Es ist das Megathema dieser Zeit, das Thema Flüchtlinge, und da ist es irgendwie kein Wunder, dass sich das ohnehin immer politische Open Ohr auch diesem Thema widmet. „Kein Land in Sicht“ lautet das Motto des Open Ohr 2015. An Pfingsten dreht sich deshalb auf der Zitadelle in Mainz das meiste um gegenwärtige und zukünftige Flüchtlingssituationen. Damit macht das Festival da weiter, wo es 2014 aufgehört hat: Nach dem Krieg, einer der Hauptursachen für Flucht, geht es nun um die Frage: Wo gibt es Hilfe, Perspektiven – eine neue Heimat.

"Kein Land in Sicht" - Open Ohr zum Thema Flüchtlinge
Entspanntes Relaxen: Hauptwiese beim Open Ohr 2014 – Foto: gik

Das Open Ohr ist ja das einzige politische Jugendkulturfestival in Deutschland und findet in diesem Jahr bereits zum 41. Mal statt. Vier Tage lang wird auf dem Gelände der Zitadelle in Mainz diskutiert und gefeiert, die vier Pfingsttage mit ihrer Mischung aus Musik, Kabarett, Theater und Diskussionen sind einfach Kult.

Erst Land, dann die Frage nach dem Wohin

„Kein Land in Sicht“, das weckt natürlich sofort das Bild von Flüchtlingen, die in maroden Dampfern aufs Mittelmeer geschickt werden, um vielleicht irgendwo in Europa eine Zuflucht zu finden. Doch wenn dann wenigstens das Festland in Sicht ist – die Frage nach dem Wohin fängt dann erst richtig an.Kein Land in Sicht – für die Einwanderungsländer kann das aber auch bedeuten: Es ist kein Ende des Flüchtlingsstroms absehbar.

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Für viele Menschen auf der Welt seien Kriege und deren Folgen ein Grund ihre Heimat zu verlassen, schreibt die Freie Projektgruppe des Open Ohr in ihrer Mitteilung: „Ganze Familien sind aus Not und Angst auf der Flucht“, sagt Yana Prinsloo von der Freien Projektgruppe. Seit dem zweiten Weltkrieg waren nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht wie heute.

"Kein Land in Sicht" - Open Ohr zum Thema Flüchtlinge
Zuhören, auch das gehört zum Open Ohr – Foto: gik

Lösungen für Flüchtlingsproblem gesucht

Allerdings muss man dazu sagen, dass die Wenigsten es bis nach Deutschland schaffen: Die Zahl der Flüchtlinge ist in Mainz noch bei Weitem nicht so hoch wie in den 1990er Jahren. Trotzdem hat die Stadt Mainz alle Hände voll zu tun, neue Unterkünfte zu schaffen – am Donnerstag wurde erneut eine neue Flüchtlingsunterkunft eingeweiht.

Was sind die Beweggründe für all diese Flüchtlinge und wo finden sie Hilfe und Zukunftsperspektiven? „Die schwierigen Lebenssituationen der vielen Flüchtlinge bestehen seit Jahrzehnten und ähneln sich sehr“, sagt Prinsloo, und stellt im Namen der Projektgruppe fest: „Es scheint an langfristigen Lösungen zu fehlen und ist dringend an der Zeit, diese zu schaffen.“ Das wäre in der Tat eine gute Idee 😉

Vermeidbare Missstände werden produziert

Die Politik bleibe bedenklich passiv, statt der Entwicklung aktiv und vorausschauend zu begegnen, kritisiert die Projektgruppe in ihrem Thesenpapier. Zweifelhafte Abschiebeabkommen könnten zu Kettenreaktionen führen. Die Kommunen aber würden mit den Problemen von Unterbringung und Betreuung allein gelassen. Deutschland schaffe so an vielen Stellen vermeidbare Missstände – wirksame Reformen sehen anders aus.

"Kein Land in Sicht" - Open Ohr zum Thema Flüchtlinge
Feiern mit Irie Revolte auf der Hauptbühne des Open Ohr 2014 – Foto: gik

So will das Open Ohr gewohnt gründlich auch gesellschaftliche Zusammenhänge beleuchten, nach Ursachen forschen, Hintergründe erhellen. Besonders wird Wert gelegt auf einen Austausch zwischen Schutzsuchenden, Aktionisten, Helfern und Besuchern, Künstlern und Gästen – über die verschiedenen Kulturen hinweg.

Menschen wie Du und Ich

„Es geht bei Flüchtlingen doch um Menschen wie du und ich“, betont Johanna Metzner, die 2015 das erste Mal in der Projektgruppe mitarbeitet. Durch die strenge Regeln, isolierten Wohnungen und Arbeitsverbot entstünden oft Parallelwelten, da sei das Engagement der Mainzer für die Flüchtlinge besonders wichtig. „Wir möchten uns auf dem Festival auch ein Bild von diesem vorbildlichen Einsatz machen“, erklärt Metzner.

Viel Stoff also für die vier Tage von Donnerstag bis Montagabend, das Datum in diesem Jahr: 22. bis 25. Mai. Welche Künstler und Bands dann in Mainz spielen, da hält sich die Freie Projektgruppe noch bedeckt. Erste Bestätigungen gebe es aber schon. Und wir freuen uns schon!

Info& auf Mainz&: Das 41. Open Ohr findet vom 22. bis 25. Mai statt, das ist das Pfingstwochenende. Ort: die Mainzer Zitadelle über dem Südbahnhof. Der Kartenvorverkauf wurde soeben gestartet: Ab sofort könnt Ihr Dauerkarten über das Internet oder per Telefon bestellen, oder bei den Vorverkaufsstellen kaufen.

Tageskarten gibt es nur an der Tageskasse. Kosten: 34,- Euro im Vorverkauf für eine Dauerkarte, 35,- Euro an der Festivalkasse. Tageskarte je 20,- Euro, am Montag 10,- Euro. Sozialausweisinhaber jeweils die Hälfte, Kinder bis einschließlich 13 Jahren kommen kostenlos rein. Alle Infos auch unter www.openohr.de. Einen Bericht über das 40. Open Ohr 2014 findet Ihr hier – zum Einstimmen und Nachsinnen 😉

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