Frauen in der Politik, das ist noch immer ein heißes Eisen. Auch wenn Deutschland seit neun Jahren von einer Frau, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), regiert wird – selbstverständlich sind Frauen an der Macht noch lange nicht. Deshalb versucht die Politik immer wieder, bei Wahlen den Frauenanteil zu erhöhen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. In Rheinland-Pfalz gab es da schon die eine oder andere Kommune, in der keine einzige Frau im Rat saß. Nicht so in Mainz: Im neuen Mainzer Stadtrat sitzen 24 Frauen, das sind 40 Prozent der Stadträte.

Frauenpower in Mainz: 40 Prozent Frauen im Stadtrat
Frauenwirbel Judith Holofernes, hier beim Open Ohr 2014 – Foto: gik

Die Quote ist gar nicht schlecht, bedenkt man, dass Frauen ja vielfach noch immer die Fürsorge für Haushalt und Kinder tragen müssen, und irgendwie haben wir Frauen ja auch nicht so den Geltungsdrang zur Selbstdarstellung… Während manche Männer doch immer noch gerne dem Treff in geselliger Runde frönen, arbeiten Frauen doch lieber effektiv und zielgerichtet 😉 Das bestätigen sogar Untersuchungen.

Tatsache ist: Frauen für kommunale Mandate zu gewinnen, ist nicht einfach. In Hessen etwa schaffte es die dortige FDP bei der vorletzten Wahl eine Landtagsfraktion auf die Beine zu stellen, in der von 16 Abgeordneten nicht eine einzige eine Frau war – die einzige Frau war Staatssekretärin geworden und musste daher ihr Mandat niederlegen. Das war im Jahr 2009, wohlgemerkt.

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In Rheinland-Pfalz schaffte es dagegen Kurt Beck (SPD) in seinem letzten Regierungskabinett, mehr Frauen als Männer zu Ministern zu machen – bundesweit absolut einmalig. Und seit seinem Rücktritt wird Rheinland-Pfalz von einer Frau regiert: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Das wiederum wird nur noch von der Linken übertroffen, die auf satte 66,7 Prozent kommt. Allerdings ist das bei nur drei Abgeordneten leicht zu erklären: Von den drei Mandatsträgern sind zwei Frauen, 50 Prozent wäre hier ja schlecht gegangen 😉 Das Gegenstück ist dazu die FDP: Unter den drei Räten ist eine Frau, das macht 33,3 Prozent.

Den Schnitt leicht nach unten zieht dagegen die CDU: Von 18 Mandatsträgern sind hier 7 weiblich, das macht aber trotzdem ordentliche 38,9 Prozent. Die Rechnung verwässern die kleinen Parteien: Die zwei Mandatsträger der ÖDP und der AfD sind beides Männer, Freie Wähler, Piraten und Pro Mainz entsenden ebenfalls je einen Mann in den Stadtrat.

24 Frauen sitzen also im ne4uen Stadtparlament, das sind vier mehr als vor fünf Jahren. Das hat das Mainzer Frauenbüro ausgerechnet, das seine Analyse zur Kommunalwahl am Dienstag vorlegte – besten Dank, Kolleginnen! 40 Prozent Frauenanteil, das gab es schon in den Stadträten der Jahre 1989, 1994 und 1999, Mainz ist in Sachen Frauen in der Kommunalpolitik also gar nicht so schlecht dabei. Den höchsten Anteil mit 43 Prozent gab es im Stadtrat von 1994 bis 1999, die niedrigste Quote mit ganzen 10 Prozent wurde 1956 und noch einmal 1969 erreicht.

Frauen, so sagen es Studien, profitieren oft vom Kumulieren, also der Stimmenhäufung auf eine Person. Das war in Mainz auch wieder so – „auch wenn Fußball und Fastnacht immer noch verlässliche Garanten für Wahlerfolg sind“, wie das Frauenbüro süffisant mit Blick auf die beiden CDU-Herren Klaus Hafner und Thomas Neger anmerkt.

Frauenpower in Mainz: 40 Prozent Frauen im Stadtrat
Aktenzeichen XY ungelöst – Open Ohr 2005

Bei der CDU profitierten aber auch die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel sowie die Bundestagsabgeordnete Ursula Groden-Kranich von ihrem Bekanntheitsgrad, beide wurden an die Spitze (!) ihrer Fraktion vorgeschoben. CDU-Kandidatin Barbara Both aus der Altstadt wurde gar vom 39. Platz auf Platz 16 vorkumuliert, das bescherte ihr einen unerhofften Platz im Stadtrat.

Den größten Sprung aller Frauen – und aller Männer – machte allerdings die Mombacher Ortsvorsteherin Eleonore Lossen-Geißler von der SPD: Von Platz 50 wurde sie auf Platz 16 vorgewählt, das sind satte 34 Plätze. Auch Nora Egler von der SPD konnte sich leicht von Platz 10 auf Platz sieben verbessern, das machte keinen großen  Unterschied. Auch bei den Grünen rutschten zwei Frauen leicht nach vorne.

100 Jahre, nachdem die Frauenbewegung erstmals massiv für Frauenrechte auf die Barrikaden gingen, stellen wirfest: Ziel noch nicht erreicht, aber stark auf dem Weg dahin. In Mainz gab es zumindest den Trend, ausdrücklich Frauen nach vorne zu katapultieren, auch wenn das Frauenbüro das als Trend so nicht ausmachen wollte. Gewählt würden bekannte Gesichter, heißt es von dort. Ohne das Vorrücken Dank Kumulieren hätten aber wohl nicht so viele Frauen im Stadtrat gesessen, meint Mainz&.

Bei den Ortsvorstehern bietet sich lustigerweise ein identisches Bild: Von 15 Stadtteilen haben 6 Frauen als Ortsvorsteherinnen, das sind genau 40 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es noch 47 Prozent gewesen, eine Frau weniger macht da direkt einen großen Unterschied. Bretzenheim, Gonsenheim, HaMü, Lerchenberg, Mombach und die Oberstadt werden nun weiblich betreut, neu in der Runde ist nur Claudia Siebner (CDU), die Bretzenheim holte. SPD und CDU sind hier übrigens gleichauf, beide Parteien stelle je drei Ortsvorsteherinnen.

In den Ortsbeiräten wiederum sind Frauen unterrepräsentiert: 69 Frauen wurden in die Ortsbeiräte gewählt, das sind „nur“ 35 Prozent. Die besten Quoten haben hier die Altstadt mit stolzen 61,5 Prozent (8 Frauen) sowie HaMü und Mombach, die beide einen Frauenanteil von 53,8 Prozent haben, das sind je 7 Frauen. In gleich fünf  Stadtteilen gibt es dagegen die niedrigste Quote von 23,1 Prozent: nur 3 Frauen sitzen in den Beiräten von Drais, Ebersheim, Hechtsheim, Lerchenberg und Marienborn. Liebe Männer, das macht Ihr bei der nächsten Wahl anders, gell?

Info& auf Mainz&: Die komplette Wahlanalyse aus Frauensicht findet Ihr auf der Seite des Mainzer Frauenbüros unter dem Stichwort „Kurzbilanz“ – also hier.

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