Die Jägergarde ist im Stress: „Das ist jetzt der 17. Termin der Kampagne“, stöhnt der Chef, „was macht man eigentlich, wenn man eine Delegationsproblem hat? Meine Mitgardisten sind alle sooo faul…“ Die Mitgardisten machen sich wahrlich rar in dieser Garde, Generalfeldmarschall, Präsident, Leiter des Musikzugs, Leiter des Kadettencorps und nicht zuletzt Frauenbeauftragter – alles muss der Chef selbst machen. Nun ja, ein bisschen ist er ja schon auch selbst Schuld: Die Jägergarde verhängte gleich nach ihrer Gründung einen Aufnahmestopp und kam so über die Mitgliedszahl 1 nie hinaus. Vergangenen Mittwoch lud dennoch unverdrossen „die größte Garde von Mainz“ zum Ordensempfang – die Ein-Mann-Garde ist längst in der Mainzer Fastnacht angekommen.

Fideler Ordensempfang bei der Meenzer Jägergarde, in der Mitte der Chef Bernd Frank. - Foto: gik
Fideler Ordensempfang bei der Meenzer Jägergarde, in der Mitte der Chef Bernd Frank. – Foto: gik

„Willkommen auf dem Empfang der größten Garde in Mainz“, begrüßte Jägergarde-Chef Bernd Frank die Gäste, und freute sich, denn der Saal platzte wahrlich aus allen Nähten. Dass die Jägergarde inzwischen einen solchen Zuspruch und auch solche Zustimmung gerade auch von den anderen Garden erhalte, „das haben ‚wir‘ so nicht geplant, aber ‚wir‘ sind sehr, sehr glücklich, dass es so ist“, sagte Frank. „Der hat die Fastnacht einfach verstanden“, sagt ein Teilnehmer des Ordensempfangs im Publikum.

Der 2,04 Meter große Hüne ist ein Unikum in der Mainzer Fastnacht, schon wegen seiner Größe übersieht man ihn nur schwer, die strahlend orangene Uniform samt Dreispitz tut ein Übriges. Gegründet wurde die Jägergarde 2014, aus einer Schnapsidee heraus: Frank ist bekennender Jägermeister-Fan, der Kräuterlikör aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel hat es dem Autobastler, DJ und Grafik-Designer angetan: Frank dürfte der Sammler mit den meisten Jägermeister-Utensilien zumindest mal in Deutschland sein. Auch in der Mainzer Fastnacht zog er natürlich als „Jägermeister“ umher, die Erfindung einer Uniform lag da irgendwie nahe. Und weil Frank eben selbst auch Individualist ist, gründete er eben eine Garde – und verhängte gleich mal einen Aufnahmestopp. „Ein Mitglied genügt“, sagt er trocken.

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Bernd Frank, einziges Mitglied der Meenzer Jägergarde mit neuer Standarte. - Foto: gik
Bernd Frank, einziges Mitglied der Meenzer Jägergarde mit neuer Standarte. – Foto: gik

Sein „Wir“ ist deshalb auch eine glatte Ironie, sein Gardetum eine Parodie der Parodie – die Mainzer Garden entstanden ja unter den Franzosen und Preußen als Parodie auf das Militär. Die Mainzer Ranzengarde etwa persifliert bis heute mit ihren dicken Ranzen – Bäuchen auf Hochdeutsch – die „Langen Kerls“ des preußischen Königs Friedrich I. Und nun persifliert Frank eben die Garden, und nimmt doch das Gardetum sehr ernst. Auf dem Ordensempfang gibt es denn auch einen Einmarsch der Garde – allerdings fällt der recht kurz aus. Das Highlight ist die Ein-Frau-Trommlerkorps der Roten Husaren, heldenhaft ausgeführt von Gabi Ackermann.

„Als ‚wir‘ 2016 zum ersten Mal beim Neujahrsumzug mitmarschiert sind, haben sich viele gefragt: was macht der jetzt daraus?“, erinnert sich Frank, und bekennt: „‚Wir‘ wussten das auch nicht…“ Inzwischen ist aus der Jägergarde ein heimlicher Star der Mainzer Fastnacht geworden, Presse Funk und Fernsehen berichten immer wieder gerne über das Kuriosum, sogar bis ins Saarland sprach sich die Sache mit der Ein-Mann-Garde schon herum. In diesem Jahr gibt es eine neue Uniform für alle Mitglieder, die Offiziere tragen jetzt Samt. Auch eine neue Standarte wurde gefertigt, das edle Stück ist aus Seide und wird – natürlich – von einem Hirschgeweih gehalten. „Das war mal ein Kronleuchter vom Flohmarkt“, verrät Frank, „Hammer und Sichel in der Mitte haben ‚wir‘ aber ‚rausgeschnitten, Jägermeister fanden ‚wir‘ besser…“

Ordensverleihung mit Stuhlhilfe bei der Meenzer Jägergarde. - Foto: gik
Gar nicht so einfach, der größten Meenzer Garde einen Orden zu verleihen … Dank Stuhlhilfe klappts. – Foto: gik

Und weil sich die Jägergarde immer mal wieder unvermittelt im Gefolge von Garden beim Einmarsch auf einer Bühne wiederfand, gibt es jetzt auch offiziell einen „Darfschein“, mit dem man sich die Jägergarde als Eskorte wünschen darf. „Wenn ich es möglich machen kann, komme ich“, verspricht der Chef: „‚Wir‘ sind ja der Meinung: je bunter das Bild auf der Bühne, umso schöner ist es doch.“ Am Aufnahmestopp wird trotz der wachsenden Anforderungen übrigens eisern festgehalten, dafür gibt es inzwischen auch ein Unterstützerkorps, für einen ganzen Euro kann man nun Fördermitglied werden und die Aktivitäten der Garde unterstützen. „Man kann das auch abstottern“, verspricht Frank, 100 Unterstützer hat er schon – für jeden gibt es einen exklusiven Jägergarde-Aufkleber.

Nur bei den Beförderungen wird es in diesem Jahr ernst: „Da wird im Vorfeld ja immer viel spekuliert, wer befördert wird, und wozu“, sagt Frank mit ernster Mine, und dann zu verkünden: „‚Wir‘ haben in der Vorstandssitzung beschlossen, dass Bernd Frank nicht befördert wird – wir führen jetzt Degradierungen ein.“ Denn der Nachwuchsförderer der Jägergarde hat seinen Job nicht gemacht, „‚wir‘ haben festgestellt, dass seit Gründung der Garde unsere Mitgliederzahlen stagnieren“, rügt Frank – deshalb werde der Nachwuchsförderer nun zum Wagenbauer degradiert.

Die Rhein-Mainzer rockten in diesem Jahr den Ordensempfang der Jägergarde. - Foto: gik
Die Rhein-Mainzer rockten in diesem Jahr den Ordensempfang der Jägergarde. – Foto: gik

Das wiederum hat einen fröhlichen Hintergrund: Die Mainzer Jägergarde nimmt in diesem Jahr erstmals am Rosenmontagszug Teil. Mit der Zugnummer 92 wird Frank durch Mainz ziehen, aber natürlich nicht einfach so: Eine Fahrrad-Riksha Marke Eigenbau soll es werden, „darauf lasse ich mich dann durch Mainz fahren“, verrät der Generalfeldmarshall höchstpersönlich. Bleibt nur die Frage, wie in aller Welt man die Jägergarde übersehen kann – das Mainzer Fastnachtsmuseum kann. Der Hort der Meenzer Fastnacht legte jüngst eine neue Broschüre über die Mainzer Garden auf, nicht enthalten: die Mainzer Jägergarde.

Frank ließ sich nicht lumpen, und produzierte einfach flugs ein Einlegeblatt, das erklärt nun dem geneigten Leser ganz sachlich-präzise, was es mit der 2014 gegründeten Ein-Mann-Garde auf sich hat. „Wichtig ist, dass man das Einlegeblatt hat, denn nur dann ist die Broschüre vollständig“, betont Frank, und fügt noch hinzu: „‚Wir‘ machen mehr Werbung für die Broschüre als sonst irgendwer….“ Und schließlich sei doch jeder Verein der Mainzer Fastnacht wichtig, findet Frank: „Egal wie groß, egal wie klein, die Fastnacht lebt vom Miteinander.“ Bleibt nur noch die Frage zu Klären, wieso die Jägergarde denn nun die größte Mainzer Garde ist? Nun, das Motto 2020 verrät es: „Die Jägergard‘ in Mainz die größte ist, weil kein Gardist unter zwei Meter misst.“

Info& auf Mainz&: Die Geschichte der Mainzer Jägergarde und des Sammlers Bernd Frank haben wir bei Mainz& schon 2014 aufgeschrieben, damals als erstes journalistisches Medium überhaupt – den Bericht könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Unseren Bericht vom fünfjährigen Jubiläum gibt es hier noch einmal nachzulesen, die Jägergarde selbst findet Ihr auf dieser Internetseite.

 

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