Ganz im Süden von Rheinhessen, genau auf der Grenze zur Pfalz, sitzt Deutschlands einziger nennenswerter Champagnerhersteller – und was für einer! Volker Raumland macht eben keine Winzersekte, sondern echte Champagner. Und die sind so gut, dass er damit sogar Franzosen aus dem Feld schlägt – so in diesem Sommer bei einer  Blindverkostung.

Champagner darf sich nur nennen, wer in der Champagne Schaumweine herstellt, Volker Raumland nehmen sie demnächst wahrscheinlich als Ehrenmitglied auf 😉 Mit den Zutaten eines Champagners produziert der studierte Weinfachmann Champagner feinster Güte und individueller Note. Und bezahlen kann man sie auch noch… Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein war im Frühjahr 2013 bei der Familie Raumland in Flörsheim-Dalsheim zu Besuch.

„Raumland“, sagte der schlanke Herr im hochgekrempelten hellblauen Hemd, „ist kein Phantasiename – ich heiße wirklich so.“ Volker Raumland ist ein bescheidener Mann, dabei hätte er das nun wirklich nicht nötig: Raumland gilt als der beste Sekthersteller in ganz Deutschland, und das ist eigentlich eine Lüge. Denn Volker Raumland macht keineswegs schnöden Perlwein – seine Produkte sind Champagner in jeder Hinsicht, nur so heißen dürfen sie nicht.

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Mainz&-Reportage: Das Gefühl des Herrn Raumland für Champagner
Volker Raumland gut gelaunt bei der Vorstellung seiner Champagner – Foto: gik

Eleganter, feiner, präziser

Die Sekte von Volker Raumland sind anders, sie sind eleganter, feiner, präziser und deutlich hefegeprägter. Bei Raumland werden die gleichen drei Rebsorten verwendet wie beim traditionellen Champagner – Spätburgunder, Müllerrebe und Chardonnay. Doch damit daraus ein Champagner wird, braucht es eine wahre Meisterschaft mit Fingerspitzengefühl. Keiner sonst in Deutschland kann das so gut wie Raumland.

Seine Sekte räumen regelmäßig die ersten Preise in allen Wettbewerben ab, der 2002er Chardonnay Prestige Brut gilt beim Weinführer Gault Millau als bester, jemals in Deutschland produzierter Sekt. Und das ist noch nicht alles: Bei einer Blindverkostung von 25 Champagnern im Sommer dieses Jahres bei der Weinzeitschrift Vinum, darunter elf Top-Champagner von Rang und Namen, hieß der Sieger am Ende: Raumland.

Sekt-Guru, Überflieger, Champagner-Liga

Vinum schrieb daraufhin vom „Überflieger“ und „Sekt-Guru“, und dass man sich vor der Verkostung schon einig war, dass ein Champagner aus der Champagne das Rennen machen werde. Die Raumland-Tropfen wurden alle als „Champagner“ erkannt – die Experten merkten schlicht keinen Unterschied. „Wir spielen in der Champagner-Liga mit“, sagt Raumland mit leisem Stolz.

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Ausblick aus der Villa Raumland auf die Weinberge – Foto: gik

Frankophil, das war Volker Raumland eigentlich immer schon, vielleicht auch, weil er in einem kleinen Weinort in der Pfalz aufwuchs, auf dem kleinen elterlichen Weingut mit dem ungewöhnlichen Namen.

Raumland, das soll Raum- oder Fahnenflüchtiger bedeuten, ein unruhiger Geist ist Volker Raumland zumindest auch in seiner Jugend gewesen. Statt  Winzer lernte er Industriekaufmann, machte nach der Lehre sein Fachabitur und ging dann zum Studium nach Geisenheim. „Die Luft in den Großraumsbüros war mir zu trocken“, sagt Raunland heute schmunzelnd.

Fliegender Sektabfüller per Lkw

In einem Geisenheimer Seminar passierte es dann: alle anderen machten Wein, Volker Raumland machte Sekt, aus einem Müller-Thurgau. Da habe es ihn „gepackt und nie mehr losgelassen“, erzählt er. 1982, noch vor Abschluss des Studiums, kaufte Raumland den kompletten Weinjahrgang seines Vaters und machte daraus seinen ersten Sekt. Klar, dass sich auch die Diplomarbeit über Sektzubereitung drehte. Da hatte Raumland bereits sein eigenes Unternehmen gegründet: die Mobile Sektkellerei.

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Weinreben im Garten von Villa Raumland – Foto: gik

Um die teuren Maschinen zum Degorgieren zu finanzieren, reiste Raumland über Land und versektete vor Ort die Weine der Winzer – damals eine Marktlücke in Deutschland. Die Idee stammte auch aus der Champagne, wo der Sekt nicht außer Hauses gegeben werde darf. Bezahlt wurde Raumland pro Flasche, eine Mark waren es im Anfangsjahr 1986. Ein Toyota Landcruiser zog die mobile Anlage, später wurden die Maschinen auf einem Lkw fest eingebaut. Anfang der 1990er Jahre kam der Sektboom in Deutschland, Raumland stellte binnen zwei Jahren fünf bis sechs Mitarbeiter ein, er selbst beschloss, sich niederzulassen.

Das Geheimnis? Die Konsequenz, in eine Richtung zu gehen

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Volker Raumland schenkt ein – Foto DWI

Ausgerechnet die frühere Villa des Möbelfabrikanten Merckel im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim wurde das neue Zuhause von Familie und Sekthaus Raumland. Die edle Villa wurde vor gut einhundert Jahren für eine Million Goldmark gebaut, im einstigen Tanzsaal lädt Raumland heute zum Menü mit Sektbegleitung. Vom Balkon schweift der Blick über sanfte Hügel, zehn Hektar eigene Weinberge gehören zum Grundbesitz dazu. 2000 nahm Raumland die sechs Hektar des elterlichen Weinguts in Bockenheim dazu, seit 2002 sind seine Weinberge bio-zertifiziert.

Die Trauben werden früh gelesen, damit sie viel Säure und wenig Alkohol haben, alles in Handarbeit natürlich. Das Lesegut wird über Nacht gekühlt und früh morgens in der Presse verarbeitet. „Danach machen wir im Keller nichts mehr“, sagt Raumland mit typischem Understatement: Der Mann ist Perfektionist, hat in all den Jahren Technik, Philosophie und Qualitätsstreben bis zum Äußersten getrieben. „Es gibt kein Geheimnis, nur die Konsequenz, in eine Richtung zu gehen, und das Streben nach Topqualität“, sagt er.

Preise: zwischen 13 und 85 Euro

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Sonne im Sektglas beim Raumland – Foto DWI

Spaß machen sollen die Sekte, den „Trinkfluss anregen“, wie Raumland das nennt, einfach Lust auf mehr machen. Mehr als 12,5 Prozent Alkohol gibt es bei ihm nicht, Schwefel wird so gut wie gar nicht eingesetzt, die Sekte monatelang auf der Hefe gelagert. Trotzdem sind die Preise moderat: ganze 13 Euro kostet der Einstiegs-Sekt, die nach Raumlands Töchtern benannten Cuvees Marie-Luise und Katharina liegen bei nur 14 Euro.

Dass er trotz aller Erfolge und Preise noch immer als Geheimtipp in Deutschland gilt, macht Raumland durchaus stolz. „Ich will ein bisschen am Nimbus der Champagne rütteln“, sagt er mit feinem Lächeln: „Die sind gut, aber wir sind auch gut. Und wir kopieren keine Champagner: Wir machen Raumland-Stil.“

 Info& auf Mainz&: Mehr Infos zu den Champagnern und zu Volker Raumland findet Ihr auf www.raumland.de, hier könnt Ihr auch direkt Flaschen ordern. Ihr könnt die edlen Tropfen aber auch in Mainz kaufen: beim Weinladen Villa Vinum an der Großen Bleiche, Ecke Klarastraße, und beim Weinkontor Keßler in der Altstadt in einer kleinen Seitengasse der Augustinerstraße.

 

 

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