Wenn man in Mainz eine Grube gräbt, fällt ja bekanntlich ein Römerschiff heraus – nun, im Mainzer Zollhafen kam bei Bauarbeiten tatsächlich mal wieder ein Schiff zutage. Ein Römerschiff war es aber nicht: gefunden wurde ein etwa 15 Meter langer Lastkahn aus der Barockzeit. Es ist ein ziemliches Wrack, was da im Sand ganz in der Nähe des Rheins liegt. Begeistert sind die Archäologen trotzdem: „Es ist ein Baustein für die Geschichte von Mainz“, sagte Landesarchäologin Marion Witteyer Mainz&. Wie alt genau das Wrack ist, sollen jetzt weitere Untersuchungen zeigen.

Lastkahn aus der Barockzeit im Mainzer Zollhafen gefunden
Wrack des Lasdtkahns aus der Barockzeit im Sand des Zollhafens – Foto: gik

„Wir vermuten, dass es sich um einen Lastkahn aus dem 17. bis 18. Jahrhundert handelt“, sagt Hans Marg, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Landesarchäologie und Schifffahrtsexperte. Etwa 15 Meter lang und mindestens 5 Meter breit sind die Holzplanken in der Baugrube für einen Wohn- und Bürokomplex am Zollhafen. Das Holz sei sehr weich, die Planken fielen einem beim Graben entgegen, berichtet Marg.

Flacher Kahn mit großem Ruder

Auffallend sei außerdem ein großes Ruder am Heck, das zeige, dass der Kahn für das Navigieren auf flachen Rheinstellen ausgelegt war. Der Bug ist abgebrochen, die Stelle verschwindet in der Wand der Baugrube – möglich deshalb, dass der Kahn sogar noch ein Stück länger war.

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Lastkahn aus der Barockzeit im Mainzer Zollhafen gefunden
Heck des im Zollhafen gefundenen Lastkahns aus der Barockzeit, links das große Seitenruder – Foto: gik

Gefunden wurde bislang nur das Wrack mit seinen Holzteilen, aber weder irgendwelches Zubehör noch Transportbehälter oder gar menschliche Reste. „Das Schiff wurde vermutlich an Land gezogen, weil es nicht mehr fahrtüchtig war, und dann hier verrotten gelassen“, glaubt Marg. Früher dürfte hier, heute rund 200 Meter vom Rhein entfernt, wohl das Rheinufer gewesen sein, der Kahn lag auf dem Ufer und wurde nach und nach mit Sand zugedeckt, bis er nicht mehr zu sehen war.

Römerreste nicht mehr zu erwarten

Lastkahn aus der Barockzeit im Mainzer Zollhafen gefunden
Die Mittelplanken des im Zollhafen gefundenen Lastkahns aus der Barockzeit – Foto: gik

Geschehen sein muss all das weit vor 1880 – dann nämlich wurde der Zollhafen ach den Plänen des Mainzer Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig erbaut. Doch die Gegend um den Zollhafen ist schon sehr lange Siedlungsgebiet: Schon die Römer hatten hier eine Siedlung, erzählt Marg, um den Zollhafen herum wurden deshalb in der Vergangenheit immer mal wieder römische Scherben gefunden. Spektakulärster Fund war hier in der Ecke die Jupitersäule, doch das war einige hundert Meter entfernt, in der heutigen Neustadt.

Witteyer erwartet deshalb in der jetzigen Zollhafen-Grube keine Römerreste mehr. „Wir werden auch nicht tiefer graben“, sagte die Landesarchäologin, was jetzt noch im Sand liege, „darf in Frieden weiter ruhen.“ Große Funde sind aber in dem völlig sandigen Boden eh‘ nicht zu erwarten – der Rhein hatte hier in der Vergangenheit ständig wechselnde Ufer, Gebäude standen hier deshalb wohl eher keine.

Einblick in die Schifffahrt in Mainz zwischen 1648 und 1789

Lastkahn aus der Barockzeit im Mainzer Zollhafen gefunden
Die Baugrube am Zollhafen für das Wohn- und Geschäftshaus mit dem Wrack des Lastkahns – Foto: gik

Der jetzt gefundene Lastkahn stammt eher aus der Zeit irgendwann nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) bis zur Französischen Revolution von 1789. Was genau der Kahn geladen hatte, wissen die Forscher noch nicht. Die Seitenwände des Lagerraums seien sehr glatt und ließen bisher keine Rückschlüsse zu, sagte Marg. Im Sand der Umgebung seien zwar einige Tonscherben von Keramik aus dem Westerwald gefunden worden, ob die aber was mit dem Wrack zu tun hatten, sei völlig unklar. „Es bedarf da noch einiger Literaturrecherchen über diese Art von Lastkähnen auf dem Rhein“, fügte er hinzu.

Eine archäologische Sensation ist der Fund also eher nicht. Spannend ist das Wrack trotzdem: Es gibt einen Einblick in die Alltagswelt der Schifffahrt am Rhein in Mainz. Wann genau, „das muss die Datierung der Jahresringe ergeben“, fügte Witteyer hinzu.

 

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