Die Housing Area in Gonsenheim ist ja seit März 2015 von den Amerikanern geräumt, die spannende Frage war: Was wird daraus? Am Dienstag verkündete die Stadt: Es wird neuen Wohnraum geben – aber auch Platz für Flüchtlinge. Beides ist dringend nötig in Mainz, in diesem Jahr sollen noch weitere 600 Flüchtlinge zu uns kommen. Zum 1. Dezember sollen sie Wohnungen in der Housing Area beziehen können, fünf Gebäude werden für rund 300 Menschen umgerüstet. Sechs weitere Gebäude sollen als Wohnungen für Bundesbedienstete genutzt werden, ein dritter Teil des Geländes kann mit Einfamilienhäusern bebaut werden.

Housing Area Gonsenheim: Platz für Flüchtlinge und für allgemeines Wohnen
Künftige Nutzung der Housing Area in Gosenheim: Flüchtlinge, Bundeswohnungen, Allgemeines Wohnen – Grafik: Stadt Mainz

„Die Housing Area hat sich angeboten, es ist ein Wohngebiet“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Aktuell kommen 35 Flüchtlinge pro Woche nach Mainz, für 2016 werden noch einmal rund 1.200 Personen erwartet – mindestens. „Das fordert uns heraus“, räumte Ebling ein – die 895 Plätze in Mainz seien bereits voll ausgeschöpft. Die Stadt freut sich deshalb sehr, nun endlich die Möglichkeit zu haben, auch in der Gonsenheimer Housing Area Menschen unterzubringen. Angedacht war das ja schon länger, am Dienstag machte die Stadt gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilien (BIMA) Nägel mit Köpfen.

Zum 1. September mietet die Stadt von der BIMA fünf der elf Mehrfamilienhäuser auf dem Gelände. Bis Anfang Dezember soll in den Häusern Platz für 300 Flüchtlinge in Form einer Gemeinschaftsunterkunft geschaffen werden. Den Umbau veranschlagt Ebling mit rund 1,2 Millionen Euro, die Stadt mietet die Gebäude für fünf Jahre an – kostenlos übrigens.

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Housing Area Gonsenheim: Platz für Flüchtlinge und für allgemeines Wohnen
Solche Budneswehrgebäude hätte die Stadt gerne noch – Foto: gik

„Die Bundesanstalt stellt in der gesamten Bundesrepublik Unterbringungskapazitäten zur Verfügung – und verzichtet dabei auf die Miete“, betonte Claus Niebelschütz von der BIMA. Die Nutzungskosten und Umbaukosten müssen allerdings die Kommunen selbst tragen. Sechs der auf dem Gelände stehenden Gebäude will die BIMA für Bedienstete des Bundes herrichten und nutzen, hier stehen 24 Wohnungen zur Verfügung.

„Bundesbedienstete gibt es viele, da besteht immer Bedarf“, sagte Niebelschütz. Wohnen in Ballungsräumen sei sehr gefragt, infrage kämen etwa Zollbeamte von Frankfurter Flughafen. Einen Zeitplan, wann die Wohnungen bezugsfertig sein könnten, habe man aber noch nicht. Den dritten Teil der Housing Area will die BIMA dann Investoren zur Bebauung anbieten.

Was da gebaut werden wird? „In der Umgebung stehen ausschließlich Einfamilienhäuser“, sagte Ebling, da sei die Art der Bebauung schon vorgegeben. Derzeit befinden sich auf diesem südlichen Stück einzelne Offiziersvillen und ein Garagenhof mit Verwaltungstrakt. In Zukunft wird es hier wohl mehr Einfamilienhäuser geben, wie viele, das ließ die Stadt offen.

Die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU) wünscht sich eine nicht zu dichte Bebauung, damit der tolle Park um die Häuser nicht zerstört wird. Dazu hätte sie gerne „einen gesunden Mix“ in dem neuen Wohngebiet – Generationen übergreifendes Wohnen, einen „Mehrgenerationenpark“ etwa. Dort könnten dann Einfamilienhäuser für Familien stehen, aber auch barrierefreie Wohnungen für Senioren samt Pflegestützpunkt. „Ich habe da schon mit Investoren gesprochen“, sagte Flegel Mainz&.

Housing Area Gonsenheim: Platz für Flüchtlinge und für allgemeines Wohnen
Hurra, das Hochhaus ind er GFZ-Kaserne wird nun endlich für die Flüchtlignsunterbringung frei – Foto: gik

Die Ortsvorsteherin begrüßte überdies die überwiegende Wohnnutzung, aber auch die Möglichkeit, Flüchtlinge unterzubringen. In Gonsenheim war das nicht immer Willkommen: Die Nutzung eines leer stehenden Hotels für Flüchtlinge war am Widerstand der Gonsenheimer gescheitert. Hoffen wir mal, dass sich der Edel-Stadtteil von Mainz dieses Mal auf das humane Miteinander besinnt…

Reichen wird aber auch das nicht, die Stadt wird weitere Unterkunftsmöglichkeiten brauchen. Zum Glück für die Stadt ging die Ertüchtigung der alten Häuser in der Zwerchallee schneller als gedacht, dort zogen bereits zum 11. August die ersten Menschen ein. Die Renovierung weiterer drei Gebäude soll nun im 14-Tage-Takt fertig werden. 290 Menschen können dann hier ein Dach über dem Kopf finden, 130 sind schon da.

Aber was ist denn nun mit der GFZ-Kaserne und dem leer stehenden Hochhaus, fragte Mainz& bei der Gelegenheit gleich mal bei der BIMA nach. Man sei zwar Eigentümer aller Bundeswehr-genutzten Flächen, sagte Niebelschütz, dennoch bestimme die Bundeswehr über die Nutzung. Und bevor die ein Gebäude nicht frei gebe, könne man es nicht weiter geben. „Solange das Bundesverteidigungsministerium da nicht die Flagge einzieht, kann Herr Niebelschütz uns nichts vermieten“, sagte Ebling. Deshalb werde die Stadt auch 2016 wahrscheinlich noch „weinenden Auges an Flächen vorbeifahren, die man sinnvoll nutzen könnte.“

Was die GFZ-Kaserne angeht, gibt es aber Hoffnung: Die Bundeswehr arbeite an der Freigabe zweier Gebäude und werde „sehr bald in der Lage sein, die Gebäude an uns zurückzugeben“, sagte Niebelschütz – und konkretisierte auf Nachfrage: noch in diesem Jahr. Dann werde man mit der Stadt „sehr schnell einen Mietvertrag schließen“ können. Was lange währt, wird eben manchmal doch noch gut 😉

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