Fliegen gilt als umweltschädlichste Art der Fortbewegung, nach Angaben des Umweltbundesamtes entstehen etwa bei einer Flugreise in die Karibik knapp 5 Tonnen CO2 pro Person – und dazu kommen noch Treibhausgase wie Stickoxid und Feinstaubemissionen. Der Druck ist unterdessen auch bei der Luftfahrtindustrie angekommen – und die setzt zunehmend auf die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe, um Fliegen umweltfreundlicher zu machen. Auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig wurde am Mittwoch eine Erklärung verabschiedet, nach dem der Einsatz von alternativen nachhaltigen Kraftstoffen – insbesondere synthetischer Power-to-Liquid (PtL) Kraftstoffe – gefördert werden soll. Das Land Hessen würde die gerne entwickeln – Hessen plant ein Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr.

Fliegen & Umwelt: Luftfahrtbranche setzt auf synthetische Kraftstoffe - Hessen will sie entwickeln
Die Deutsche Lufthansa will umweltfreundlicher werden und setzt auf synthetische Kraftstoffe. – Foto: gik

Auf der Konferenz in Leipzig betonte der Chef der Deutschen Lufthansa, Carsten Spohr, am Mittwoch, Nachhaltigkeit sei „seit vielen Jahren ein zentrales Leitmotiv von Lufthansa.“ Spohr verwies auf die vor einigen Jahren gestartete Flottenernenerung, sparsame Flugzeuge seien kurzfristig „der größte Hebel“ zur CO2-Einsparung. 2018 hätten die Airlines der Lufthansa Group im Schnitt nur noch 3,65 Liter Kerosin benötigt, um einen Passagier 100 Kilometer weit zu fliegen – gegenüber 1990 sei das eine Verbesserung von rund 41 Prozent. „Die neuen Flugzeuge werden die CO2-Emissionen nochmals deutlich senken: Um rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr“, sagte Spohr.

Der Druck der Umweltschützer und gerade auch der Fridays for Future-Demonstrationen ist auch in den Vorstandsetagen der Luftfahrbranche angekommen, vor einigen Wochen hatte schon Fraport-Chef Stefan Schulte berichtet, er habe sich mit den Umweltaktivisten getroffen – und stellte das Nachhaltigkeitsprogramm der Fraport vor: Bis 2050 solle der Frankfurter Flughafen klimaneutral werden, zumindest am Boden.

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In Leipzig betonte Lufthansa-Chef Spohr nun, die deutsche Luftfahrt leiste „einen erheblichen Beitrag zur deutschen Exportstärke“, denn knapp ein Drittel der internationalen Fracht werde auf dem Luftweg befördert. Auch Entwicklungshilfe oder die Versorgung mit Medikamenten rund um den Globus wären ohne Flugverkehr ebenso wenig möglich wie der Tourismus, unterstrich Spohr, und fügte hinzu: „Wir müssen alles tun, um Fliegen künftig so klimafreundlich wie möglich zu gestalten.“ Die Lufthansa unterstütze deshalb die Erforschung und Entwicklung alternativer Kraftstoffe durch Beteiligung an konkreten Projekten in Brandenburg und Schleswig-Holstein. „Synthetisches Kerosin ist eine realistische Option für CO2-neutrales Fliegen in der Zukunft“, betonte Spohr.

Fliegen & Umwelt: Luftfahrtbranche setzt auf synthetische Kraftstoffe - Hessen will sie entwickeln
Turbine eines Verkehrsflugzeugs auf dem Frankfurter Flughafen – getrieben wird sie mit dem Treibstoff Kerosin.- Foto: gik

Auch der Chef des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte, hatte bei dem Termin in Sachen Nachhaltigkeit synthetische Kraftstoffe als Mittel der Zukunft genannt. Wie Schulte forderte nun auch Spohr, die rund 1,2 Milliarden Euro aus der Luftverkehrssteuer in die Marktentwicklung CO2-neutraler Kraftstoffe zu stecken, „die den Luftverkehr klimafreundlicher machen.“ Dafür brauche es eine bundesweite Geschäftsstelle und eine Roadmap für die nächsten Schritte, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), Hessen sei „bereit, das zu übernehmen.“

Hessen plant derzeit ein Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr in Frankfurt und will eine Pilotanlage für die Entwicklung und Produktion klimaneutral hergestellter Kraftstoffe wie synthetischen Flugzeugkerosins bauen. Frankfurt sei „der ideale Ort“, um neue und besonders schadstoff- und lärmärmere Technik zu erforschen. In dem Zentrum sollen Modellvorhaben zur Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger ebenso gefördert werden wie Modellprojekte zur Herstellung synthetischer Kraftstoffe, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden.

Fliegen & Umwelt: Luftfahrtbranche setzt auf synthetische Kraftstoffe - Hessen will sie entwickeln
Was kommt bei einem Flugzeug hinten aus den Zriebwerken heraus? Bei diesem startenden Flugzeugs im Jahr 1961 war es sichtlich eine Menge. – Foto: Alt

„Wir brauchen eine Kraftstoffwende im Luftverkehr, weg von fossilen Kraftstoffen hin zu Power-to-Liquid“, sagte Al-Wazir in Leipzig. Der globale Flugverkehr trage immer mehr zum Kohlendioxidausstoß bei, er müsse „dringend klimafreundlicher werden.“ Dazu gehörten die Einsparung unnötigen Kerosinverbrauchs, die Entwicklung effizienterer Flugzeuge, aber eben auch der Ersatz fossiler Kraftstoffe durch mit erneuerbaren Energien hergestellte synthetische Kraftstoffe. Diese seien „der Schlüssel, wenn wir Luftverkehr und Klimaschutz besser vereinbaren und Luftschadstoffe in der unmittelbaren Umgebung der Flughäfen erheblich verringern wollen.“

Auch die Bundesvereinigung gegen Fluglärm forderte den Umstieg auf synthetische Kraftstoffe zu forcieren – und fordert dafür eine Kerosinsteuer. „Eine CO2-basierte Kerosinbesteuerung kann auch als wirksamer Anreiz für einen Umstieg auf nachhaltigere synthetische Kraftstoffe dienen“, sagte der Präsident der Vereinigung, Carl Ahlgrimm. Dazu sei eine Kerosinsteuer auch geboten, damit es zu einer steuerlichen Gleichbehandlung der Verkehrsträger komme. „Als klimaschädlichster Verkehrsträger muss der Luftverkehr endlich einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten“, forderte Ahlgrimm. Auch eine Erhöhung der Luftverkehrsabgabe sei richtig, zudem müsse der Luftfrachtverkehr in die Luftverkehrsabgabe einbezogen werden.

Info& auf Mainz&: Mehr zu der Schädlichkeit von Flugreisen findet Ihr hier beim Umweltbundesamt im Internet, unseren Text zum Umweltprogramm der Fraport lest Ihr hier – Berichte über die Probleme mit dem Fluglärm gibt es so viele auf Mainz&, dass wir sie jetzt hier nicht alle verlinken. Einfach mal Fluglärm in die Suchmaske oben eingeben. Unseren jüngsten Text zum Thema Ultrafeinstaub aus Flugzeugtriebwerken lest Ihr hier.

 

1 KOMMENTAR

  1. Endlich gibt man zu, was Fluglärmaktivisten längst nachgewiesen haben. Fraport ist eine Dreckschleuder, schlimmer als der gesamte Bodenverkehr von Rhein-Main. Um die Menschen still zu halten, wird von angeblich umweltverträglichem Synthesekerosin und von der Absenkung des Schwefelgehalts im Kerosin schwadroniert. Schwefel trägt sicherlich zu den lungen- und kreislaufgängigen Ultrafeinpartikeln bei, ist aber nicht mehr als eine Komponente im Giftcocktail. Die denkbare Reduzierung wird kaum etwas bringen außer Selbstlob. Noch schlimmer steht es um die Wundertüte Synthesekerosin. Das extrem aufwendige Schweizer Experiment verschlingt jede Menge Energie und Fläche. Alleine für den Tagesbedarf von Fraport wären ca. 400 Quadratkilometer mit Technik zugepflasterter Fläche nötig, dazu kommt der Verbrauch an Energie und Ressourcen für die Errichtung. Und das alles soll mit Steuermitteln gefördert werden, wie es schon im Koalitionsvertrag steht. Auch Nichtflieger werden herangezogen, auf jeden Fall über die Mehrwertsteuer, die jeden trifft. Und Synthesekerosin ist fast so umweltschädlich wie fossiles Kerosin. Denn das der unteren Atmosphäre entnommene oder ersparte und dann in Flughöhe wieder freigesetzte CO2 ist mangels biologischer Assimilation und (bedenklicher) ozeanischer Aufnahme viel wirksamer als am Boden. Schon jetzt trägt der Flugverkehr mit 10% zur Klimaproblematik bei.

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