Vom Wein der Mönche zum größten Weingut Deutschlands – die Hessischen Staatsweingüter haben wahrhaft eine lange und große Tradition. Vier Weinbaudomänen gehören heute zu der GmbH, die dem Land Hessen gehört. Und die schreibt inzwischen schwarze Zahlen: 2012 machten die Staatsweingüter bei einen Umsatz von rund 10,3 Millionen Euro einen Gewinn von 150.000 Euro. Die Fäden laufen an einer historischen Stätte zusammen: Im alten Kloster Eberbach.

Die Hessischen Staatsweingüter sind das größte Weingut Deutschlands – Ein Besuch in den vier Weinbaudomänen

Vom Mönchswein zum Großerzeuger - Die Weintradition des Klosters Eberbach (€)

Eltville. Es war im Jahr 1135 als kein geringerer als der berühmter Zisterzienserabt Bernhard von Clairveaux ein idyllisches Tal im Rheingau besuchte. Das Kisselbachtal liegt oberhalb des Rheins, am Rande des Taunus, der Blick schweift von hier weit über die Rheinebene. Als sich der hohe Herr im Tal umsahen, kam aus der Hecke ein Eber, sprang über den Bach – und wurde zum Namensgeber des neuen Klosters. So jedenfalls besagt es die Legende der Gründung von Kloster Eberbach.

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Vom Mönchswein zum Großerzeuger - Die Weintradition des Klosters Eberbach (€)

Tatsache ist: Abt Ruthard und zwölf weitere Mönche aus Clairveaux im französischen Burgund bezogen die Gebäude eines ehemaligen Benediktiner-Stiftes, gründeten dort am 13. Februar 1136 ein neues Kloster und bauten die heute weltberühmte Basilika. Mit im Gepäck hatten die Mönche etwas Besonderes: Reben der Sorte Pinot Noir. Der Spätburgunder – er wurde der erste Exportschlager der Rheingauer Weinkultur, bis hinauf nach Köln dominierten die von Zollgebühren befreiten Mönche den Weinhandel im Mittelalter.

Domäne Assmannshausen

Heute bauen sie den Spätburgunder vor allem in Assmannshausen an. 18 Hektar der weltberühmten Lage Höllenberg gehören den Hessischen Staatsweingütern, auch sie ein Erbe der Ebersbacher Mönche. Im Keller der Weinbaudomäne Assmannshausen reifen die edlen Tropfen gut zwei Jahre lang in großen Holzfässern, das älteste Fass ist 70 Jahre alt, jedes Jahr kommen neue hinzu. In den 1920er Jahren gehörte der Höllenberger zu den weltbesten Rotweinen, „das war ganz großes Kino damals“, sagt Geschäftsführer Dieter Greiner.

Die Domäne Assmannshausen wurden 1907 von den Preußen erbaut, die dem Weinbau um die Jahrhundertwende enorme Innovationsschübe brachten: Qualitätsstreben, gegen die Reblaus resistente Weinreben – und die Gründung Naturweinversteigerer, jene Verbände, die der Vorläufer des Spitzenverbandes VDP waren. Kloster Eberbach war 1802 bei der Säkularisierung an den Großherzog von Nassau gefallen. Der aber kämpfte im deutsch-österreichischen Krieg 1866 auf der falschen Seite, so wurden das Kloster und seine Weinberge Eigentum des preußischen Staates. Noch heute rührt daher der martialisch anmutende preußische Adler auf den Etiketten der Eberbacher Weine.

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Domäne Rauenthal

Vier Weinbaudomänen gehören heute zu der 2003 gegründeten GmbH: Neben Kloster Eberbach und Assmannshausen gehören noch die Domäne Rauenthal und Hessische Bergstraße dazu. Auf den Weinbergen in Rauenthal wächst die berühmte Lage Baiken. Der Name kommt von Biegung, in der Beuge des Rauenthaler Berges reifen heute Große Gewächse in Spitzenqualität auf Phylitböden heran, ein feinkristalliner Tonschiefer. 1991 wurde ein Eisweine aus dem Baiken im australischen Canberra zum besten Riesling der Welt gekürt. Die Lagen fanden sich auch auf einer 2011 entdeckten Weinbau-Karte des Jahres 1867, der ältesten Weinlagenkarte der Welt. 247 Hektar Weinberge nennen die Staatsweingüter ihr eigen, die Lagen erstrecken sich auf insgesamt 100 Kilometer Länge.

Hessische Bergstraße

Am weitesten entfernt ist die Domäne an der Hessischen Bergstraße, kurz vor der Landesgrenze zu Baden-Württemberg. Hier setzen sie auf ihren 35 Hektar Flächen neben dem Riesling auch auf Weißburgunder und Grauburgunder. Anfang der 1970er Jahre wurde hier mit dem ersten Eiswein die edelsüße Linie der Bergsträßer Winzer begründet. Heute nähert man sich hier vorsichtig dem Thema Bioweinbau, auf den woanders Spitzenwinzer schon längst schwören.

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Der Blick von der 1904 von den Preußen erbauten Domäne schweift weit über die Rheinebene. Wo vor zwei Jahren noch das Wohnzimmer von Betriebsleiter Volker Hörr war, eröffnete im Oktober 2012 eine hochmoderne Vinothek mit einem Investitionsvolumen von rund 1,2 Millionen Euro. Die Staatsweingüter selbst, darauf legt Geschäftsführer Greiner Wert, „kosten den Steuerzahler nichts.“ Seit die Weingüter 2003 zur GmbH wurden, müssen sie sich selbst tragen – Pachtzahlungen von rund 200.000 Euro pro Jahr ans Land inklusive. Als die alte Kellerei in Eltville für rund 2,5 Millionen Euro verkauft wurde, sei das Geld direkt an den Finanzminister geflossen, betont Greiner. Das Land als Eigentümer dürfe zwar „Geld rausnehmen, Geld zuschießen darf es aber nicht.“

Letzteres wäre eine illegale Subventionierung, und bei dem Thema sind sie in Eberbach empfindlich: Als die Weingüter 2006 mit dem Bau des neuen Steinbergkellers begannen, war das Projekt des damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) höchst umstritten, die Angst in der Rheingauer Winzerschaft vor einem erdrückenden Konkurrenten groß. Die Schulden aus dem Kellerbau – rund 15,8 Millionen Euro – zahlen die Staatsweingüter immer noch ab, ein EU-Prüfverfahren ergab keine Beanstandung.

Der Steinbergkeller: Modernste Kelleranlage der Welt

Und so steht in den Weinbergen unterhalb des Klosters heute eine der modernsten Kelleranlagen der Welt: 14 Meter tief ragt der hochmoderne Keller mit Kelterei, Stahltanks und Holzfasskeller in den Boden hinein. 1,4 Millionen Kilogramm Trauben werden hier pro Jahr verarbeitet, 34.000 Liter können auf einen Schlag gepresst werden.

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Der Keller liegt unter der ältesten Lage der Weingüter, dem Steinberg. Die 32 Hektar Rebflächen wurden vor über 870 Jahren angelegt und sind seit 1767 mit einer drei Kilometer langen Bruchsteinmauer umzäunt. Sie hält die Tiere fern und sorgt für ein einzigartiges Mikroklima: auf 1,5 Kilometern wachsen Riesling-Reben direkt an der Mauer. Ihre Trauben werden zu einem exklusiven „Mauerwein“ gekeltert, von ihm gibt es nur 1.500 Flaschen pro Jahr. Zu erwerben sind die bei einer der berühmten Weinversteigerungen im Kloster Eberbach – oder sie können im „Schwarzen Haus“, einem Ausschank im Steinberg gekostet werden. Der Steinberg, er war übrigens schon der Lieblingswein der Zisterziensermönche, deren Lobpreisung vor über 800 Jahren lautete: „Der Name des Herrn sei gepriesen – und es blühe der Steinberg.“

 

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