Paukenschlag in Sachen Kultur: das Mainzer Staatstheater soll ab 2016 sage und schreibe 750.000 Euro mehr bekommen. Das sei nötig, um das bestehende Angebot des Drei-Sparten-Hauses aus Theater, Oper und Ballett und „die kulturelle Strahlkraft“ des Hauses als „lebendiger, modernen Spielbetrieb“ zu erhalten, heißt es im Koalitionsvertrag der Ampel 2.0 in Mainz.

Kultur-Ampel: KUZ, Staatstheater, freie Szene
Das Staatstheater in Mainz – Foto gik

Damit darf sich das Theater auf satte 1,5 Millionen Euro mehr Geld freuen, da das Land vertragsgemäß dieselbe Summe oben drauf legen muss. Man darf getrost davon ausgehen, dass dies mit dem Land bereits besprochen ist – Michael Ebling (SPD) war vor seinem Job als Oberbürgermeister von Mainz Staatssekretär bei Doris Ahnen (SPD) – und die ist nicht nur Ministerin für Bildung, sondern auch für Kultur.

Doch die Kulturschaffenden sollten sich nicht zu früh freuen: Spätestens ab 2016 will man mit dem Land darüber verhandeln den städtischen Zuschuss fürs Theater dauerhaft zu senken – etwa dadurch, dass das Land mehr Geld gibt oder aber durch „eine Veränderung des Theaterangebots.“ Droht da das Ende des Drei-Sparten-Hauses?

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Investitionen ins KUZ, mehr Geld für freie Träger

Kultur-Ampel: KUZ, Staatstheater, freie Szene
Das KUZ in Mainz – Foto: KUZ

Überhaupt kosten die Kultur-Bauten in Mainz die Stadt viel Geld: Gerade hat die Stadt das Kulturzentrum KUZ übernommen, doch damit kommen auf die Stadt erhebliche Investitionen in Sachen Sanierung zu. Besonders in Sachen Brandschutz muss nachgebessert werden, aber auch beim Lärmschutz – dumm, wenn man in unmittelbarer Nachbarschaft Edelwohnungen baut, ohne die Frage des Lärmschutzes richtig zu regeln…

Im Gespräch ist offenbar, die KUZ-Halle abzureißen und die Veranstaltungen im vorderen, denkmalgeschützten Teil des Gebäudes stattfinden zu lassen. Es wäre der Tod einer Veranstaltungslegende. Die Phoenixhalle, die ja ebenfalls vor dem Aus steht, kommt in dem neuen Koalitionsvertrag übrigens nicht vor – sie ist nicht in städtischem Eigentum, und die Stadt lehnte den Berichten zufolge ab, sie zu erwerben. Aber darum kümmern wir uns demnächst genauer 😉

Bevor Ihr Euch Sorgen macht: das Open Ohr bleibt, was insofern kein Kunststück ist, als das Festival seine eigenen Kosten wieder einspielt, und die Stadt kein Geld kostet 😉 Allerdings will die Stadt die freie kulturelle Szene stärken, vor allem mit Projektförderung. Es gebe eine „ernsthafte Perspektive“, für freie Träger die Mittel zu erhöhen, sagte Ebling.

Schnittstelle 5 bleibt, Komissbrotbäckerei soll kommen

Auch soll die Zwischennutzung von leer stehenden Gewerbeimmobilien durch die Vermittlungstelle „Schnittstelle 5“ soll fortgeführt werden. Und in der Neustadt soll endlich ein Konzept für die Komissbrotbäckerei als offenem Zentrum für kleinere Projekte und Gruppen entwickelt werden. Da sind wir mal gespannt, Papier ist ja bekanntlich geduldig 😉

Jüdisches Erbe und Gedenken

Falls Ihr es noch nicht wisst: Mainz war im Mittelalter eines der Zentren des aschkenasischen Judentums, von Mainz aus wurden die Regeln des abendländischen Judentums entwickelt und festgesetzt. Allerdings nicht von Mainz allein: Das jüdische Magenza war gemeinsam mit Speyer und Worms Teil einer Städtetrilogie, die als Zentrum des Judentums verehrt wurde. Aus den Anfangsbuchstaben wurde der jüdische Name SchUM gebildet – für Speyer, Worms mit U und Magenza.

Kultur-Ampel: KUZ, Staatstheater, freie Szene
Die neue Mainzer Synagoge – Foto: gik

Die Auslöschung der jüdischen Geschichte in Mainz begann schon im Mittelalter, die Nazis schließlich vernichteten eine blühende jüdische Gemeinde mit einem reichen Kulturleben. Nur langsam erholt sich die jüdische Gemeinde in Mainz wieder, der Neubau der Synagoge in der Mainzer Neustadt aber ist ein Zeichen für die Rückkehr jüdischen Lebens nach Mainz.

Die Stadt Mainz will nun zusammen mit Speyer und Worms das jüdische SchUM-Erbe als Unesco-Weltkulturerbe anerkennen lassen, die Chancen stehen nicht schlecht. Dazu soll – so der Koalitionsvertrag – ein Haus des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus entstehen. Es soll ein Lernort für Demokratie und Akzeptanz werden, der auch aktuellen Tendenzen von Hass und Ausgrenzung entgegen tritt. Ein Pfad der Erinnerung soll in den kommenden fünf Jahren ebenfalls umgesetzt werden.

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