Do-it-Yourself ist ja inzwischen das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Es zeigt sich auf der Designmesse Stijl, auf Festen wie am Gartenfeldplatz – und es zeigt sich in den vielen kreativen Läden, die in Mainz ja derzeit geradezu aus dem Boden schießen. Nun macht einer dieser Läden Do-it-yourself zum Gegenstand: Klotz & Quer heißt der kleine Laden am Gartenfeldplatz, der seit genau einer Woche geöffnet ist.

Klotz & Quer: Do-it-Yourself hat jetzt einen Laden - Mainz&-Serie "Coole Läden"
Aus dem Rahmen fallen – bei Klotz & Quer ist das Programm – Foto: gik

Das erste, was auffällt, ist das Schaufenster: Hinter der großen Scheiben warten ein Tisch und zwei Hocker und Stühle darauf, dass sich jemand niederlässt. Dann geht der Blick von innen auf den Gartenfeldplatz – von außen aber wird der Besucher ein Teil des Kunstwerks, das seinen Rahmen durch das Fenster erhält.

Genau das ist die Idee von Klotz & Quer: „Wir wollen einen Raum schaffen für kreative Ideen“, sagt Susanne Wagenbach, eine der beiden Inhaber des neuen Ladens. „Wir laden Leute, ein, mit Do-it-Yourself-Produkten herzukommen und sie bei uns umzusetzen“, sagt die 35-Jährige. Dafür gibt es hinten im Laden einen großen Basteltisch, hier sitzen Besucher und fertigen Masken oder Collagen oder…

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Zehn Bastel-Arbeitsplätze bietet der Laden an, wer will, kann ganze Bastel-Menüs erstehen – Boxen, in denen alle nötigen Utensilien für ein Bastel-Projekt schon fertig zusammengestellt sind. Dazu stellen die Macher von Klotz & Quer auch die Maschinen zur Verfügung: Nähmaschine und automatische Strickliesel, Sprühdosen, Lötkolben – einfach alles. Eine eigene Werkstatt gibt es am Kaiser-Wilhelm-Ring, ab Mai soll die dann auch den Klotz & Quer-Kunden offen stehen.

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Ein Holzdeckel für die Badewanne – coole Idee von Alexander Martens – Foto: gik

Alexander Martens ist der kreative Kopf im Klotz und Quer-Team. Von ihm stammen auch die Möbel im Fenster und im Laden, alte Tische etwa, ein wunderbares, niedriges Regal mit Schubladen aus einem hellen Holz. „Hier, dieser Tisch“, zeigt Alexander, „ist aus alten Theaterbohlen gemacht“ – 60 Jahre alte Fasseiche wurde dafür verarbeitet, transparente Metallfüße machen das Ensemble zum Kunstwerk.

Nebenan im Badezimmer des Ladens wartet eine andere Erfindung: Ein wunderschöner Holzdeckel für eine Badewanne, die in dem kleinen Raum Schmuck und Ablage zugleich ist. „Ich bin eigentlich immer auf der Suche“, erzählt der gelernte Schlosser. Oft finde er Teile von Möbeln auf der Straße, viel später dann kombiniere sich das Gefundene mit etwas Anderem zu einem Möbelstück. So bekam einer der Tische aus dem Gestellt einer alten Saftpresse einen neuen Unterbau.

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Sitzecke mit Vintage-Möbeln an der blauen Wand – Foto: gik

Auch die Fotos im Laden sind zum Teil von Alexander, der von sich erzählt, er sei  eigentlich schon alles gewesen: Gepäckabfertiger, Gärtner, Entrümpler. „Ich kann vieles, aber nichts richtig“, meint Alexander bescheiden. „Ach was“, sagt Laden-Partnerin Susanne, „der kann einfach alles“ – und lacht. Inspiration aus der Umgebung, mit offenen Augen durch die Welt gehen, das ist der Ansatz bei Klotz & Quer – eine Art Fortsetzung der Kreativmesse Stijl mit anderen Mitteln.

Aber haben da vielleicht auch zwei Leute die Not zur Tugend gemacht, aus Do-it-Yourself eine Geschäftsidee entwickelt? „Ich habe dafür einen Job an den Nagel gehängt“, sagt Susanne, und erzählt so nebenher, dass sie Luft- und Raumfahrttechnikerin ist. Wie bitte? Ja, sagt sie, sie habe am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Bremen gearbeitet, an einem Traumprojekt: der Entwicklung von robotrischer Raumfahrt auf anderen Planeten.

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Die Macher von Klotz & Quer: Susanne Wagenbach & Alexander Martens – Foto: gik

Warum, bitte, gibt man so einen Job auf? Der Job sei extrem zeitintensiv, berichtet Susanne, 14 Stunden am Tag seien normal. „Man wird extrem entfremdet von seiner Familie und den Dingen, die einem am Herzen liegen“, sagt sie, und irgendwann merkte sie, dass sie mehr Zeit für Mann, Sohn und Hund wollte als eine knappe Stunde pro Tag. Fünf Jahre habe sie in Bremen in der Raumfahrt gearbeitet, „da ist mit der Zeit das Gefühl gewachsen, dass das nicht der richtige Weg ist.“

Spannend, diese Generation, die sich immer stärker das Recht nimmt, unsere alten Arbeitsmuster zu hinterfragen, die Geld und Karriere eben nicht als das höchste aller Ziele sieht. Die neue Währung unserer Zeit und der jüngeren Generationen heißt: Zeit. „Ich habe gewählt: viel weniger Geld, aber dafür Zeit, um sie mit Freunden zu verbringen und schöne Produkte zu machen“, sagt Susanne.

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Raum zum Basteln & Gestalten bei Klotz & Quer – Foto: gik

Und so verkaufen die Macher bei Klotz & Quer auch schöne Produkte von Designern aus der Region, Vasen und Gläser aus alten Weinflaschen etwa. Mit 15 Produzenten wird hier zusammen gearbeitet, dazu mit Designstudenten der Fachhochschule. Upcycling sei da ein großes Thema, erzählt Susanne, Vintage-Möbel natürlich auch.

Für den Durst gibt’s im Klotz & Quer allerlei Flüssiges von Saft bis hin zum Eulchen, dem neuen Neustadt-Bier, das es ja mal kurz in der Lessingstraßen-Trinkhalle auf dem Kaiser-Wilhelm-Ring gab. Klotz & Quer – das ist auch der Ansatz, die Mainzer Kreativszene zu vernetzen. Und weil es davon so viele gibt, startet Mainz& hiermit eine neue Serie. Freut Euch auf Wolle & Möhren, auf Stullen, Weine, Eulen und viel mehr – auf die neue Mainz&-Serie „Coole Läden in Mainz“!

Info& auf Mainz&: Klotz & Quer am Gartenfeldplatz, offizielle Adresse: Kurfürstenstraße 7, direkt neben dem Schrebergarten mit den leckeren Kumpirs. Mehr über Klotz & Quer findet Ihr auf dieser Facebook-Seite.

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