

Fernbus-Betreiber klagen über Haltestelle in Mainz
So sehen die Busflitzer von Flixbus aus – Foto: Flixbus

Tatsächlich gibt es an der derzeitigen Haltestelle – nix. Keine Toilette, keinen Unterstand, keine Sitzplätze. Und wer noch schnell etwas zu Trinken einkaufen will, läuft Gefahr, derweil den Bus zu verpassen, denn die Laufstrecke zum Bahnhof zieht sich. „Die Anbindung an den Bahnhof ist super, aber es sollte einen Unterstand geben für schlechtes Wetter“, sagt auch Bettina Engert, Sprecherin von Flixbus, und fügt hinzu: „Wir würden uns einen Platz wünschen, wo es für unsere Fahrgäste sicher ist.“

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Die Münchner starteten erst am 13. Februar 2013 mit ihrem Angebot, trotzdem bietet Flixbus inzwischen rund 40 Linien mit 1.000 Direktverbindungen pro Tag. „Mainz läuft sehr, sehr gut“, sagt Engert, vor allem Freitags und Sonntags sind die Busse meist komplett ausgebucht. Anfang des Jahres steuerte Flixbus von Mainz aus noch elf Ziele im Bundesgebiet an, inzwischen sind es schon 15. Besonders begehrt: Berlin und München, was bei den Preise auch nicht verwundert: die ersten zehn Plätze nach Berlin sind für 21 Euro zu haben, der Preis steigert sich dann bis hin zu 59 Euro.

Fernbus-Betreiber klagen über Haltestelle in Mainz
Fernbus am Mainzer Bahhnhof – So wünschen sich das die Unternehmen – Foto: MeinFernbus.de

„Wir sind bis zu 70 Prozent günstiger als die Bahn“, heißt es auch bei MeinFernbus.de in Berlin. Auch hier gilt: Je früher man bucht, umso günstiger wird es. Die meisten Kunden buchen Online, und können dort auch gleich die Fahrkarte als pdf-File runterladen und im Bus vorzeigen. Wer keinen Internet-Zugang hat oder schnell bar zahlen möchte, hat aber auch die Möglichkeit, in einem Mainzer Reisebüro ein Ticket zu erwerben. „Man kann auch beim Busfahrer bezahlen“, heißt es von beiden Unternehmen. Das aber böte die Gefahr, dass der Bus dann schon ausgebucht ist, zudem sind die Tickets beim Fahrer etwas teurer.

Eigentlich komisch, dass nur zwei Fernbus-Unternehmen bisher Mainz ansteuern, gibt es doch inzwischen sieben größere Fernbus-Unternehmen in Deutschland – von der Deutschen Bahn selbst bis hin zu dem erst im November gestarteten ADAC-Postbus. Branchenprimus ist MeinFernbus.de, das Berliner Unternehmen hat einen Marktanteil von 40 Prozent und bedient mit 151 knallgrünen Bussen bereits 40 Linien mit 135 Haltestellen in 126 Städten. Mainz wird von MeinFernbus.de seit Juli 2013 angefahren und inzwischen mit drei Linien regelmäßig bedient. „Unser Ziel ist deutschlandweit ein flächendeckendes Netz“, heißt es aus Berlin, Mainz werde „sicher noch stärker in das Netz eingebunden.“

Für das steigende Angebot ist Flixbus der Mainzer Haltepunkt längst zu eng geworden: Übersichtlich, günstig, mit Haltebuchten, lautet hier die Wunschliste. Das könnte nun Wirklichkeit werden: Kommenden Dienstag soll im Verkehrsausschuss der Stadt Mainz über eine Verlegung der Haltestelle diskutiert werden.  „Wir fordern, dass die Stadt Mainz nicht nur auf diesen Deutschland weiten Trend reagiert, sondern ihn auch aktiv mitgestaltet“, sagt Martin Kinzelbach, Verkehrsexperte der SPD im Stadtrat. Zu einem attraktiven Fernbusverkehr gehöre nämlich auch „eine ansprechende Wartesituation“, die sei aber „momentan nicht gegeben“.

Im Gespräch: Verlagerung in die Bonifaziusstraße

Im Gespräch ist deshalb derzeit, die Fernbusse an die Haltebuchten in der Bonifaziusstraße zu verlegen. Das hätte gleich mehrere Vorteile: Der Bahnof ist deutlich näher, es gibt eine öffentliche Toilette an dieser Stelle – und die Buchten sind direkt neben dem REWE-Supermarkt und nah am ALDI. Allerdings sieht die Vorlage der Stadtverwaltung bislang offenbar nur vor, „weitergehende planerische Überlegungen einzuleiten“, sollte sich der neue Standort als geeignet erweisen. Überlegt werden soll dann wohl, wie man „das Umfeld des neuen Haltestellenstandorts funktional und gestalterisch weiter aufwerten“ kann.

Mainz& findet: da gibt es nicht viel mehr zu Überlegen. Fernbus-Reisen boomt, und es wäre klug, für diesen Geschäftszweig eine positive Umgebung zu schaffen. Die Stadt plant nämlich laut SPD, auch die internationalen Buslinien an dieselbe Haltestelle zu verlegen. „Etwas unglücklich“ findet das SPD-Mann Kinzelbach – damit werde die Situation am Hauptbahnhof noch unübersichtlicher. Tatsächlich ist in der Bonifaziusstraße zwar Platz – aber so viel Platz dann nun auch wieder nicht.

Es dürfte also spannend werden, in welche Richtung die Debatte sich kommende Woche bewegt. Mainz& hält Euch natürlich auf dem Laufenden 😉

Infos& auf Mainz&: Infos über die beiden Fernbuslinien, Preise, Fahrpläne und Ticketkauf findet Ihr unter www.meinfernbus.de und www.flixbus.de

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