Mainz& hatte Euch ja noch Details zum Forum vom 6. März zu dem neuen Integrierten Entwicklungskonzept (IEK), das da gerade in der Mache ist, versprochen. Der von der Stadt Mainz mit der Erarbeitung beauftragte Professor Kunibert Wachten hatte ja an dem Abend im Mainzer Schloss eine ganze Analyse der städtischen Situation mitgebracht. Eigentlich wollte ich Euch die längst im Detail dargeboten haben, aber wie die Viren so spielen… Nun gut, dafür gibt es am heutigen Freitag ein ganzes Artikel-Paket zum Thema IEK 😉

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Baustelle Mainz: Wohin entwickelt sich die Stadt? – Foto: gik

Den Beginn macht dieser Artikel mit der detaillierten Analyse der Planer. Artikel 2 wird sich mit den Wünschen der Teilnehmer des Forums beschäftigen. Artikel 3 widmet sich ausführlich der Kritik der Bürgerinitiative Mainzer Ludwigstraße an der IEK. Ich verspreche Euch: da kriegt Ihr was zu Lesen 😉

Thema 1: Wohnen

Los geht’s mit Artikel Nummer 1 und Thema Nummer 1: Der Bereich Wohnen. Die Thesen der Stadtplaner aus Dortmund zum Bereich Wohnen waren vorhersehbar: Mainz brauche dringend Wohnraum, weil die Stadt enormen Zuzug zu verzeichnen hat – klar, alle wollen in Mainz wohnen! Also brauche es dringend Flächen für neuen Wohnraum – gleichzeitig sind aber bereits 98 Prozent der Innenstadtfläche schon bebaut – keine einfache Aufgabe, wie wir wissen.

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Gleichzeitig formulieren die Planer aber auch Ansprüche an die künftige Entwicklung: Adäquaten Wohnraum für alle Zielgruppen, bezahlbarer Wohnraum auch für Ältere, Bedürftige und Familien, eine ausgewogene Mischung aus Wohnen und Arbeiten zur Vermeidung von Monostrukturen, Einbeziehen des städtischen Umfelds als Lebensraum, und die besondere Berücksichtigung der Belange von Kindern und Jugendlichen. Wenn die Stadt das zur Leitlinie erklärt, kann sie den Winterhafen gleich wieder abreißen 😉

Thema 2: Einzelhandel

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Einkaufen am Brand – eines der drei Tripol-Zentren von Mainz – Foto: gik

Kern des Mainzer Einzelhandelskonzeptes ist das sogenannte Tripol-Konzept, also die Bildung der drei Schwerpunkt-Einkaufszonen am Brand, rund um die Römerpassage und entlang der Ludwigstraße. Rund um die Römerpassage stehen dabei 25.500 Quadratmeter Einkaufsfläche zur Verfügung, am Brand 22.300 Quadratmeter und in der Ludwigstraße 14.800 Quadratmeter.

Dazu kommen die sogenannten B-Lagen, das sind Bahnhofstraße/ Große Bleiche/ Lotharstraße, Große Langgasse/ Schillerplatz, die südliche Altstadt und die Gaustraße, die die Planer zielsicher gleich mal als „Szeneviertel“ benannten. Wenn die wüssten, wie jung dieses fragile Gebilde noch ist…

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Die verschiedenen Quartiere der Mainzer Innenstadt – Grafik: Scheuvens + Wachten

Was die Verbindung zwischen A- und B-Lagen angeht, da wurden die Planer allerdings ziemlich deutlich: Das Tripol Konzept sei gut, aber ausbaufähig und „bietet die Chance, Verknüpfungen weiter auszubauen“, wie Wachten betonte.  Die eigentliche (!) Attraktivität der Mainzer Innenstadt machten aber die B-Lagen aus- und genau die würden richtig stiefmütterlich behandelt.

Eine Menge Hausaufgaben für die Stadtplanung

Das hat Stadtplaner Wachten natürlich nicht gesagt, was er aber in höflich-planerischen Worten formulierte, lief auf dasselbe hinaus: Es seien „Strategien zur Sicherung der Nebenlagen und niedrigpreisigen Lagen zu entwickeln“, der Anteil inhabergeführter Geschäfte müsse gesichert werden, um eine „attraktive Mischung“ zwischen Inhabergeschäften und Filialen in der Innenstadt anbieten zu können. Auf gut Deutsch: die Nebenlagen werden bisher vernachlässigt, Geschäftsräume sind viel zu teuer, und es droht ein Ausverkauf der alteingesessenen Inhabergeschäfte. Glaube keiner, diese Planer seien blauäugig durch Mainz gegangen…

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Kleine Geschäfte braucht die Stadt – hier: die Annabatterie in der Neustadt – GFoto: gik

Und das waren beileibe nicht alle Hausaufgaben für die Stadt: Das Mainzer Tripol-Konzepte sollte weiter entwickelt und „mit neuen Handelsmagneten gestärkt“ werden, vor allem aber gelte es die Verbindungsachsen zwischen den drei Polen zu stärken – also Lotharstraße/Steingasse/Fuststraße ebenso wie die Große Langgasse, ein totales Stiefkind der Mainzer Stadtpolitik, dessen Residenzpassage die Planer ausdrücklich ansprachen.

„Wir werden ein Auge auf Brennpunkte haben“

Es war also auch keineswegs ein Zufall, dass Wachten mehrfach betonte, die Planer könnten nur „mit wachem Auge schauen“, wohin aktuelle Entwicklungen in der Stadt liefen, und dass er versprach: „Wir werden ein Auge auf die Brennpunkte haben.“ Der wichtigste Satz des Abends war aus Sicht von Mainz& aber dieser: „Begreifen Sie das IEK als ein Instrument, Fehlentwicklungen aufzufangen“, betonte Wachten gleich mehrfach.

Bürger, hört die Signale! heißt das für Mainz&: Ein Innenstadtkonzept, das Fehlentwicklungen benennt, und – wie Wachten explizit sagte – „Forderungen“ an ein mögliches ECE-Einkausfzentrum stellen könne „hinsichtlich der Mischung der Nutzung“ und mit Blick auf „eine ausgewogene Innenstadt-Entwicklung.“ Aber mehr dazu gleich in einem separaten Artikel…

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Brennpunkt Innenstadt: die LU – Foto: gik

Thema 3: Arbeiten und Wirtschaften

In der Innenstadtlage sind derzeit rund 30.000 Menschen beschäftigt, rund 85 Prozent von ihnen pendeln täglich in die Innenstadt. Große Arbeitgeber sind unter anderem die Landesregierung, Kirchen, Banken, der Dienstleistungssektor, und natürlich Handel und Gastgewerbe. Und auch in diesem Bereich mahnten die Planer, bei der Gestaltung des Büroflächenangebotes „auf die unterschiedlichen Nachfragesegmente zu reagieren“. Im Klartext: Es braucht auch günstige Räume für kleine Büros!

Als Baustellen identifizierten die Planer auch gleich die Hot Spots: Es gelte, langfristig über die Nachnutzung der FH-Standorte nachzudenken, und für den Osteiner Hof „entsprechend seiner Lage im Stadtgefüge eine adäquate Nutzung zu etablieren.“ Hört, hört – hört Ihr das da unten im Rathaus???

Thema 4: Städtebau und Stadtgestalt

Was historisches Erbe, topografische Besonderheiten (= die Lage am Rhein) und das kulturelle Erbe angeht – nun, da kann ein Stadtplaner schon mal ins Schwärmen kommen 😉 Taten Professor Wachten und sein Team aber nicht, sie beschränkten sich weitgehend darauf, auf die besondere Silhouette Mainz‘ am Rhein hinzuweisen. Ansonsten gab’s auch hier schon wieder Mahnungen und Hausaufgaben: die vorhandene Struktur müsse bewahrt, das Setzen neuer Akzente „qualitätsvoll abgewogen werden“. Qualitätsvoll!! Können wir das als großes Banner vors Rathaus hängen?

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Geschmackvoll, Qualitätsvoll – wir haben da mal an die Martkhäuser gedacht… – Foto: gik

In der City, so die Analyse weiter, existierten nämlich „eine Reihe gestalterischer Maßstabssprünge in direkter Nachbarschaft“ – das ist eine großartige Umschreibung für: hier passt nix zusammen. Insbesondere in den Tripol-Zentren fielen die gestalterischen Qualitäten des Stadtraums doch sehr unterschiedlich aus, hieß es weiter, da sehe man Verbesserungsbedarf…

Thema 5: Öffentlicher Raum

Bei diesem Thema gab es Kritik an der City-Meile, jenem Laufband durch die City, das die einzelnen Bereiche mit Hilfe roter Bodenkacheln verbinden soll. Der Citykern, fanden die Planer, sei „zu weitläufig und zu wenig miteinander verknüpft“, die Aufenthaltsqualität verbesserungswürdig“. Im Klartext: es macht keinen Spaß, sich dort aufzuhalten, zumindest laden viel zu wenige Plätze dazu ein. Da fallen Mainz& unwillkürlich diese Bänke auf der Ludwigsstraße ein, die mit dem Rücken zur Straße stehen…. ja, es könnte Verbesserungsbedarf geben 😉

Rat der Planer: Konzentration auf den Kern der City, Verdichtung und mehr Aufenthaltsqualität. Räume wie das Höfchen, der Münsterplatz und der Gutenbergplatz „müssten umgestaltet werden“ – letzterer besonders beim Thema Fassaden, Randbebauung und Platzfassung, was wohl die Ränder heißen soll. Das „Programm zur Bespielung“ des öffentlichen Raums sollte zudem „mehr auf den Charakter der einzelnen Stadträume eingehen.“ Mainz& fängt an, diese Planer richtig zu lieben 😉

Thema 6: Grün- und Freiraum

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Mehr Grün in der Stadt – die Grüne Brücke in der Neustadt macht’s – Foto: gik

Großes Problem in Mainz – es gibt einfach viel zu wenig Grün in der Innenstadt. Die Tipps der Planer: das Rheinufer aufwerten, das Rheinufer aufwerten, das Rheinufer… nein, im Ernst: das Rheinufer spielte tatsächlich eine wichtige Rolle, die gleich mehrfach betont wurde: In Höhe des Bleichenviertels, in Höhe der Altstadt, am Zollhafen. Mehrfach forderten die Planer auch, den Zugang zum Rheinufer zu verbessern – übrigens auch vom Rathausplatz aus…. Ihr wisst schon, was wir jetzt denken, oder? Wir sagen nur Drecksäcke – und BUUUMM! 😉 Zum Nachlesen, was gemeint ist, geht’s hier entlang.

Beim Thema Grün fiel den Planern außerdem mehr davon im Regierungsviertel und den Erhalt des Baumbestandes auf der Kaiserstraße ein. Zwischen den bestehenden Grünräumen bestünden zudem nur wenige systematische Verbindungen, das sollte verbessert werden – wie die „Erlebbarkeit des Rheins“ generell.

Thema 7: Verkehr

In der Innenstadt finden täglich um die 165.000 Kfz-Fahrten statt, stellten die Planer fest – wow! In den Parkhäusern stehen 12.200 Plätze zur Verfügung, dazu kommen 3.800 Stellplätze im öffentlichen Straßenraum. Und während Letztere schwer gefragt sind, sind die Parkhäuser oft nicht ausgelastet, monieren die Planer. Mainz& hat da ja schon mal einen Vorschlag gemacht… im Ernst: Es gibt Städte in Deutschland die machen mit kostenlosem Parkraum in der Innenstadt und/oder kostenlosem Bus- und Bahnverkehr super Erfahrungen. Könnte man sich ja mal anschauen.

IEK Innenstadtkonzept - Die Analyse der Planer im Detail
Auto an Auto: die Rheinallee – Foto: gik

Das Radwegenetz, kritisierten die Planer übrigens, sei „ausbaufähig“, Radwege endeten „oft an den Rändern der City.“ Wahrscheinlich sind die Besucher von auswärts beim Anblick des Radweges auf der Großen Bleiche in Ohnmacht gefallen. Oder überfahren worden. Die sonstigen Planer-Tipps zum Verkehr fand Mainz& allerdings ein wenig beliebig: Parksuchverkehr reduzieren, Fußläufigkeit der Innenstadt verbessern, Entschließungsstraßen vom Verkehr entlasten. Gerade Letzteres findet Mainz& nicht zielführend: Lieber den Durchgangsverkehr auf drei, vier Achsen gezielt bündeln, wie in Mainz, und dafür die anderen Straßen vom Verkehr freischaufeln – das klingt doch viel eher nach einem Plan, oder?

Bleibt festzuhalten, dass die Planer am Schluss noch viele „Potenziale“ aufführten, die im Wesentlichen hier aber schon benannt wurden. Ein wesentlicher Punkt war aber noch eine bessere Verknüpfung zwischen den Innenstadt-Quartieren – was ja nie verkehrt ist 😉

Wie es nun weiter geht? Öffentlich erst einmal gar nicht: Die Planer wollen nun mit einzelnen Gruppierungen innerhalb der Stadtteile reden, sogenannte „Standort-Konferenzen“. Man wolle mit Immobilien-Besitzern, Mietern, Pächtern, Bewohnern, Kaufleuten, also einfach allen „ins Gespräch kommen“, sagte Wachten. Also, redet mit den Planern! Ihr wisst ja jetzt, dass deren Blick auf die Mainzer Stadtentwicklung keineswegs ein langweilig-unkritischer ist 😉

Info& auf Mainz&: Im Übrigen ist noch immer Eure Meinung gefragt! Unter der Email iek@stadt.mainz.de könnt Ihr noch bis zum 27. März Eure Vorschläge loswerden, was sich an Mainz verbessern soll! Mainz& ist der Ansicht: Lasst uns dieses Planungsinstrument nutzen, damit es nicht gegen uns benutzt wird! Arbeitet mit an einer Agenda 2030 für Mainz! Es könnte sich ja lohnen… 😉

Service& auf Mainz&: Die komplette Präsentation der Planer Analyse findet Ihr auf den Seiten der Stadt Mainz, genau hier.

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