Nun legt das Coronavirus auch das öffentliche Kultur- und Veranstaltungsleben in Mainz weitgehend lahm. Die Stadt Mainz untersagt ab Donnerstag, 12. März 2020, per Verfügung alle Großveranstaltungen sowohl im Freien wie auch in geschlossenen Räumen mit mehr als 1.000 Besuchern. Veranstaltungen ab einer Größe von 500 Personen müssen dem Ordnungsamt gemeldet werden, bei ihnen muss eine Risikoabschätzung erfolgen. Die Allgemeinverfügung gilt ab dem 12. März und bis einschließlich 13. April 2020 – das ist Ostermontag. Abgesagt werden damit der Start des Mainzer Marktfrühstücks ebenso wie der Mainzer Rheinfrühling, der Weinmarathon oder die Verleihung des Stadtschreiberpreises kommenden Freitag. Auch die großen Ostergottesdienste im Dom werden betroffen sein, das Mainzer Staatstheater begrenzt die Zahl seiner Besucher ab sofort auf maximal 500.

"Leisten Sie keinen Beitrag zur Ausbreitung des Virus" - Mainz verbietet alle Großveranstaltungen bis 13.4. - 5 neue Coronafälle
Der Start des Mainzer Marktfrühstücks ist ebenso abgesagt wie alle Veranstaltungen über 100 Besucher in Mainz. – Foto: gik

„Wir handeln verantwortungsvoll“, betonte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Mittwoch in Mainz, „mein ernsthafter Appell ist: „Leisten Sie nicht unbewusst und ungewollt einen Beitrag zur Ausbreitung des Virus.“ Es müsse sich nun wirklich jeder überlegen, welche Veranstaltungen im Moment noch notwendig seien. Ebling reagierte damit auf die stark wachsende Zunahme von Infektionen mit dem neuen Coronavirus sowie auf die Empfehlungen des Bundes und des Landes Rheinland-Pfalz, Großveranstaltungen abzusagen. Am Montag hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gemeinsam mit Medizinern einen eindringlichen Aufruf gestartet, die Situation ernst zu nehmen und entsprechend zu reagieren: „Die Lage ist absolut ernst“, sagte Spahn, es gelte nun unbedingt, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

„Was wir momentan mit der weltweiten Ausbreitung des Virus erleben, ist sehr tiefgreifend“, sagte am späten Mittwochnachmittag auch Ebling: „Die Herausforderung für uns alle ist, dass wir uns alle überlegen welchen Beitrag können wir leisten, dass sich der Virus nicht so schnell ausbreitet, gebremst oder bestenfalls in der Ausbreitung behindert wird.“ Das gelte für jeden einzelnen ebenso wie für staatliche Stellen. „Gehen Sie bitte am Samstag nicht ins Theater, gehen Sie bitte nicht ins Kino“, bat der Oberbürgermeister, „Nutzen Sie die Zeit so, dass Sie in Ihrem Umfeld möglichst wenig mit Menschen zu tun haben.“ Es gelte, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, deshalb habe die Stadt Mainz beschlossen, alle Großveranstaltungen bis zum 13. April abzusagen.

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Abgesagt: der Mainzer Rhein-Frühling, die große Ostermesse. – Foto: gik

Auch in der Stadt Mainz stieg die Zahl der Infektionen am Mittwoch sprunghaft an: Binnen 24 Stunden habe es fünf neue bestätigte Fälle gegeben, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hoffmann, auf der Pressekonferenz. Alle fünf Fälle hätten sich offenbar beim Skilaufen in Italien und Österreich infiziert. Eine Person war in Südtirol zum Skilaufen gewesen, vier weitere Personen waren unabhängig voneinander im Skiort Ischgl in Urlaub. Die vier Personen hätten untereinander keinen Kontakt gehabt und seien unabhängig voneinander in Ischgl gewesen, sagte Hoffmann auf Nachfrage: „An diesem Ort hat es sich endemisch ausgebreitet.“

Alle fünf Fälle hätten sich in häusliche Isolation begeben, alle fünf Fälle verliefen bisher leicht,, sagte Hoffmann weiter, ein Krankenhausaufenthalt sei bei keinem notwendig. „Wir sind mit allen in telefonischem Kontakt“, sagte Hoffmann, das Gesundheitsamt „empfehle“, dass sich auch häusliche Partner in Isolation begäben. Auch aufgrund der neuen Fälle gebe es zudem nun eine dreistellige Zahl von neuen Verdachtsfällen, weitere Testergebnisse stünden noch aus. Wie viele Coronavirus-Tests das Gesundheitsamt bisher insgesamt durchgeführt hat, wollte Hoffmann nicht sagen. „Ich gehe von einer Dynamik aus, dass das bei Weitem noch nicht das Ende ist“, betonte er aber.

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Auch die großen Ostergottesdienste im Mainzer Dom werden so wohl nicht stattfinden können. – Foto: gik

„Wir beobachten die Situation“, betonte Ebling, ein Verwaltungsstab werde jede Woche tagen und die Situation fortlaufend neu bewerten. „Mein ernsthafter Appell ist, dass sich alle überlegen, welche Veranstaltungen sind noch im Moment notwendig“, sagte der OB. Vereinstreffen, Konzerte, Veranstaltungen – jeder einzelne müsse sich im Moment überlegen, was er selbst tun könne, um der Verbreitung des Virus keinen Vorschub zu leisten.

Die Stadt werde ab Donnerstag im Rahmen einer Allgemeinverfügung alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern im Veranstaltungsgebiet Mainz bis zum 13. April untersagen. Mit den 1000 Besuchern orientiere man sich an den bundesweit üblichen Größenordnungen. „Wir werden den Start des Marktfrühstücks verschieben, es wird den Mainzer Rheinfühling treffen und den Mainzer Weinmarathon“, sagte Ebling. Auch Veranstaltungen im Alten Postlager, der Halle 45, von Mainzplus sowie Veranstaltungen des Bistums seien betroffen. Die Umweltbewegung Fridays for Future sagte ihre für Freitag geplante Großdemonstration ebenfalls ab.

Das Mainzer Staatstheater, das KUZ oder der Frankfurter Hof müssen indes nicht schließen. Das Mainzer Staatstheater kündigte am Abend aber auf seiner Homepage an, seine Veranstaltungen auf eine Zahl von maximal 500 Zuschauern zu begrenzen. Der Grund: „Wir werden festlegen, dass alle Veranstaltungen ab 500 Personen beim Ordnungsamt angezeigt werden müssen“, sagte Ebling. Jede dieser Veranstaltung müsse genehmigt werden, „wir erwarten eine vollständige Risikoanalyse nach den Regeln des Robert-Koch-Instituts“, betonte Ebling. Beim Mainzer Ordnungsamt heißt es dazu, die Veranstalter müssten ausführlich Fragen beantworten, ob der Ort risikogeeigt sei und wie dicht die Besucher beeinander säßen. „Danach werden wir im Einzelnen entscheiden müssen, ob die Veranstaltung stattfinden kann“, sagte Ordnungsamtsleiter Ulrich Helleberg.

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Das Gutenberg-Museum in Mainz wird ebenfalls ab Donnerstag geschlossen. – Foto: gik

„Wir werden auch das Gutenberg-Museum schließen“, kündigte Ebling zudem an. Das Museum habe eine besonders internationale Besucherschaft, „wir hoffen damit, einen wesentlichen Beitrag zu leisten im Sinne der Gesundheit der Menschen.“ Nach Einschätzung von Virologen geht von Großveranstaltungen mit mehreren hundert Personen ein besonders großes Risiko aus, dass sich Viren schnell auf große Menschenmengen übertragen können. Auch ist es nahezu unmöglich, Infektionsketten bei solchen Veranstaltungen noch nachverfolgen zu können. Mit der Verfügung steht auch fest, dass die nächsten Spiele des Fußball-Bundesligisten Mainz 05 ohne Zuschauer stattfinden müssen – sofern sie überhaupt stattfinden können. Noch keine Entscheidung gibt es hingegen zum Mainzer Gutenberg-Marathon: Dieser finde im Mai statt, das sei für die Beurteilung der Lage noch sehr weit hin, sagte Ebling.

„Wir befinden uns mit unseren Maßnahmen durchaus im Rahmen“, sagte Gesundheitsdezernent Eckart Lensch (SPD) – andere Städte hätten noch weit drastischere Maßnahmen ergriffen. Schulen und Kitas will die Stadt Mainz aber auch weiter nicht generell schließen, sagte Lensch. Die Schließung solcher Einrichtungen wird von den Behörden derzeit bei Verdachtsfällen punktuell verfügt – am Mittwoch betraf das etwa eine Kita in Wiesbaden und eine Schule in Hochheim, auf die auch viele Kinder aus den rechtsrheinischen Vororten Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim gehen. Wiesbaden meldete am Mittwoch zwei neue bestätigte Infektionsfälle, einmal den Mann einer bereits erkrankten Frau, das Ehepaar war in Südtirol im Urlaub gewesen. Dazu wurde eine 27-jährige Frau aus Walluf, die sich Ende Februar in Italien infiziert hatte, in die Horst-Schmidt-Kliniken eingeliefert und dort isoliert. Sie habe sich zuvor in häuslicher Quarantäne befunden, ihr Gesundheitszustand habe sich aber verschlechtert, so dass sie nun in die Klinik gebracht wurde.

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Das Staatstheater Mainz hält seinen Spielbetrieb vorerst aufrecht, die Veranstaltungen werden auf maximal 500 Besucher begrenzt. – Foto: gik

Der zweite Wiesbadener Fall betrifft ein 5-jähriges Mädchen, das die städtische Kindertagesstätte Schlangenbader Straße besucht. Das Kind war mit grippalen Symptomen in der Kita gewesen, das Gesundheitsamt schloss die Kita deshalb bis zum 20. März. In Hochheim wurde am Mittwoch die Clemens-Brentano-Schule wegen eines möglichen Corona-Verdachtsfalls geschlossen, 750 Kinder nach Hause geschickt. Die Schule bleibe auch am Donnerstag geschlossen, teilte sie auf ihrer Homepage mit, der Verdachtsfall stehe im Zusammenhang mit „einem Rückkehrer aus einem Risikogebiet“, hieß es lediglich.

Die Zahle der Risikogebiete steigt derweil ebenfalls weiter: Am Mittwoch wurde die Region Grande Est in Frankreich ebenfalls zum Risikogebiet erklärt – das umfasst den gesamten Osten Frankreichs mit Elsass, Lothringen, der Champagne und den Ardennen. In Frankreich stieg die Zahl der mit dem Coronavirus-Infizierten nach Angaben der John Hopkins Universität auf über 1.787, in Deutschland stieg sie der gleichen Quelle zufolge mittlerweile auf 1.908. Weltweit sind demnach 122.399 Personen mit dem Coronavirus infiziert, 4.552 Menschen daran gestorben.

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Seife ist das wichtigste Desinfektionsmittel beim Kampf gegen das Coronavirus. – Foto: gik

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte die Coronavirus-Ausbreitung am Mittwoch als eine weltweite Pandemie ein. „Wir sind tief besorgt, sowohl wegen der alarmierenden Grade von Ausbreitung und Schwere als auch wegen der alarmierenden Grade von Untätigkeit“, betonte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Als Pandemie ist eine Infektionswelle dann klassifiziert, wenn sie sich weitgehend unkontrolliert weltweit über Ländergrenzen hinweg ausbreitet. Damit räumt die WHO erstmals auch öffentlich ein, dass die Infektionswelle nicht mehr zu stoppen ist und sich die Bevölkerung weltweit jederzeit infizieren kann. Die meisten Toten gibt außerhalb des Ursprungslandes China gibt es inzwischen in Italien: Hier gibt es inzwischen 827 Tote bei 12.460 Infizierten.

Die Schulen in Mainz hätten inzwischen alle Seife auf ihren Schultoiletten, sagte Gesundheitsdezernent Lensch im Gespräch mit Mainz& weiter. Zugleich appellierte Lensch  auch an die Gaststätten in Mainz, Seife, heißes Wasser und auch Papiertücher zur Verfügung zu stellen. Intensives Händewaschen mit Seife gilt als eine der wichtigsten Vorsorgeregeln gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus – mehr Hygieneregeln findet Ihr hier beim Robert-Koch-Institut.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Situation um das Coronavirus in Deutschland könnt Ihr in diesem Mainz&-Bericht über die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn und führenden Virologen in Berlin nachlesen. Die Coronavirus-Epidemie ist zudem NICHT mit der normalen Grippe zu vergleichen, da es gegen Covid-19 KEINE Medikamente, KEINE Impfungen und KEINE Grundimmunität der Bevölkerung gibt. Schätzungen von Virologen zufolge werden sich mit dem Virus deshalb auf Dauer 60 Prozent der Bevölkerung anstecken, etwa 20 Prozent der Fälle verlaufen schwer. Bei 82 Millionen Deutschen würde das 9,8 Millionen schwere Fälle bedeuten. Deutschland besitzt derzeit 28.000 Betten auf Intensivstationen in Krankenhäusern. Einen wirklich guten Artikel, warum das Coronavirus  deutlich gefährlicher ist als die Grippe, findet Ihr hier bei Spektrum.de. Lesen!!!

Eine Liste von abgesagten Veranstaltungen in Mainz und Umgebung findet Ihr hier bei Mainz&. Eine sehr gute Übersicht des weltweiten Stands der Infektionen mit dem Coronavirus findet Ihr hier bei der John Hopkins Universität, diese Zahlen werden fortlaufend aktualisiert und sind deshalb deutlich präziser und aktueller als die des Robert-Koch-Instituts. Informationen über die Infektionsfälle in Hessen und den Umgang mit dem Coronavirus dort findet Ihr hier beim hessischen Gesundheitsministerium.

 

 

 

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