Mainz& goes Rheinhessen zum Dritten: Heute stellen wir Euch in unserer Serie der Blogbeiträge für die Great Wine Capital Mainz das Weingut Jean Buscher in Bechtheim vor. Und das ist wahrhaftig ein ganz besonderer Trip: Udo Lindenberg stellte hier schon seine Bilder aus, Uwe Seeler sang im Weinkeller – und die Weinetiketten werden seit Jahren von Künstlern gestaltet. Das hat abgefärbt: Die Buschers haben aus ihrem Weingut eine ganz einzigartige Kunstsammlung gemacht – entstanden ist ein Walk of Art, der wie kein anderer auch den Wein spiegelt.

GWC&: Einmaliger Walk of Art im Weingut Jean Buscher in Bechtheim
Seniorchef Jean Michael Buscher am Aufgang zur neuen Weinlounge in Bechtheim – Foto: gik

Jean und Jeanette erwarten den Besucher auf der Terrasse. Die mannsgroßen Keramikfiguren wurden von Klaus Schultze kreiert, einem Professor für Keramik und Kunst vom Bodensee. „Kunst kann man hier nicht ausweichen“, sagt Jean Michael Buscher trocken. Seit 33 Jahren zelebrieren sie hier Kunst in enger Symbiose mit Wein, kein Wunder, dass das Weingut Jean Buscher den Great Wine Capital Tourism Award 2016 in der Kategorie Kunst & Kultur gewonnen haben.

Ein Walk of Art führt geradewegs in die neue Weinlounge, wie die Buschers ihre Vinothek nennen. Entlang der Wand der Weinlounge hängen Regale von gerostetem Blech, darin Weinflaschen neben Kunstwerken. Die Wand selbst ist leicht gerundet, wie ein Weinfass, die große moderne Theke spiegelt das Holz aus dem Keller, die wunderbaren Accessoires setzen Akzente. Im Boden führen runde Metallsiegel in den Raum, jedes zeigt ein Emblem von einer der Weinflaschen aus dem Ständer daneben: Weinlabels aus hauchdünnem, bunten Metall.

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GWC&: Einmaliger Walk of Art im Weingut Jean Buscher in Bechtheim
Metalletiketten auf Weinflaschen – Kunst meets Wein im Weingut Jean Buscher – Foto: gik

Eines der Etiketten zeigt Clowns, ein anderes „den Kuss der Muse“. Eines der runden Kunstwerke feiert den Fall der Berliner Mauer, „L’Ouvertüre“ heißt diese Edition. „Schauen Sie“, sagt Buscher, und öffnet ein winziges Baumwollsäckchen mit kleinen Stücken Mauerwerk darin. „Diese Stücke stammen von der Berliner Mauer“, sagt er stolz, „mein Schwager hat sie persönlich von der Mauer gehauen.“

In 17 Jahren entwarfen 17 Künstler aus allen Teilen der Welt Motive für diese speziellen Metalletiketten, 900 Flaschen gab es jeweils von der Sonderedition, gefüllt mit einem besonderen Wein wie einer Gewürztraminer Auslese trocken. Als die Metalletiketten zu teuer wurden, bemalten die Künstler Böden von Barriquefässern, die einzigartige Pyramide ziert den Fasskeller.

GWC&: Einmaliger Walk of Art im Weingut Jean Buscher in Bechtheim
Jean Michael Buscher mit der Pyramide bunter Fassböden im alten Keller – Foto: gik

16 Hektar Weinberge gehören zum Weingut Buscher in Bechtheim, einem kleinen Dorf im Süden von Rheinhessen, bekannt für hervorragende Weine. Der Boden hier ist aus Lehm, gesprenkelt mit Kalk und Sand. Der perfekte Grund für Burgunder, sagt Buscher Junior, ein weiterer Jean mit Zweitnamen Raphael. Alle männlichen Buschers tragen den Namen Jean, nach jenem Urahn, der 1844 das Weingut gründete, der zweite Vorname dient zur Unterscheidung. Kristall klare Weine machen sie hier, mit einem Fokus auf Finesse und Vielfalt, und einer speziellen Liebe für den gelben Muskateller. In der Schatzkammer lagert noch der „Kometenwein“ von 1911: Eine Riesling-Sylvaner-Auslese, die ein älterer Jean Buscher zu Feier der Wiederkehr des Halleyschen Kometen 1911 kreierte.

Die Sache mit der Kunst begann 1984, zum 140. Geburtstag des Weinguts. In jenem Jahr wurde die Basilika von Bechtheim renoviert, und Kirchenmaler Hermann Gottried verliebte sich in die Buscher-Weine. Seine Skizzen und Zeichnungen für Kirchenfenster waren die erste Kunstwerke, die in Buschers Weinkeller ausgestellt wurden. „Wir hatten ja keine Ahnung, was wir da taten“, erinnert sich Senior Jean Michael schmunzelnd, „aber unsere Besucher waren begeistert.“

Tief hinunter in den Grund führt der uralte Weinkeller, große alte Eichenfässer reihen sich an den Wänden, das älteste stammt aus dem Jahr 1893 und fasst 2.750 Liter. „Im tiefen Keller sitz‘ ich hier bei einem Fass voll Reben“, stimmt Jean Michael an – das alte Trinklied wurde hier schon gesungen. Uwe Seeler, das Fußballidol, intonierte Weinlieder in einer legendären Nacht, an anderen Nächten erschallten Trompeten, Thai Songs und Gregorianische Choräle – Musik ist immer ein Teil der Kunstausstellungen.

GWC&: Einmaliger Walk of Art im Weingut Jean Buscher in Bechtheim
Kunst im Fasskeller von der polnischen Malerin Maria Dziopak bei der jährlichen Ausstellung im Weingut Jean Buscher – Foto Buscher

In einem Jahr mussten die Gäste selbst singen – und niemand anderes als Überraschungsgast Gotthilf Fischer dirigierte den Chor. 2009 dann zeigte der Buscher-Kunstkeller die Gemälde von Udo Lindenberg, seine Lieder steuerte ein Doppelgänger bei, aber das Metalllabel auf der Weinflasche stammt von Udo selbst – es wurde ein „Panik Silvaner“.  Einmal im Jahr zelebrieren die Buschers die Kunst in ihrem Keller, dann verwandelt sich das Gemäuer in eine Landschaft von Gemälden, Skulpturen oder anderen Objekten. Die Künstler kamen schon aus den USA, von Hawaii, aus Israel, Polen oder Schottland.

Und immer hinterließen sie Spuren in Form von Kunstwerken im Weingut Buscher: Ein minimalistisches Kreuz aus Draht und Stein stammt von der Ausstellung der Benediktiner, der „Weinrüssler“ blieb von Künstlerin Lisl Metten, und Blickfang in der neuen Weinlounge ist ein großes rundes Audrey Hepburn-Bild aus Metall. „Mit jeder Ausstellung wuchs die Inspiration, die Kulturgüter Wein, Malerei, Skulpturen und Musik zusammen zu bringen“, sagt Jean Michael: „Wir wollen, dass die Leute sie fühlen können – denn es ist alles Kultur.“

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Audrey Hepburn zwischen Regalen aus gerostetem Metall: Die Weinlounge im Weingut Jean Buscher – Foto: gik

Das funktioniere nur, sagt der Senior, wenn der Wein die zweite Reihe trete und der Kunst den Vorrang lasse. Dass es funktioniert, zeigt die Fotogalerie an den Wänden: Bundespräsidenten und Bundeskanzlerin überreichte Buscher schon Falschen seines Weins, Showgrößen wie Götz Alsmann gaben sich in Bechtheim schon die Ehre – die Lindenstraßen-Stars kommen regelmäßig. Mit der neuen Vinothek und dem Ausbau der alten Scheune zum wunderschönen Veranstaltungssaal wurde der Rahmen neu gestaltet.

Und irgendwie scheint das mit der Kunst abzufärben: Eine schmale Skulptur in der Weinlounge wurde von Seniorchefin Buscher gestaltet, das große Wandgemälde im Keller, das zechende Mönche in altem Stil zeigt, malte einst der Vater von Jean Buscher Senior. Die Kunst, sie hat sich wohl schon lange eingenistet im Bechtheimer Weingut – in der neuen Weinlounge hat sie nun ihren Walk of Art gefunden. Behütet von Jean und Jeanette auf der Terrasse.

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Kunst und die Familie: Jean Michael (l.) und Jean Raphael (r.) Buscher neben einer Skulptur von Mutter Buscher – Foto: gik

Info& auf Mainz&: Die große Ausstellung „Kunst im Weinkeller“ im Weingut Jean Buscher findet alljährlich am 1. Mai in Bechtheim statt. Das ganze Jahr über ist die neue Vinothek mit ihrer einzigartigen Wein & Kunst-Erlebniswelt geöffnet: Wormser Str. 4 in Bechtheim, Infos und Öffnungszeiten findet Ihr hier.

Diese Reportage ist ein Teil der offiziellen Blog-Serie der Great Wine Capitals über die Gewinner der Great Capital Awards 2016. Die Original englischen Geschichten gibt es hier auf dem offiziellen Great Wine Capitals Blog. Infos zur Great Wine Capital Mainz und dem Blog mit den Geschichten auf Deutsch hier entlang bitte! Und hier könnt Ihr lesen, wie Mainz& 2015 den Blogger-Wettbewerb gewann – die Siegerreportage findet Ihr hier: Mit dem Oldtimerbus….

 

 

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