Die Stadt Mainz muss ja nun doch Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen, am Freitag stellte sie die Umsetzung vor. 33 Flüchtlinge sollen kommenden Dienstag in die ehemalige Turnhalle der früheren Peter-Jordan-Schule einziehen, weitere 30 sollen bis zum Jahresende hinzukommen. Für die Umsetzung bekamen die Mainzer heute hohes Lob: „Was die Stadt Mainz hier bewegt, davon können sich viele andere Kommunen eine Scheibe von abschneiden“, sagte Patrick Hofmacher, der Geschäftsführer des Malteser Hilfswerks, Mainz&.

Notunterkunft Turnhalle: der Gemeinschaftsraum - Foto: gik
Dieser Teil der Turnhalle soll ein Gemeinschaftssaal werden – Foto: gik

Hofmacher ist Geschäftsführer des Bundesverbands, am Freitag war er eigens nach Mainz gekommen, um sich die Notunterkunft in der Turnhalle anzusehen – die Malteser betreuen die neue Notunterkunft. „Wir waren immer gegen Turnhallen“, sagte Hofmacher Mainz&, wenn aber Quartiere in Turnhallen so umgesetzt würden wie in Mainz, „dann ist das schulbildend.“

Würfelförmige Schlafkabinen, oben offen

Was den Kölner Malteser so ins Schwärmen brachte, ist die Art und Weise der Umsetzung. Die Mainzer haben nämlich nicht einfach Betten in eine Turnhalle gestellt, in die Turnhalle wurden vielmehr würfelförmige Schlafkabinen eingebaut. Die 15 Kabinen haben Platz für insgesamt 70 Personen. In den Zimmern stehen je zwei Doppelstockbetten, in einer stehen auch noch zwei Kinderbetten – samt Plüschtieren. Die Schlafkabinen, wie es die Stadt Mainz nennt, sind außerdem abschließbar, so bleibt die Privatsphäre der Flüchtlinge gewahrt.

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Notunterkunft Turnhalle Abteile von oben - Foto: gik
Blick von oben auf die Schlafkabinen in der ehemaligen Turnhalle – Foto: gik

Die Kabinen sind allerdings oben offen, wie das akustisch wird, wenn hier 30 Personen wohnen, ist noch unklar. Die Wände sollen den Lärm ein wenig schlucken, hofft man. Für ein wenig Freundlichkeit sorgen farbige Ecken. Nebeneffekt des Einbaus: „Wir haben den  Boden anbohren müssen“, sagte Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) bei der Vorstellung: „Die Halle können wir nicht mehr zurückgeben.“

Flüchtlinge sollen nur wenige Wochen bleiben

Tatsächlich gehört die Turnhalle zur ehemaligen Peter-Jordan-Schule, und die soll samt Turnhalle in den kommenden Jahren abgerissen werden und einem Wohnquartier weichen. Ganze zwei Wochen brauchten Wohnbau und Gebäudewirtschaft Mainz für den Umbau. Im Obergeschoss gibt es in einen zweiten Raum, der als Gemeinschaftssaal dienen soll, einen Fernsehraum soll es auch geben. Eine Küche gibt es hingegen nicht – die Flüchtlinge werden von einem Caterer versorgt. Kochplatten zum Wasser erhitzen soll es abr geben – weitere Möbel wie Tische und Stühle auch.

Die Flüchtlinge, die hier einziehen, sollen maximal einige Wochen in der Turnhalle bleiben und im Januar in die dann fertige Unterkunft in der Wormser Straße umziehen. „Es ist ein Notquartier“, betonte Merkator, allerdings will sich die Stadt das Notquartier für die kommenden Monate auch weiter vorhalten – falls wieder ein Schwung Flüchtlinge überraschend nach Mainz geschickt wird.

Insgesamt 1000 Flüchtlinge in Mainz

502 Asylbewerber hat Mainz in diesem Jahr bisher aufgenommen – die neuen 63 Personen noch nicht mitgerechnet. Am Ende werden es etwa 1.000 Menschen sein, die in Mainz Zuflucht gefunden haben. 2015 sollen noch einmal rund 600 Menschen kommen. Die neue Flüchtlinge kommende Woche kommen aus Afghanistan, Albanien, Eritrea, Kosovo, Russland, Somalia und Syrien.

Kinderbett in der Notunterkunft Turnhalle, samt Stofftier - Foto: gik
Kinderbett in der Notunterkunft Turnhalle, samt Stofftier – Foto: gik

Warum aber hat die Stadt nicht das eigentliche Schulgebäude zur Unterkunft gemacht? Abgesehen davon, dass hier das Pengland sitzt, natürlich. 😉 Die Antwort lautet: Schadstoffe. Die Schule war heftig verschimmelt, die Schüler mussten aus Gesundheitsgründen ausziehen. „Da können wir jetzt nicht Flüchtlinge da reinsetzen“, sagte Merkator.

Bundeswehr will zwei Gebäude frei geben

Die Turnhalle wurde allerdings noch von Sportvereinen genutzt, die nun ausweichen mussten. „Es war überhaupt kein Problem“, sagte Anke Petermann, Übungsleiterin Gymnastik vom Post-Sportverein. Für das Ausweichquartier gebe es aber immer noch keine Schlüssel, sagte sie: „Wenn wir die noch haben könnten…“

Eine gute Nachricht in Sachen Unterkunft konnte Merkator aber auch noch verkünden: Die Bundeswehr will nun wohl zwei Gebäude in der GFZ-Kaserne frei geben. Dank der Turnhalle ist nun aber sicher gestellt, dass wer immer kommt, auch ein Bett findet.  „Ich finde es großartig“, sagte Dagmar Wolff-Rammensee von der ÖDP, „ich bin erstaunt, wie hell und freundlich es ist.“

„Es ist überwältigend, was die hier in zwei Wochen aus dem Boden gestampft haben“, sagte Amin Kondaki, SPD-Ortsbeiratsmitglied in Hartenberg. In kürzester Zeit so ein geeignetes Notquartier zu schaffen, „das ist vorbildhaft umgesetzt worden.“ Und auch Merkator meinte, „wenn ich mir ansehe, was woanders gemacht wird, dann ist das hier zwar ein Notquartier – aber ein sehr gutes.“

 

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