Na, habt Ihr auch am Neustadtfest auf dem Gartenfeldplatz vergeblich versucht, eine Portion Kumpir zu ergattern? Oder seid gar erfolgreiche gewesen? Dann wisst Ihr ja, dass die gefüllten Kartoffeln unglaublich gut schmecken und eine geradezu atemberaubende Bandbreite an Geschmackserlebnissen bieten. Mainz& hat sich natürlich gefragt: Was ist eigentlich Kumpir? Wo kommt es her – und wie kam es nach Mainz? Nun, hier ist die schier unglaubliche Geschichte, von dem Kartoffelgericht, das aus der Pfalz über den Balkan nach Mainz kam…

Im Schrebergarten am Gartenfeldplatz steht Inhaberin Leyla hinter der Theke - Foto: gik
Vielfalt mit Chefin: Leyla an der Zutaten-Theke im „Schrebergarten“ am Gartenfeldplatz – Foto: gik

Die Geschichte der Mainzer Kumpir beginnt in einem Dönerladen am Gartendfeldplatz. Leyla und ihr Mann aßen Falafel, und dabei klagte ihnen der Besitzer des Ladens sein Leid: Dass er den Laden von seinem Bruder übernommen habe, weil der krank sei, er selbst aber sei auch nicht fit, und eigentlich würde er ja gerne verkaufen…

„Wir sind dann aus dem Laden raus, haben uns angeguckt – und da war es passiert“, berichtet Leyla Camkerten-Benli. Leyla hatte gerade, im April 2013, ihr Studium abgeschlossen, Kulturanthropologie, dazu Theaterwissenschaften und Theater, was sie nun machte, war noch nicht klar. Ihr Studium hatte Leyla aber auch für ein Jahr nach Istanbul geführt.

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Leyla ist Deutsch-Türkin, ihre Eltern kamen 1969 und 1970  nach Deutschland, klassische Gastarbeiter damals, die in der Fabrik arbeiteten. Leyla wuchs in Gummersbach im Oberbergischen Kreis nahe Köln auf, 2004 kam sie zum Studium nach Mainz. Türkisch spricht die 32-Jährige seit ihrem 6. Lebensjahr, „aber mit deutschem Akzent und Grammatikfehlern“, lacht sie.

Kumpir – Studentenessen in Istanbul

Kumpir Veganistan ohne Linsen - Foto: gik
Meine erste Kumpir: „Veganistan“ ohne Linsen – Foto: gik

In Istanbul dann lernte sie Kumpir kennen, ein klassisches Studentenessen, das oft auf der Straße verkauft wird, erzählt Leyla. Kumpir ist ein bisschen wie die amerikanische Baked Potato: eine große Kartoffel, im Ofen gebacken und mit leckeren Zutaten gefüllt. Beim Kumpir allerdings wird auch das Innenleben der Kartoffel heraus gekratzt, zerdrückt und mit Butter, Salz und Käse vermischt. Das alleine wäre ja schon lecker…

Kartoffel mit Rotkraut, Möhrensalat, Couscous…

Was Leyla allerdings mit den Kartoffeln anstellt, ist schlicht himmlisch: Da werden die Kartoffeln mit Humus, Couscous, Knoblauch-Champions, Ezme und Oliven gefüllt, was dann Habibi heißt. Oder es gibt dazu Linsensalat, Möhrensalat, Rotkraut, Rosmarin-Walnüsse und eine unglaubliche Mango-Erdnuss-Curry-Sauce. Meine erste Kumpir war genau so eine Verganistan – allerdings ohne die Linsen – , und wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass das himmlisch schmeckt, ich hätte seeehr skeptisch geguckt…

Schrebergarten am Gartenfeldplatz: Zutaten-Theke - Foto: gik
Zutaten über Zutaten im Schrebergarten – Foto: gik

Sieben verschiedene Kumpir-Variationen gibt es bei Leyla im Schrebergarten, eine davon heißt Meenz und komme unter anderem mit Spundekäs und Brezelchen daher, ein Kinder-Kumpir bietet die kleine Kartoffel für Kids oder den kleinen Hunger.Dazu gibt’s übrigens Salate, Limonade und eine fantastische Gazpacho.

Kumpir kommt… von Krumbeere!

Aber woher kommt nun eigentlich der Name „Kumpir“?, wollten wir wissen. „Kumpir kommt von Krumbeere“, antwortete Leyla zu unserem großen Erstaunen, und ja, damit ist das pfälzische Wort für Kartoffel gemeint. „Das Wort wanderte mit den Pfälzern und ihren Kartoffeln auf dem Balkan“, weiß Leyla zu erzählen. Dort wurde es zu Kumpir, „und wandert nun mit uns Deutsch-Türken zurück.“ Wenn das nicht völlig verrückt ist.

Leyla jedenfalls brachte aus Istanbul die Liebe zu Kumpir mit, und als dann der Falafel-Mann vom zu verkaufenden Laden sprach… „Man ist als Vegetarier immer auf der Suche nach etwas Essbarem“, erzählt Leyla, „und wir wollten einfach die Leidenschaft zu Kumpir mit anderen teilen.“ Oh ja, bitte 😉

Kumpir Veganistan halb gegessen mit Besteck - Foto: gik
Kumpir, die gerade ausgegraben wird – übrigens mit passendem Besteck! – Foto: gik

Ein Jahr Recherche, Lernen, Planen…

„Leyla kam zu uns in den Luups-Laden, und hat erzählt, dass sie einen Kumpir-Laden aufmachen will, und da sind wir ausgerastet“, erzählt Daniel Sieben von der Agentur „In allen Gassen“, der Leyla tatkräftig unterstützt. „Unsere Mittagspause war immer ein bisschen trist“, erzählt Daniel – das hat sich gründlich geändert 😉

… und Rechnen, Rechnen, Rechnen

Leyla jedenfalls machte Kurse bei der Industrie- und Handelskammer, lernte Kalkulation, Buchführung – und einen Businessplan zu schreiben, der Knackpunkt jeder Gründung. Es folgten Marktanalyse und „rechnen, rechnen, rechnen“, wie Leyla so schön sagt. Das Erfolgsrezept in Unternehmenshinsicht war dann, die Kartoffel in den Mittelpunkt zu stellen. Es folgten Bücher-Studium – und Testessen über Testessen. „Am Anfang hatten wir viel zu viele Zutaten“, berichtete Leyla. Oha, wenn das jetzt wenige sind….

Eine ganzes Jahr (!) dauerten die Vorbereitungen, denn schließlich musste auch noch der Laden renoviert und eingerichtet werden, eine Innenarchitektin sorgte hier für den richtigen Ton. Am 21. Juni 2014 wurde der „Schrebergarten“ eröffnet und präsentiert sich im typischen Design der jungen Gastro-Szene in Mainz, wobei wir das nicht negativ meinen 😉

Schrebergarten-Glück am erblühenden Gartenfeldplatz

Tafel-Karte im Schrebergarten am Gartenfeldplatz - Foto: gik
Was ’s gibt, steht auf der Tafel im Schrebergarten – Foto: gik

Seit der Eröffnung strömen die Gäste, zwischen 100 und 200 sind es zurzeit pro Tag. „Wir hatten gar nicht mit den Mengen gerechnet“, staunt Leyla, und dass das in der kleinen Küche schon eine Herausforderung sei. In der Küche steht die Chefin übrigens selbst, dazu kommen aber noch vier Mitarbeiter/innen, damit die Produktionskette auch funktioniert. In der tollen Theke im Verkaufsraum kann man dann zusehen, wie die Zutaten auf die Kumpir kommen.

„Es war auch ein großes Quäntchen Glück“, sagte Leyla, und dass es ohne das tolle Netzwerk und großartige Team nicht gegangen wäre. Der erste Erfolg „motiviert uns total“, strahlt sie, und zum Glück gehörte natürlich auch die großartige Lage am erblühenden Gartenfeldplatz. „Der Platz ist in Bewegung“, sagt Leyla, „und er hat etwas Südländisches, fast wie am Mittelmeer…“ Mainz& jedenfalls wünscht alles Gute!

Info& auf Mainz&: Den „Schrebergarten“ findet Ihr in der Kurfürstenstraße 9, direkt am Gartenfeldplatz und neben dem Bukafski. Der Imbiss ist geöffnet von Montag bis Samstag 11.00 Uhr bis 20.00 Uhr, sonntags von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Und das Team denkt gerade über längere Öffnungszeiten am Abend nach 😉 Ein Kumpir-Gericht kostet zwischen 4,- Euro und 6,50 Euro, die Kinder-Kumpir nur 3,- Euro. Mehr Infos gibt’s auf der Facebook-Seite des Schrebergartens.

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