In Sachen Lesselallee überstürzen sich gerade die Ereignisse: Nachdem das Wiesbadener Verwaltungsgericht den Einspruch gegen die Fällung der 74 Kastanien auf der Lesselallee abgelehnt hat, kündigte Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) ja an, nun fällen zu wollen. Dagegen wiederum wendet sich die Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien“ – und strengt ein Bürgerbegehren an. In einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) bitten die Baumschützer eindringlich um Hilfe – und um Zeit, die Bürger abstimmen zu lassen.

Mit dem Bürgerbegehren will die BI die 74 uralten Kastanien in letzter Minute doch noch retten. Das Bürgerbegehren war schon länger geplant, sein Start wurde wegen der aktuellen Entwicklung nun vorgezogen. Die Abstimmung wäre „auch eine Möglichkeit, den Ortsfrieden in Kostheim wiederherzustellen“, sagte Marion Mück-Raab Mainz&: „Wir stellen uns damit dem Bürgervotum.“ Die BI appelliert gleichzeitig in einem Offenen Brief an Gerich, dem Bürgerbegehren Zeit und Raum zu ermöglichen.

Wunderschöne Lesselallee - Foto: gik
Gibt es noch Hoffnung für die wunderschöne Lesselallee? – Foto: gik

„Geben Sie uns Zeit für eine demokratische Abstimmung“

„Wir bitten Sie: Geben Sie uns die Chance, in einer angemessenen Frist die gesetzlich vorgeschriebenen Hürden für einen Bürgerentscheid zu nehmen“, heißt es in dem Brief, der Mainz& natürlich vorliegt. „Sorgen Sie dafür, dass die Pläne für die Fällung erst einmal gestoppt werden – geben Sie uns Zeit für eine demokratische Abstimmung.“

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Schließlich, argumentiert die BI weiter, gehe es um fast eine Viertelmillion Euro, die in eine Ulmenallee investiert werden sollten, deren Überlebenschance von Fachleuten als gering eingestuft wird. Die BI will stattdessen die Allee schrittweise verjüngen, kranke Bäume fällen und in die Lücken Bäume nachpflanzen. Die Kosten dafür seien mit den im Haushalt vorgesehen 220.000 Euro mehr als gedeckt.

Fällung ist „nicht alternativlos“

„Die Lösung, die wir anstreben, ist fachlich möglich, sie wird von unterschiedlichen Fachleuten unterstützt“, heißt es in dem Brief an Gerich weiter. Die komplette Fällung der ganzen Allee sei „nicht alternativlos.“ Gegen die Fällung gebe es Tausende von Unterschriften, in vier Wochen seien 4.500 Euro für juristische Schritte gesammelt worden. „Den Menschen in Kostheim liegt die Maaraue mit ihren Bäumen sehr am Herzen“, wird in dem Brief betont.

Bürger engagierten sich, würden aktiv – und müssten gleichzeitig erleben, dass sie „ignoriert und übergangen“ würden und sich „ohnmächtig den Entscheidungen der Stadt ausgeliefert“ sähen. „Sie sind angetreten mit dem Versprechen, Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen, Bürgerentscheide sind dafür ein Instrument“, lautet der Appell an Gerich.

Omnibus für mehr Demokratie kommt nach Wiesbaden

Kastanienherz Zaun Lesselallee - Foto privat
Geliebte Lesselallee, Kastanienherz am Zaun – Foto: privat

Für ihre Initiative erhalten die Kostheimer übrigens bundesweit Unterstützung: Am 5. November wird der „Omnibus für Direkte Demokratie“ ab 10.00 Uhr ganztägig an der Lesselallee halt machen. Der Omnibus ist eine Initiative für die direkte Demokratie und unterstützt deutschlandweit Initiativen bei Bürgerentscheiden. Die Bus-Crew wird noch zwei weitere Tage in Wiesbaden sein und für das Bürgerbegehren zur Lesselallee werben: am 6. November in der Wiesbadener Innenstadt am Mauritusplatz und am 7. November in Schloss Freudenberg. An allen drei Terminen können Bürger für das Bürgerbegehren unterschreiben.

„Sind Sie dafür, dass die Kastanienallee auf der Kostheimer Maaraue erhalten, die Verkehrssicherheit durch geeignete Pflegemaßnahmen hergestellt wird, und in Baumlücken, die durch zwingend nötige Fällungen entstehen, geeignete Baumarten nachgepflanzt werden?“ heißt es auf der Unterschriftenliste.

Podiumsdiskussion zu Mehr Demokratie

„Die vor über hundert Jahren gepflanzte Kastanienallee (Lesselallee) auf der Maaraue ist ein wertvolles Biotop“, heißt es zur Begründung. Sie biete Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und wirke sich als Biofilter positiv auf das Mikroklima aus. Zudem sei die Allee Kern eines Landschaftsschutzgebietes, „die Menschen in der Region fühlen sich tief verbunden mit der auch kulturhistorisch bedeutsamen Allee.“

Darüber hinaus findet am Mittwoch, 5. November 2014 um 19.00 Uhr im Kostheimer Bürgerhaus eine Veranstaltung zum Thema Bürgerentscheide statt. Zu Gast sind dann Brigitte Krenkers vom „Omnibus für Direkte Demokratie“ und Alexander Trennheuser vom Bundesverband „Mehr Demokratie“ sowie der Usinger Rechtsanwalt Roland Friedrich, der die Bürgerinitiative „Rettet unsere Kastanien“ in Sachen Bürgerbegehren berät.

Info& auf Mainz&: Für das Bürgerbegehren gegen die Fällung der Lesselallee dürfen nur Bürger mit Wohnsitz in Wiesbaden unterschreiben. könnt Ihr Euch an Marion Mück-Raab, BI „Rettet unsere Kastanien“ wenden, Email: mueck-raab@gmx.de. Omnibus für mehr Demokratie: 5. November Lesselallee, 6. November Mauritiusplatz, Wiesbaden, 7. November Schloss Freudenberg. Mittwoch, 5. November, 19.00 Uhr, Bürgerhaus Kostheim, Veranstaltung zum Thema Bürgerentscheide und Mehr Demokratie.

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