Gutachter Wäldchen: Alleen sind gut für die Psyche
Balsam für die Seele: eine alte Allee – Foto: privat

Was bringt eigentlich eine Allee? Ich weiß, Ihr sagt jetzt: na ja Schatten, einen netten Ort für den Spaziergang – und? Stimmt genau, aber Alleen können noch viel mehr: sie sind wichtige Biotope für Tiere und Erholungsplätze für die mnschliche Psyche, sie wirken „befriedend, beruhigend, gleichzeitig aber auch erfrischend.“ Da sehen wir ja ganz neue Perspektiven für die Ortsbegehung der Lesselallee auf der Maaraue heute Nachmittag 😉

Was Alleen alles können, haben wir uns aber nicht einfach ausgedacht – wir haben einen gefragt, der sich damit auskennt: Marko Wäldchen, Baumsachverständiger seit 1990, vereidigt und geprüft natürlich, Mit-Autor der Richtlinie zur Baumuntersuchung – und Experte für alte Bäume und Alleen. Und wir lieben seinen Nachnamen 😉

Hintergrund ist natürlich – Ihr wisst es längst – der Gutachter-Streit um die geplante Fällung der 74 Kastanien auf der Maaraue im Herbst. Die Stadt Wiesbaden will die Bäume komplett abholzen und stattdessen neue Flatterulmen pflanzen, und beruft sich dabei auf Gutachten Denglers. Die Fällgegner halten es dagegen mit Baumprofessor Ulrich Weihs, der bekanntlich den Kastanien altersgemäße Fitness und weitere Lebensjahrzehnte bescheinigt.

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Wir waren es Leid – und haben einen dritten Experten gefragt, eben Wäldchen. Und der sagt: „Alte Alleen stellen von vorne herein ganz, ganz wichtige Biotope dar.“ Alte Bäume könnten nämlich etwas leisten, „was Jungbäume nicht können: sie bieten zahlreiche Lebensraumstrukturen für Tiere unterschiedlichster Art“, sagt Wäldchen. Dazu könnten Alleen besonders gut gesundheitsschädlliche Feinstäube binden und sorgten für ein gutes Klima.

Gutachter Wäldchen: Alleen sind gut für die Psyche
Trockene Kronen, tote Äste? Die Lesselallee im April 2014 – Foto: gik

Doch auch für den Menschen haben Alleen besonders hilfreiche Funktionen: Sie wirkten beruhigend auf die menschliche Psyche, wirkten befriedend, aber auch erfrischend, etwa wenn es heißt ist. Wie aber stellt man denn nun fest, ob der Baum gesund oder geschädigt ist? Die Kastanien sollen ja bekanntlich durch den Phytophtora-Wurzelpilz so stark beschädigt sein, dass sie unsicher sein sollen.

„Die Baumuntersuchung ist im Regelfall eine intensive visuelle Untersuchung“, sagte Wäldchen Mainz&, das entspreche auch der offiziellen Richtlinie zur Baumuntersuchung. Dabei würden die Bäume auf bestimmte Merkmale wie Borkenstruktur, Risse an Bäumen oder den Pilzfruchtkörper untersucht.

„Man muss Bäume generell nicht anbohren“, sagte Wäldchen, einem Gutachter vorzuhalten, die Untersuchung sei ohne Bohrung nicht gut genug, „das ist als absolute Aussage falsch“, betonte er. Ihr erinnert Euch: Gutachter Weihs wird ja bis heute von Seiten der Stadt vorgehalten, seine Untersuchung der Lesselallee sei nicht gründlich und aussagekräftig gewesen, weil er im Unterschied zu Dengler die Bäume nicht angebohrt habe.

„Man sollte den Einsatz invasiver Verfahren wie das Bohren auf ein absolutes Minimum beschränken“, sagte Wäldchen nun. Was die Frage des Phytophtora-Pilzes im Boden angehe, sagte der Experte weiter: „Es bringt nicht viel, den Pilz im Boden nachzuweisen.“ Entscheidend sei doch der Zustand des jeweiligen Baumes, ob er denn vom Pilz auch betroffen sei, ob es nachweislich Schäden am Baum gebe oder nicht.

Gutachter Wäldchen: Alleen sind gut für die Psyche
Ein Traum von Allee – die Lesselallee auf der Maaraue – Foto: privat

In der Lesselallee werde ja „so getan, als wären die Näume massenhaft von Phytophtora befallen“, sagte Wäldchen, der selbst schon einmal in der Lesselallee war. Schäden aber würden sich eindeutig zeigen, die Borke bekomme dann dunkle Flecken, die Krone werde schütter und trocken.

Generell, sagt Wäldchen, müsse doch das Ziel bei der Behandlung einer solchen Allee ihre Erhaltung sein, „gerade im Bereich einer Großstadt.“ Baumpfleger hätten zahlreiche Mittel, die Verkehrssicherheit einer Allee wieder herzustellen, wenn sie denn verloren gegangen sei. „Das Absägen eines Baumes ist das letzte aller Mittel – davor muss ich doch geprüft habe, ob ich denn eine Alternative habe“, betonte der Experte.

Und was ist mit der Frage, ob die Kastanie für den Standort auf der Maaraue mit Überschwemmungen geeignet sei? „Wenn sie nicht dafür geeignet wäre, warum steht sie dann seit einhundert Jahren da?“ konterte Wäldchen unsere Frage. Tja…. Schließlich seien die Kastanien der Lesselallee „ja auch nicht minderwüchsig oder schlecht gewachsen“, unterstrich Wäldchen.

„Es muss einem daran gelegen, sein, alte Alleen zu erhalten“, sagte er dann noch, und dass es ja in Mainz-Kostheim offenbar „eine ganze Reihe Menschen“ gebe, „die die Allee behalten wollen“, das finde er bemerkenswert. Von der anderen Seite her, sehe es offenbar anders aus: „Hier wird vehement das Ziel verfolgt, diese Allee zu beseitigen.“

2 KOMMENTARE

  1. Ich habe mir die Kastanien genau angesehen. Als Biologe bin ich der Ansicht, dass die Bäume nicht an einem Wurzelpilz leiden, sondern an der Kastanienminiermotte Cameraria ohridella. Die winzigen Raupen dieser Mottenart fügen den Bäumen Stress zu, der aber nicht so stark ist, um sie zum Absterben zubringen. Prophylaktisch sollte man im kommenden Winter keinesfalls (!) in der Nähe der Bäume die Wege mit Tausalz behandeln. Inder ganzen Stadt sollte die Verwendung von Tausalz und anderen Salzen im Umkreis von 20 Meter je Baum ab sofort behördlich untersagt werden. Das Salz schädigt die Haarwurzeln der Bäume, so dass Bakterien und Pilzsporen in die Wurzeln eindringen können, Die wiederum machen die Bäume wirklich sehr krank.Besser wäre eine städtische Baumsatzung. Siehe im Internet unter „Baumsatzung DIE LINKE.,Ahrweiler“.Dort befindet sich das Muster einer guten Baumsatzung. Siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Rosskastanienminiermotte.

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