Legionellen sind gerade in den vergangenen Monaten ein weit verbreitetes Problem in Mainz. In gleich mehreren großen Wohnanlagen tauchten Probleme mit den Keimen auf, als Ursache gelten große Wassertanks im Heizsystem oder weit verzweigte Warmwasserleitungs-Systeme. Wie gefährlich sind Legionellen aber wirklich, wer sollte sich hüten, und was kann man dagegen tun? Mainz& gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wir verneigen uns dabei dankbar vor dem Helmholtz-Zentrum in München, dem Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das im Mai 2004 eine umfangreiche Analyse zum Problem Legionellen im Trinkwasser herausgab. Auch das Robert-Koch-Institut hat einen Ratgeber Legionellose herausgegeben.

Legionellen: Woher kommen sie?

Legionellen sind weltweit in der Natur als Bestandteil der Mikroflora des Wassers vorkommende aerobe Bakterien, die in geringer Zahl in allen Oberflächengewässern und im Grundwasser vorhanden sind. Ihre Vermehrung hängt vor allem von der Temperatur ab: zwischen 25 und 45 Grad können sie sich gut vermehren, optimales Wachstum findet bei 35 Grad statt. Erst ab 50 Grad wird’s für die Legionellen ungemütlich, über 60 Grad überleben sie nicht mehr.

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Gefahrenherde und mögliche Quellen

Als Gefahrenherd Nummer 1 für Legionellen gelten große Heißwassermengen, wie sie in Heißwasseranlagen großer Wohnblocks vorkommen. „Zu einer hohen Anreicherung von Legionellenkeimen kommt es typischerweise in Heißwassertanks“ sowie in Neubauten, nach Sanierungen oder Umbauten, heißt es beim Helmholtz-Zentrum. Zu niedrige Betriebstemperaturen unter 60 Grad können dort zur Legionellenvermehrung führen. „Häufig wird jedoch aus Gründen der Energieeinsparung diese Temperatur nicht erreicht“, heißt es bei den Mainzer Stadtwerken.

Gefahrenherd Nummer 2: „Bereiche des Wasserleitungssystems, in denen gelegentlich oder regelmäßig eine Stagnation des Wassers eintritt“, also stillgelegte Leitungen, Totstränge, aber auch „vorübergehend nicht genutzte Wohnungen“ sowie saisonal betriebene Anlagen wie Campingplätze, Freibäder, Sportanlagen, Saunas und Whirlpools, aber auch Fontänen oder Springbrunnen.

In welcher Konzentration sind Legionellen schädlich?

Die Experten messen Bakterienkeime in „koloniebildenden Einheiten“ (KBE). Unter 100 KBEs pro 100 Millilimeter gelten als geringe Kontamination, ab 1000 Kolonien spricht man von hoher Konzentration. Dann ist bereits eine kurzfristige Sanierung erforderlich. Über 10.000 Kolonien sind eine „extrem hohe“ Kontamination, die eine direkte Gefahrenabwehr nötig macht. Dazu gehören Desinfizierungen und Maßnahmen wie Duschverbot. Eine Sanierung ist unbedingt erforderlich.

Warum sind Legionellen gefährlich?

Legionellen können Infektionen vor allem dann verursachen, wenn sie in größeren Konzentrationen eingeatmet werden. Die Behörden warnen deshalb bei Legionellen im Wasser vor dem Duschen, weil dabei Wasser zerstäubt wird und die Keime so eingeatmet werden können. Dasselbe gilt für alle Anlagen, bei denen Wasser zerstäubt wird – auch bei Klimaanlagen kann das der Fall sein.

Im Körper können die Keime dann entweder das sogenannte Pontiac-Fieber auslösen mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Myalgien, Husten, Fieber und Kopf- und Gliederschmerzen. Legionellen können aber auch die sogenannte Legionärskrankheit auslösen, eine Lungenentzündung, die in etwa 15 Prozent der Fälle zum Tod führen kann.

Wer ist durch Legionellen nicht gefährdet?

Gesunde Menschen mit einem intakten Immunsystem sind durch Legionellen nicht gefährdet. Bei den Stadtwerken Mainz heißt es sogar, kaltes Leitungswasser könne unbedenklich getrunken werden. Wer sich unsicher ist, sollte lieber Wasser kaufen oder es abkochen – über 60 Grad ist Schluss für die Keime. Beim Helmholtz-Zemtrum heißt es darüber hinaus: „Erkrankungen beim Menschen sind trotz der weiten Verbreitung der Keime selten.“

Wer ist durch Legionellen gefährdet?

Gefährdet durch Legionellen sind vor allem ältere Menschen, Menschen mit angeknackstem Immunsystem oder chronisch Kranke – generell also Personen „mit einem immunschwachen Gesundheitszustand“, wie das Helmholtz-Zentrum schreibt. Dazu gehören aber nicht nur chronisch Kranke, sondern auch Menschen, die durch eine akute Behandlung geschwächt sind.Auch Diabetiker, Raucher und Extremsportler (Triathleten) gehören offenbar zu den Risikogruppen, Männer erkranken etwa doppelt so häufig wie Frauen. Die gute Nachricht: Kinder sind offenbar nicht verstärkt bedroht, Erwachsene erkranken sogar häufiger.

Wie häufig sind Erkrankungen durch Legionellen?

Das Helmholtz-Zetrum schätzte 2004 pro Jahr in Deutschland etwa 6.000 bis 10.000 Erkrankungen mit der Legionärskrankheit, das Robert-Koch-Institut spricht von jährlich rund 600 Erkrankungen. In der Osnabrücker Zeitung zitierte ein Amtsarzt im September 2013 eine Studie, nach der jedes Jahr 15.000 bis 30.000 Menschen in Deutschland an einer durch Legionellen verursachten Lungenentzündung erkranken. Tödlich verläuft die Krankheit bei  etwa 15 Prozent der Fälle, kann aber bei immungeschwächten Menschen auf bis zu 80 Prozent steigen.

Was hilft gegen eine Legionellen-Erkrankung?

Gegen Legionellen gibt es offenbar nur eine wirksame Therapie: Antibiotika.

Was hilft gegen Legionellen?

Die Experten nennen zur Abhilfe vor allem eines: Hitze. Aufheizung des Wasserkessels auf mindestens 70 Grad und das regelmäßig, thermische Desinfektion, eine regelmäßige Zirkulierung des Wassers in den Leitungen, auch eine Chlorung kann die Keime abtöten. Das Problem: liegt die Ursache im weit verzweigten Leitungssystem etwa in einem großen Mietskomplex, hilft Erhitzen nur kurz – es droht schnelle Wiederkehr der Keime.

Das Helmholtz-Zentrum empfiehlt eine regelmäßige Erwärmung des Warmwassers im Boiler auf mindestens 60 Grad, möglichst 1 x am Tag, „am Boileraustritt müssen 60 Grad eingehalten werden“, heißt es weiter. Problem: Viele Durchlauferhitzer enden heutzutage bei 60 Grad. Ob Filter in der Wasserleitung oder in Duschköpfen helfen, ist unklar – Mainz& sucht da noch nach verlässlichen Informationen.

Warum treten jetzt gerade so viele Legionellen-Fälle auf?

Das hat mit einer Änderung der Gesetzeslage zu tun: Seit 2011 gilt in der Trinkwasserverordnung eine Untersuchungspflicht für „alle Betreiber von Warmwasseranlagen, die ein Speichervolumen von mehr als 400 Litern haben, oder wenn der Leitungsinhalt der Rohrleitungen bis zur Verbrauchsstelle mehr als 3 Liter beträgt“, erklären die Stadtwerke Mainz.

Seither müssen die Hausbesitzer alle drei Jahre Untersuchungen nachweisen – und von 2011 bis 2014 sind es? Genau: drei Jahre. Es kann also durchaus sein, dass es gar nicht mehr Legionellen im Wasser gibt, sondern nur, dass es jetzt gefunden wird. Allerdings sollte das nicht dazu verleiten, das Problem nicht ernst zu nehmen. Panik ist aber genauso unangebracht 😉

Info& auf Mainz&: Alle verwendete Quellen findet Ihr hier noch einmal.

 

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