Wir schulden Euch noch den Bericht über die Bürgerinformation vergangene Woche in der Lesselallee, und Nein, es war keine böse Absicht, den irgendwie zurückzuhalten. Eine Entzündung in den Handgelenken war vielmehr Schuld, irgendwie sind die Sehnen Lesselallee-geschädigt 😉 Aber man soll uns nicht nachsagen, wir hätten das Grünamt nicht zu Wort kommen lassen. Und das sagt: Die Kastanienallee löst sich auf, die Bäume sind nachhaltig geschädigt, an der Fällung führt kein Weg vorbei.

Wunderschöne Lesselallee - Foto: gik
Krank, am Sterben oder vital? Die Lesselallee im September 2014 – Foto: gik

„Wir freuen uns auf eine neue Allee“, betonte Margit See, Leiterin des Wiesbadener Grünflächenamtes bei der Begehung vergangenen Donnerstag. Die Chefin und ihr Team nahmen sich ausdrücklich Zeit für Mainz& und seine Fragen, wofür wir uns ausdrücklich bedanken! Geführt wurden wir durch die Allee von See und ihrem Mitarbeiter, Baumpfleger Thomas Wilkerling, und ihre Botschaft war die gleiche wie die ganze Zeit schon: „Die Allee hat keine Perspektive“, betonte See.

„Phytophthora ist wie Arterienverkalkung“

Begründet wird das zum einen mit den Bäumen selbst: „Der Phytophthora-Pilz ist flächendeckend im Boden“, sagte Wilkerling, er trete in der gesamten Allee auf. Der Pilz befalle die Wurzeln und verstopfe die Leitungsbahnen des Baumes, „das ist im Prinzip wie eine Arterienverkalkung“, sagt Wilkerling. Die Konsequenz: Der Baum werde geschwächt, könne keine vollen Kronen mehr ausbilden, die Äste hingen und bildeten kein Dickenwachstum mehr.

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In der Allee sei zudem nicht nur eine Art Phytophthora nachgewiesen worden, sondern gleich drei Arten, berichtete Wilkerling weiter. Zu sehen sei er durch dunklen Ausfluss am Stamm, das Laub des Baumes werde kleiner. Die Schwächung könne dazu führen, dass eine Fasermüdigkeit auftrete – das Holz des Baumes sei dann wie ein weicher Schwamm. Angesichts dessen nütze auch ein Rückschnitt der Bäume nicht, erklärte Wilkerling.

Schwammiges Holz, zerbröselnd

Tatsächlich haben wir solches Holz gesehen und angefasst, es fühlte sich schwammig und sehr leicht an und konnte in der Luft einfach zerbröselt werden. Ob das aber die Folge des Phytophthora-Pilzes ist, das könne wir nicht nachprüfen. Immer noch unlogisch erscheint uns allerdings die Aussage, die bei der Begehung schon wieder fiel: „Die Kastanie ist für diesen Standort kein geeignetes Gehölz.“

Ach nein? Und warum wurde sie dann genau hier 100 Jahre alt? Die Antwort des Grünamtes: Die Entwicklung der Allee sei seit 1976 fortlaufend negativ, das zeigten Untersuchungen der Jahresringe. Von der ursprünglichen Allee fehlten bereits 23 Bäume, sagte See, neun Bäume seien seit 2008 abgestorben. Inzwischen weise die Allee schon große Lücken auf, löse sich am Ende zum Sportplatz hin schon auf, betonte sie: „Die Allee löst sich auf, das ist unübersehbar.“

Wann ist eine Allee eine Allee?

Lesselallee mit Lücken - Foto: gik
Lichte Lesselallee: Es gibt auch große Lücken – Foto: gik

Aber warum pflanzt man dann nicht die Flatterulmen in die Lücken, oder fängt an einem Ende der Allee damit an, während die alten Bäume im Mittelteil noch wachsen, oder notfalls auch in Frieden sterben dürfen? „Es gibt immer verschiedene Varianten“, sagte See, „und die haben wir alle geprüft.“ Doch der fachliche Vorschlag ihres Amtes sein, eine Allee gleichartiger Bäume wieder zu pflanzen, denn: „Das ist Allee.“

Die Allee, argumentiert See weiter, sei „eine Kulturleistung“, und als Kulturleistung wolle man sie erhalten. Wir sind also mal wieder bei der Frage: Wann ist eine Allee eine Allee? Grünamt und Stadt Wiesbaden hängen offenbar der Auffassung an, nur eine Alle gleicher Bäume sei eine Allee – was Baumexperten für Unsinn halten. Wir könnten an dieser Stelle Baumprofessor Ulrich Weihs zitieren, oder den Baumexperten Marko Wäldchen.

Wenig Besucher bei Bürgerinformation

Wir nehmen aber einfach mal den Forstwissenschaftler Christoph von Eisenhart Rothe, der Mainz& am Montag sagte: „Sie können 100 verschiedenartige Bäume haben – und es ist immer noch eine Allee.“ Und Vorsicht: Der Mann spricht auch für die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße – und die sollte es eigentlich wissen, was eine Allee ist…. Mit der Begründung der gleichartigen Allee, sagte von Eisenhart Rothe übrigens auch noch, müsse man im Prinzip jede Allee fällen, wenn ein Baum krank sei…

Aber zurück zum Grünamt und der Begehung: Die Erneuerung der Allee durch Flatterulmen sei „unser Fachvorschlag – wissend um die Varianten“, betonte See am Ende. Die zwei Informationstermine am Mittwoch und am Donnerstag nahmen übrigens nur wenige Bürger wahr. „Am ersten Tag nahmen 16 Personen teil, am zweiten sechs, darunter drei Medienvertreter“, bilanzierte Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) im Nachgang.

Franz: „Bürger vertrauen der Kompetenz der Fachverwaltung“

„Da wir keinerlei Beschwerden zu den angebotenen Terminen erhalten haben, gehe ich davon aus, dass sich die Bürger ausreichend informiert fühlen und der Kompetenz der Fachverwaltung vertrauen“, zog Franz dann auch schnell noch ein Fazit. Wir hätten da mal einen Hinweis an den Dezernenten: Sich nicht beschweren heißt nicht, dass man mit etwas einverstanden ist. Es heißt auch nicht, dass man sich ausreichend informiert fühlt.

Schon gar nicht aber heißt es, dass man „der Kompetenz“ der Verwaltung „vertraut.“ Woher Herr Franz diese Erkenntnis nimmt, entzieht sich unserer  Kenntnis. „Es war richtig, dass wir den Bürgern die Gelegenheit gegeben haben, sich ihr eigenes Bild zu machen“, sagte Franz – und da geben wir ihm auf jeden Fall Recht.

 

1 KOMMENTAR

  1. So gesehen hat Dr. Franz Recht. Die sehr kritischen Fragen meiner Gruppe wurden entweder gar nicht oder inhaltlich unbefriedigend beantwortet. Aber ausdrücklich als Beschwerde hatten wir die Fragen nicht ettikettiert.

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