Es war eine düstere Zeit, diese NS-Zeit, eine Zeit der Verfolgung und der Deportationen – auch in Mainz. Vom Mainzer Güterbahnhof aus wurden rund 1.100 Juden, Sinti und Roma und auch Homosexuelle in die Todeslager im Osten deportiert. Die meisten von ihnen kamen im Konzentrationslager Theresienstadt oder in Arbeitslagern in Polen ums Leben. Nur wenige der Deportierten aus Mainz und Rheinhessen überlebten den Holocaust. Daran soll nun eine neue Gedenkstätte an der Mombacher Straße auf Höhe des Goethetunnels erinnern.

Gedenktafel der Gestapo-Zentrale in der Kaiserstraße in Mainz - Foto: gik
Gedenktafel an die Gestapo-Zentrale in der Mainzer Kaiserstraßé, von hier aus wurden die Deportationen geplant – Foto: gik

„Die Geschichte der Deportationen von Mainz aus darf nicht in Vergessenheit geraten“, sagte die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) am Montag bei einem Termin an der Mombacher Straße. In Höhe des Goethetunnels befand sich seit Jahrzehnten der Mainzer Güterbahnhof und speziell eine Rampe, von der aus die Deportationszüge ihre Reise antraten.

Gelände des Bahnunternehmens vlexx

Auf dem Gelände der alten Rampe wird aber derzeit gebaut: Die vlexx GmbH errichtet hier auf rund 32.000 Quadratmetern ein neues Bahnbetriebswerk, die neu gegründete Gesellschaft übernimmt ab dem 14. Dezember als Privatunternehmen große Teile des Nahverkehrs von Mainz aus.

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Und weil die alte Rampe dem Bauvorhaben im Weg war, wurde die historische Rampe abgebaut – und von den neuen Eigentümern gesichert. „Wir wollten nicht die historischen Gegebenheiten einfach wegbaggern“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer von vlexx, Martin Deeken.

Alte Rampe soll Herzstück werden

So wurde die etwa 20 Meter lange und 5 bis 6 Meter breite Rampe abgebaut und eingelagert. Nun soll die alte Rampe das Herzstück einer Gedenkstätte werden, wie die aussehen soll, dafür startet die Stadt Mainz nun einen Wettbewerb. Bedingung dafür: die Bewerber müssen eine Arbeitsgruppe bilden, in der jeweils ein Architekt und ein Künstler zusammenarbeiten.

Stolpersteine Familie Salomon in Mainz - Foto: gik
Stolpersteine erinnern in ganz Mainz an jüdische Menschen, die den Nazis zum Opfer fielen, hier die Familie Salomon – Foto: gik

„Wir wären mit einem einfachen Wiederaufbau der Sache nicht gerecht geworden“, sagte Grosse, die Gedenkstätte solle an alle Deportierten erinnern. Eine Mahnmal soll es aber nicht werden. Nun ist das Gelände am Goethetunnel – stadtauswärts gesehen unmittelbar hinter der Tunnelstraße – in unmittelbarere Nähe des Alten Jüdischen Friedhofs, der ist gerade schräg gegenüber. Eine Verbindung zwischen den beiden Stätten sei aber nicht geplant, sagte Grosse auf Nachfrage von Mainz&. Schade eigentlich…

20.000 Euro für Wettbewerb aus Schmidt-Stiftung

20.000 Euro stehen für den Wettbewerb zur Verfügung, das Geld kommt aus der Senta und Berthold Schmidt-Stiftung, deren Finanzausstattung aus einem Nachlass stammt. Stiftungszweck ist eigentlich „die Unterstützung kultureller Projekte und Maßnahmen“ oder von Projekten, die eine Entwicklung oder Verbesserung von interkulturellen Beziehungen zum Ziel haben. Vielleicht kamen ja so die Künstler in das Projekt…

Die AGs sollen jedenfalls nicht nur ein Konzept für die Gedenkstätte entwickeln, sondern auch einen Kostenrahmen. Und wenn die Umsetzung durch den Wettbewerb einmal „ins Rollen“ gekommen sei, dann werde sich auch das Geld zur Finanzierung der Gedenkstätte finden, sagte Grosse. Aus den Einsendungen des Wettbewerbs werde die Stadt drei Beiträge auswählen, unter denen der Siegerentwurf gekürt werden soll. Für die Plätze zwei und drei gibt es dann ein Preisgeld. Mitte 2015 werde man voraussichtlich einen Sieger gekürt haben, sagte Grosse.

Vom Güterbahnhof aus wurden am 16. Mai 1940 zunächst 97 Mainzer Sinti verschleppt, darunter auch Kleinkinder. Im Jahr 1942 wurden dann fast alle jüdische Einwohner von Mainz im Rahmen der „Endlösung“ der Nationalsozialisten nach Piaski bei Lublin, ins KZ Theresienstadt oder in Lager in Polen gebracht. In drei Transporten zwischen Mai und September 1942 wurden so mehr als 1.000 Menschen deportiert – in den Tod.

 

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