Er ist das Flaggschiff der Mainzer Fastnacht, der Organisator der Mainzer Straßenfastnacht, doch das Flaggschiff schwankt: der Mainzer Carnevals-Verein (MCV) befindet sich in erheblichen Finanzturbulenzen: Am Montag musste MCV-Präsident Reinhard Urban ein dickes Minus in den Bilanzen verkünden – und das gleich für die vergangenen drei Jahre. Im Sommer drohte gar zeitweilig die Zahlungsunfähigkeit. „Die Liquidität war ein Problem“, sagte Urban gegenüber Mainz& – er habe dem Verein aus seiner privaten Schatulle Geld leihen müssen. Von chaotischer Buchführung und einem fehlenden Überblick über Finanzströme ist die Rede, der Vorstand prüft derzeit gar Regressforderungen gegen den früheren Vorstand. Doch Urban beruhigt: Der MCV sei auf einem guten Konsolidierungsweg, der Rosenmontagszug und die Straßenfastnacht gesichert.

Flaggschiff der Mainzer Fastnacht in Finanzturbulenzen - MCV drei Jahre mit klarem Minus - Mangelnde Liquidität im Sommer
MCV-Präsident Reinhard Urban am 11.11. auf dem Balkon des Osteiner Hofs. – Foto: gik

Im September 2016 übernahm Reinhard Urban die Präsidentschaft beim MCV, dass so viel Arbeit auf den gerade erst in den Ruhestand gegangenen Leiter der Mainzer Rechtsmedizin zukommen würde, das habe er nicht geahnt, sagte Urban einmal Mainz&: Der Neue übernahm einen von Streitereien erschütterten Verein. Dass sich jedoch auch die Finanzen in gehöriger Schieflage befanden, das war vor zwei Jahren noch unklar. Vergangenen Montag musste der Verein bei seiner nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung deshalb gleich drei Jahresabschlüsse besprechen, mit alles andere als erfreulichen Zahlen.

Urbans Vorgänger Richard Wagner hatte bei seinem Ausscheiden aus dem Amt 2016 noch einen Jahresüberschuss von 23.000 Euro genannt, nun wurde klar: der Jahresabschluss 2015/2016 endete mit einem Defizit von 148.410 Euro. Auch am Ende des Geschäftsjahrs 2016/2017 stand ein deutliches Minus von 221.151 Euro, als Gründe nennt der MCV vor allem Renovierungskosten für das zuvor erworbene neue Vereinshaus in der Emmeranstraße, dazu kamen Mietausfälle während der Umbauphase. Doch auch die Straßenfastnacht fuhr ein Minus ein – der MCV klagt über erheblich gestiegene Sicherheitskosten rund um Rosenmontagszug und andere Feiern.

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Zwischen drei und 3,5 Millionen Euro beträgt die Bilanzsumme des wichtigsten Mainzer Carnevals-Vereins pro Jahr. „Das ist kein Vereinchen mehr, das ist Mittelstand“, sagte Urban im Gespräch mit Mainz&. Urban verordnete dem Verein deshalb einen strikten Sparkurs, um möglichst bald wieder positive Zahlen schreiben zu können. „Wir sind auf einem guten Weg“, betonte er nun, „aber der Weg ist noch lang.“ Immerhin habe das Defizit im Geschäftsjahr 2017/2018 auf rund 107.000 Euro halbiert werden können, über den Berg ist der MCV aber noch nicht. „Wir sind kein reicher Verein“, sagt Urban.

Flaggschiff der Mainzer Fastnacht in Finanzturbulenzen - MCV drei Jahre mit klarem Minus - Mangelnde Liquidität im Sommer
Der MCV ist der Organisator des Mainzer Rosenmontagszuges und der Straßenfastnacht. – Foto: gik

Im Sommer geriet der MCV gar an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. „Wir nehmen im Sommer ja nichts ein, das ist ja unser Problem“, sagte Urban dieser Zeitung, das Personal in der Geschäftsstelle sei aber das ganze Jahr über angestellt. So habe er dem MCV im Sommer „Geld geliehen, das ausreichte, den Sommer zu überbrücken.“ Der Vorgänger-Vorstand, sagt Urban, habe zu wenig auf den Erhalt der Liquidität geachtet, „man hat in einem Jahr alles ausgegeben, was man hatte.“

Eine desolate Buchführung nennt der MCV als weitere Ursache der Misere, der Überblick über das, was reinkam und das, was rauskam, habe gefehlt. „Es ist nichts Illegales gelaufen“, betont Urban, „aber es ist eben auch nicht besonders günstig für den MCV gelaufen.“ So prüfe der Verein derzeit, ob man eventuell zu viel Geld ans Finanzamt gezahlt habe – aber auch Regressforderungen gegen den früheren Vorsitzenden Wagner und den damaligen Schatzmeister Guido Seitz, der 2017 von seinem Amt zurücktrat. „Wir sind dazu verpflichtet, weil ich sonst selbst Gefahr laufe, Untreue zu begehen“, betont Urban.

Flaggschiff der Mainzer Fastnacht in Finanzturbulenzen - MCV drei Jahre mit klarem Minus - Mangelnde Liquidität im Sommer
Reinhard Urban (links) bei der Vorstellung des neuen Mainzer Zugplakettcher und weiterer Gimmicks – der MCV braucht mehr Geld für die Straßenfastnacht. – Foto: MCV

Inzwischen seien die Finanzen in der Konsolidierung, die Liquidität wieder hergestellt, versichert Urban. Die Straßenfastnacht sei nicht in Gefahr, „es ist alles gesichert, was kommt“, sagte der Präsident dieser Zeitung. Am Montagabend wurde nach Angaben des MCV der neue Schatzmeister Walter Jertz mit großer Mehrheit der anwesenden 111 Mitglieder gewählt. Jertz ist seit 2005 Mitglied im MCV und war dort im Finanzierungsausschuss und zuletzt als Beiratsmitglied aktiv. Der Inhaber einer alteingesessenen Schreinerei ist verheiratet und Vater von drei Kindern, dazu langjähriger Prinzengardist. Jertz soll nun die Finanzen wieder in ruhigere Fahrwasser lenken.

„Wir wollen in den kommenden Jahren wieder ein Polster aufbauen“, kündigte Urban an, „ein Verein dieser Größenordnung braucht Rücklagen.“ Schnell könne eine Veranstaltung ausfallen – so wie 2016 der Rosenmontagszug. Zudem muss sich der MCV für die steigenden Kosten in der Straßenfastnacht rüsten. Abhilfe könnte auch von Seiten der Stadt kommen: Erst jüngst kündigten Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sowie die neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) an, mehr Geld für den Rosenmontagszug zuschießen zu wollen.

Info& auf Mainz&: Ein Porträt von Reinhard Urban bei seinem Amtsantritt 2016 sowie Informationen rund um den Präsidentenwechsel damals lest Ihr hier bei Mainz&.

 

 

 

 

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