Der Himmel so grau, die Narren so bunt: Friedlich, fröhlich und ausgelassen haben am Montag an die 500.000 Narren in Mainz den Rosenmontag gefeiert. Pünktlich um 11.11 Uhr setzte sich in der Mainzer Neustadt der 69. Mainzer Rosenmontagszug nach dem Zweiten Weltkrieg in Bewegung – und pünktlich um 11.11 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen. Ein kräftiger und ausgesprochen hartnäckiger Nieselregen vergällte den Mainzer Narren den Start in den höchsten närrischen Feiertag. Abhalten ließen sich die meisten davon indes nicht, warm eingepackt in bunten feierten Hunderttausende den Zug, die Narretei und die politische Satire. Es wurde ein langer Tag: Der Rosenmontagszug dauerte fast eine Stunde länger als sonst, auch wegen der vielen großen Lücken im Ablauf.

Der Himmel so grau, die Narrenvielfalt so bunt - Friedlicher und fröhlicher Rosenmontag in Mainz - Zug mit vielen Längen
Närrische Mädels am Dom. – Foto: gik

Es war einer der längsten Umzüge in der Geschichte von Mainz: Rund 9.500 Gardisten, Fußgruppen, Musiker, Aktive und Gäste machten sich ab 11.11 Uhr auf den Weg kreuz und quer durch die Straßen der Narrenhochburg. 7,2 Kilometer lang ist der Zugweg, die Zahl der Teilnehmer summierte sich indes auf gut neun Kilometer – und das zog sich. Vor allem hinter dem Dom, nach den Fernsehkameras auf der Ludwigsstraße, öffneten sich große Lücken im Zug, zeitweise waren die gar die Regel und nicht mehr die Ausnahme. „Was ist denn da los, wunderte sich eine Zuschauerin, „das killt echt die ganze Stimmung…“

Beim Mainzer Carnevals-Verein (MCV) hatte man keine rechte Erklärung für das Phänomen, der Zug laufe störungsfrei und durchaus zügig, hieß es am Nachmittag. „Das ist die unsichtbare Römergarde von 1155“, erklärte MCV-Sprecher Michael Bonewitz, „die braucht einfach so viel Platz…“ Tatsächlich brauchte der Rosenmontagszug auch so viel Zeit wie nie: Erst gegen 16.30 Uhr erreichte das Zugende die Ludwigsstraße, da hätte bereits am Schillerplatz Schluss sein sollen.

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Konfettiregen auf der LU. – Foto: gik

Von oben blieb der Tag ziemlich diffus, der Himmel hüllte sich hartnäckig in dunkles Grau. Auf den Straßen herrschte hingegen ein buntes Narrenmeer: Eine riesige Kostümvielfalt von Clowns, Piraten und Kuschelbären bevölkerten die Plätze und Gassen. Im Zug sorgten die vielen Garden, aber auch zahlreiche Guggemusiken für Farbe und Schwung, farbenfrohe Fußgruppen wie Erdbeeren, Tannenbaum-Narren und bunte Tanztruppen, auch zahlreiche Gäste aus nah und fern wurden gesichtet – darunter sogar Chinesen. Ein besonderer Hingucker: gleich mehrere Gruppen mit Kostümen venezianischer Machart.

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Kamen direkt aus Venedig: Fußgruppe aus Hildesheim bei Hannover. – Foto: gik

„Wir kommen direkt aus Venedig“, berichtete eine Gruppe aus Hildesheim bei Hannover, „wir sind quasi auf dem Heimweg.“ Der Karneval in Venedig war am Sonntag wegen der steigenden Gefahr durch das Coronavirus abgebrochen worden, „wir sind froh, dass wir noch herausgekommen sind“, berichteten die Hildesheimer, „vor zwei Tagen waren wir noch in Venedig.“ In Mainz spielte das sich rasant ausbreitende Virus hingegen keine Rolle, Narren mit Gesichtsmasken wurden praktisch keine gesichtet.

Die Narren bewegte deutlich mehr die Wutrede des Mainzer „Obermessdieners“ Andreas Schmitt bei der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ gegen Rassismus und rechte Gewalt in Hanau. Schmitt wird seither in den sozialen Medien gefeiert, er selbst sagte am Montag in Interviews, es sei ihm gar nicht bewusst gewesen, dass seine Rede „so einen Hype“ auslösen würde – sein Smartphone sei förmlich explodiert. Auch eine Gruppe der Klimaaktivisten von Fridays for Future war im Zug mit einem großen Transparent mit dabei, gesichtet wurden auch die Alternativfastnachter der Meenzer Drecksäcje und natürlich das Mainzer Prinzenpaar. Auf einer knallorangenen Fahrrad-Riksha fuhr die kleinste Garde von Mainz durch den Zug: die Mainzer Jägergarde mit ihrem einzigen Mitglied Bernd Frank.

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„Nero“ Donald Trump fackelt Washington ab – Motivwagen im Mainzer Rosenmontagszug. – Foto: gik

Die Handys wurden immer dann gezückt, wenn die politischen Motivwagen ins Blickfeld kamen: „Nero“ Donald Trump, der Washington abfackelt, Wladimir Putin und der ferngesteuerte Erdogan, das Maut-Millionen-Grab von Andreas Scheuer – die politischen Karikaturen auf den närrischen Motivwagen begeisterten die Narren am Straßenrand. Eine ganze eigene Security-Gruppe hatte hingegen ein anderer Star: Die knallgelbe Zugente rollte stolz mit ihrem neuen E-Motor am Zugende, und kam vor lauter Fans kaum von der Stelle.

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Aktivenwagen des Gonsenheimer GCV auf der LU. – Foto: gik

Die ungemütliche Nässe von oben bekämpften indes viele Narren mit Nässe von innen, trotzdem blieb es bis zum späten Nachmittag weitgehend friedlich: Bis um 17.00 Uhr meldete die Mainzer Polizei ganze neun Festnahmen und 26 Straftaten, darunter sieben Körperverletzungen, vier Beleidigungen gegen Polizeibeamte, ein Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, zwei sexuelle Belästigungen, eine Sachbeschädigung und zwei Diebstahlsdelikte. Insgesamt 559 Personen wurden kontrolliert, darunter 257 Kinder und Jugendliche, wovon lediglich 29 alkoholisiert auf die Einsatzkräfte wirkten. Etwa 57 Liter Alkohol wurden im Rahmen der Jugendschutzkontrollen bis zu diesem Zeitpunkt vernichtet.

Nach dem Bekanntwerden eines Vorfalls im nordhessischen Volkmarsen, bei dem ein Auto ungebremst in eine Menschenmenge beim Rosenmontagszug fuhr, verstärkte die Mainzer Polizei umgehend ihr Augenmerk für die Zufahrtsstraßen zur Mainzer Innenstadt.

Info& auf Mainz&: Zahlen, Daten und Fakten rund um den 69. Mainzer Rosenmontagszug findet Ihr auch in diesem Mainz&-Artikel, mehr Informationen zum Vorfall in Volkmarsen gibt es hier. Und natürlich darf vor allem eines nicht fehlen: unsere Fotogalerie vom Rosenmontagszug in Mainz 2020.

 

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