Hochsommer, draußen 35 Grad im Schatten, jetzt eine kalte Dusche – und dann das: „Sofortiges Duschverbot“ prangt in roter Schrift im Hausflur in der Trajanstraße. Schätzungsweise mehrere Dutzend Bewohner der großen Wohnanlage auf dem Kästrich sind derzeit von einem Duschverbot betroffen. Der Grund: Legionellen in der Leitung.Was die Mieter aber besonders empört ist, wie damit umgegangen wird: „Seit dem Aushang bewegt sich hier gar nichts“, sagte eine Mieterin Mainz&.

Legionellen: Duschverbot auf dem Kästrich
Ein Aushang, das war’s: Legionellen in der Trajanstraße

Betroffen sind offenbar eine Reihe von Wohnungen in der Trajanstraße, der Germanikusstraße und der Drususstraße. In der Trajanstraße sind die Hauseingänge 4 bis 14 betroffen, so steht es auf einem Aushang im Flur der Gebäude. Am 28. April wurden hier in verschiedenen Wohnungen Trinkwasserproben genommen, das Ergebnis war alles andere als gut: Bis zu 16.000 koloniebildende Einheiten wurden in 100 Milliliter Wasser gefunden. „Damit wurde der technische Maßnahmenwert der Trinkwasserordnung für Legionellen erheblich überschritten“, heißt es weiter.

Im Klartext: Auf dem Kästrich gilt Warnstufe rot. Als unbedenklich gelten Kolonien-Mengen (so heißt die Messeinheit) von unter 100 pro Milliliter, ab 10.000 spricht man von einer „extrem hohen“ Kontamination, die sofortige Maßnahmen notwendig macht.

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Legionellen: Duschverbot auf dem Kästrich
Dürre Mitteilung in Technikdeutsch: Legionellen in der Trajanstraße

Tatsächlich ist das Duschverbot schon eine der Hauptmaßnahmen für Bewohner mit Legionellenproblem, der Grund: Legionellen werden dann gefährlich, wenn sie eingeatmet werden, und in den Lungen Lungenentzündungen verursachen. Das Zerstäuben von Wasser macht das Einatmen erst so richtig möglich, deshalb das Duschverbot. Vorsicht ist aber durchaus auch bei Springbrunnen, Wasserfontänen und Klimaanlagen geboten, gerade bei heißen Temperaturen.

Legionellen gedeihen nämlich besonders gut in 25 bis 55 Grad heißem Wasser, 35 bis 37 Grad sind für sie optimal zur Vermehrung. Experten sehen deshalb als Hauptquelle große Heißwassertanks in Mehrfamilienhäusern an – und Leitungen, in denen lange Wasser steht. Das aber könnte ein Problem auf dem Kästrich sein: Dort standen zumindest in den vergangenen Jahren Wohnungen oft lange leer, weil sich kein Käufer fand.

In Mainz treten Probleme mit Legionellen seit einem Jahr vermehrt auf: Gonsenheim, Hartenberg, Münchfeld, Goetheplatz, gleich eine ganze Reihe von Anlagen meldeten Legionellen-Probleme, mancherorts galt monatelang ein Duschverbot. Der Grund dafür dürfte in einer Gesetzesänderung liegen: seit 2011 sind Besitzer großer Wohnanlagen verpflichtet, alle drei Jahre eine Überprüfung des Trinkwassers nachzuweisen. Und 2011 bis 2014 sind…? Genau: drei Jahre.

Um es ganz deutlich zu sagen: dazu zu sagen: Legionellen sind nicht per se gesundheitsschädlich, Erkrankungen bei Menschen gelten als selten, heißt es Helmholtz-Zentrum in München. Unterschätzen sollte man das Problem aber auch nicht: Pro Jahr seien rund 10.000 Fälle von Lungenentzündungen auf Legionellen zurückzuführen, schätzen Experten. Tödlich verlaufen davon etwa 15 Prozent, bei immungeschwächten Menschen sind es aber sogar 80 Prozent.

Zur Risikogruppe zählen vor allem ältere Menschen, Raucher, chronisch Kranke, aber auch alle, die gerade gesundheitlich ein angeschlagenes Immunsystem haben. Zur Risikogruppe zählen auch Diabetiker und Menschen mit Schluckbeschwerden, ebenso Extremsportler nach Hochleistung wie etwa einem Triathlon. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen, Erwachsene eher als Kinder.

All diese Informationen aber scheinen auf dem Kästrich zu fehlen. Die Mieter seien durchaus verzweifelt und machten sich Sorgen, was denn da jetzt passiere, berichtete die Mieterin: „Es ist kein ernsthafter Fortschritt erkennbar.“

Mainz& findet: Es kann ja wohl nicht sein, dass Mieter und Wohnungsbesitzer in so einem Fall alleine gelassen werden. Eine anständige Kommunikation sollte bei so einem Problem doch nun wirklich drin sein. Und darunter verstehen wir: ausführliche Schreiben über das Problem, Hinweise zur Prävention, Aufklärung und vor allem Informationen, wie es jetzt weiter geht. Und das bitte nicht nur, wenn jemand anruft!

Info& auf Mainz&: Mainz& lässt Euch nicht allein – und hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Legionellen zusammengestellt.

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