Kaum ist das Wochenende vorbei, stehen schon die nächsten Termine Schlange – Ihr sollt Euch ja nicht langweilen 😉 Am Donnerstag gibt es einen besonderen Leckerbissen für Fans von Poesie, für Interessierte an Religionskritik, und für Politikinteressierte am Arabischen Frühling – also eigentlich für Euch alle da draußen. Am 30. Januar ist nämlich der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani zu Gast in Mainz. Kermani hält eine Poetikvorlesung und einen Workshop, beides ist öffentlich, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Kermani ist ein Deutsch-Iraner, der sich immer auch in aktuelle Debatten rund um Islam, Christentum und den Arabischen Frühling eingemischt hat. Seine Romane sind vielfach preisgekrönt und drehen sich um Gott, den Islam und die Grenzerfahrung, als Iraner in Deutschland zu leben. „Schöner neuer Orient“ und sein jüngstes Buch „Ausnahmezustand“ berichten aus dem Vorderen Orient, aus Ägypten, Pakistan, Afghanistan und dem Iran. Mit „Wer ist wir? Deutschland und seine Muslime“ wurde Kermani zum Islam-Erklärer in unserem Land. Immer wieder kritisierte Kermani die Verzerrung des Religiösen, schreibt über das „Dynamit des Geistes. Martyrium, Islam und Nihilismus.“

Eklat um Kreuzeskritik beim Hessischen Kulturpreis

Aber auch den Christen hält er den Spiegel vor, etwa als er 2009 mit Schaudern fragt, warum bloß die Christen einen am Kreuz verstorbenen Christus verehren – und löste damit eine heftige Kontroverse rund um den Hessischen Kulturpreis aus. Der Preis sollte nämlich an Kermani, den damaligen evangelischen Kirchenpräsidenten Peter Steinacker und den Mainzer Kardinal Karl Lehmann gehen, alle drei sollten für „interreligiöse Toleranz“ geehrt werden. Lehmann lehnte allerdings den Preis gemeinsam mit Kermani zunächst ab – wegen dessen Kreuzeskritik. Nach langem Hin und Her – und einer Aussprache – wurde der Preis im November 2009 doch noch an alle drei verliehen.

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Aber zurück zu Kermani. Der studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Köln, Kairo und Bonn und wurde bereits mit seiner Doktorarbeit berühmt: „Gott ist schön: Das ästhetische Erleben des Koran“ wurde auch ein sehr erfolgreiches Buch, das Kermani 2000 gleich den Ernst-Bloch-Förderpreis einbrachte. 2009 war Kermani Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, im Sommer 2010 Gastdozent für Poetik an der Frankfurter Universität.

Brücke zwischen Orient und Okzident – bei Goethe

Goethe und Suleika - Foto gik
Suleika, Gedicht aus Goethes West-Östlichem Divan von 1819 – Foto gik

Nun kommt Kermani also auf Einladung der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zur Poetikdozentur nach Mainz. Um 10.15 Uhr hält er zunächst einen Workshop, um 18.15 Uhr beginnt ein öffentlicher Vortrag mit dem Thema: „Gott-Atmen. Goethe und seine Religionen.“ Und darin widmet sich Kermani dem Deutschen, der schon einmal die Grenzen zwischen Orient und Okzident zu überbrücken suchte: Johann Wolfgang von Goethe. Der veröffentlichte 1819 den „West-östlichen Divan“, eine Gedichtsammlung, die – inspiriert vom persischen Dichter Hafis – tief in den Islam, den Orient und die Liebe eintaucht.

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

dichtete Goethe in dem Werk, doch was hier so salopp in Sprücheform daherkommt, ist nur die oberste Schicht, die vielen anderen darunter weicht, wie diese Passage zeigt:

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen.
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich preßt,
Und dank’ ihm, wenn er dich wieder entläßt

Ausgehend von dieser Passage – die wohl ein tiefes Verstehen Goethes der islamischen Mystik zeigt – will Kermani über Goethes Verhältnis zum Islam und zum Religiösen als solchen nachdenken. Beim öffentlichen Vortrag am Abend werden die Goethe-Texte vom Frankfurter Schauspieler Isaak Dentler gelesen.

Man darf also gespannt sein, auf dieses Treffen der Kulturen in gleich mehreren Dimensionen: historisch-modern, deutsch-iranisch, orientalisch-westlich….. &All das passt schließlich auch zum neuen Roman Kermanis, der „Große Liebe“ heißt und Anfang Februar erscheinen soll. Bestimmt spielt auch dieses Werk eine Rolle in Mainz.

Infos: Navid Kermani, Workshop, Donnerstag, 30. Januar 2014, Beginn: 10:15 Uhr, Ort: BKM-Gebäude auf der anderen Seite der Saarstraße, Raum 03, Kantstr. 2, 55122 Mainz.

Der Vortrag „Gott-Atmen. Goethe und seine Religionen“ findet im Philosophicum auf dem Uni-Campus statt: Donnerstag, 30. Januar 2014, Beginn: 18:15 Uhr, Hörsaal P2, Philosophicum, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz. Den vollständigen Text der Einladung findet Ihr hier: http://www.uni-mainz.de/veranstaltungskalender/ADW_poetikdozentur.pdf

 

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